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REISETAGEBUCH
Gunda unterwegs – mit 70 Jahren auf einem 3-Rad
knapp 1000 km von München nach Rügen.
Die siebzigjährige Gunda Krauss möchte im Hochsommer eine Radtour von München nach Rügen starten. Für die knapp 1000 Kilometer lange Strecke hat sie rund 50 Tage eingeplant. Begleiten wird sie ihr fünfzehn Jahre alter Rauhaardackel namens Sauser, der es sich im Gepäckkörbchen bequem machen kann.
Aktueller Standort:
21.08.2010 Heute, genau vor einem Jahr!
Wie die Zeit vergeht! Erinnert Ihr Euch? Heute genau vor einem Jahr (15 Uhr) war ich auf dem Weg nach Freising, der ersten Etappe meines Abenteuers. Erinnert Ihr Euch an den Startrummel? Nach dem Glockenspiel fiel der Startschuss. Hep Monatzeder, 3. Bgm. der Landeshauptstadt München und Sauser, meine Wenigkeit und ein Radcorso startete unter Polizeischutz gen Norden zum Mehrgenerationenhaus. Ein paar Tage zuvor hatte Andi den Isar-Radweg mit seinem Zweirad nach Freising ausprobiert und für mein Dreirad als befahrbar befunden. Er musste jedoch während der Strampelei zugeben, dass der Radweg nicht unbedingt für ein Dreirad geeignet war. Es war ein arges Gerumpele über ausgefahrene Wege, über Wurzeln, durch Kies und anderer Hindernisse. Wir mussten „Gas“ geben, denn um 17 Uhr erwartete uns die Honoratioren der Stadt Freising. Eigentlich hatte ich ja gedacht, nach dem ganzen offiziellen und stressigen Teil, mich einfach schnell nach Hause zu begeben, in meinem Bett zu schlafen und am nächsten Morgen ganz früh nach Freising zu radeln. Jedoch, Theresa stoppte diese Idee, denn der Termin in Freising war auch hoch offiziell. - Inzwischen lebe ich von den wunderbaren Erinnerungen dieser Radtour durch die Republik. Ich habe in circa sechs Vorträgen über meine Erlebnisse berichtet und Fotos gezeigt. Weitere Vorträge stehen an. Auch hoffe ich, dass das noch nicht zu Ende ist, denn ich möchte meine Visionen weiter tragen und habe schon wieder neue Ideen. - Einige Begegnungen sind zu Bekanntschaften, Freundschaften geworden. Neue kommen dazu. Darüber bin ich begeistert. Das ist Leben! - Ende Juli war ich in Bad Blankenburg/Thüringen zum Lavendelfest eingeladen. Das hätte ich nie gedacht, dass ich nach einem Jahr wieder so herzlich begrüßt wurde. Ich hatte das Gefühl, ein Stück Heimat gefunden zu haben. Es fiel mir schwer, am Abend wieder nach München zurück zu fahren. Dieser einzige Tag war wie ein langer Urlaub.
10.07.2010 10.07.2010 Sommerzeit
Heute Mittag waren es im Schatten auf meinem Balkon sage und schreibe 34° C. Mit vielen Tricks halte ich die Wohnung auf angenehme 25° C. Leider können Sauser und ich nicht mehr viel draußen unternehmen. Mein Freund kann keinem Stress oder extremer Hitze mehr ausgesetzt werden, dass quittiert er mit Durchfall oder Erbrechen. Also machen wir nur die aller nötigsten Gassi-Runden. Leider muss mein 3-Rad weiterhin in der Garage stehen. Ohne Motorunterstützung ist es mir zu anstrengend, mich per Treten der Pedale bei dieser Wärme fort zu bewegen. Ich musste die Akkus einsenden, sie haben aufgemuckt. Seit dem 01. Juni radelte ich nur noch sporadisch in nächster Umgebung, machte Besorgungen. Welches Glück, für einen Filmdreh am 01. Juni funktionierte alles noch perfekt. Dieser Filmbeitrag wird am 6. September 2010 auf ARTE-Xenius 8:45 und 17:30 Uhr gesendet. Der Titel: „Methusalem alt – fit bis ins hohe Alter“ - hat unheimlich Spaß gemacht. Weil es an diesem Tag so kalt war, sind wir immer schneller durch den Park gesaust, um warm zu werden. Caro, die Moderatorin zog sogar ihren Webpelzmantel aus und legt ihn über Sauser, der zitternd vorn im Korb lag. Anschließend durfte ich im ASZ Haidhausen in Kurzfassung über meine Reise berichten. - Ein ausführlicher Reisebericht mit Fotos findet noch einmal am 29. Juli um 14:30 Uhr im ASZ am Rosenkavalierplatz statt. Bin gespannt, wie viele Zuhörer ich begrüßen kann. - Liebe 3-Radfreunde, Ihr seht, ich bin immer noch gefragt. Das ehrt mich. Das freut mich auch. Ich möchte doch etwas bewegen, wie Ihr wisst. In der kommenden Woche stehe ich dem MDR zur Verfügung, Sauser natürlich auch. Hoffentlich hat es dann etwas abgekühlt. Es soll ein Beitrag für die Sendung „Spitzenreiter – Außenseiter“ werden. Den Sendetermin teile ich selbstverständlich rechtzeitig mit. - Ich hoffe, Euch allen geht es gut. Genießt den Sommer in vollen Zügen, wenn es möglich ist. Bis zum nächsten Mal sage ich ein fröhliches Tschüss. Wer lässt mal was von sich hören?! Würde mich freuen.
13.05.2010 Der Mai ist gekommen
Liebe Freunde, die Eisheiligen treiben mich nicht auf meinen Easy Rider, um ausgiebige Frühlingsrunden zu drehen. Sauser und ich sind froh, nach den Gassi-Runden in die warme Stube zurück zu kehren. - Inzwischen habe ich schon vier Mal meine Fotos gezeigt und dazu erzählt. In der Volkshochschule Lindwurmstraße traten wir alle drei auf! Nachdem der Aufzug ausgemessen war, fuhr ich frohgemut bei herrlichem Wetter durch die Stadt, Sauser vorn im Korb. Der Hausmeister half, den Easy Rider im Aufzug in den 3. Stock zu hieven. Sauser fühlte sich gleich pudelwohl und rannte in alle Kursräume. Zuerst hatte sich nur 6 Personen angemeldet, aber am Ende waren es dann doch 15, die durch viele Fragen großes Interesse zeigten. - Im ÖBZ spielte das Wetter ebenfalls mit. Für uns war es ein Heimspiel. Auch hier stand der Easy Rider neben der Leinwand, Sauser zu seinen Füßen. Christine umsorgte ihn liebevoll. Der Raum war gut besetzt. Anschließend ging es dann draußen weiter. Greencity hatte diverse 3- und 2-Räder mit und ohne Elektromotor zum Ausprobieren bereit gestellt. Und, ich wurde weiter mit Fragen bombardiert: „Hatten Sie keine Angst vor Räubern?“ - Die Frage nach einer Fahrradschule für Erwachsenemöchte ich mit dem Hinweis eines Interessierten und seinen Recherchen beantworten – schaut unter Google „Fahrradschule für Erwachsene“ (es gibt eine in Nürnberg) oder ruft beim ADFC an, wo es in Eurer Nähe eine solche gibt. - Am 12. Mai hielt ich meinen Vortrag in Garching im Seniorentreff. Ohne 3-Rad und ohne Sauser. Zunächst hatte ich die Absicht, mit dem Rad zu fahren. Aber die Heimfahrt hätte ich bei Dunkelheit absolvieren müssen. Das fand ich nicht sehr reizvoll. Sauser musste deshalb auch zu Hause bleiben, denn den Stress in der U-Bahn mit Umsteigen und so weiter darf ich ihm nicht mehr zumuten. Umso mehr freute er sich, als ich wieder zu Hause war. 20 Personen lauschten, fragten und lachten. Das hat mich ungemein gefreut. - Noch weitere Vorträge stehen an mit folgenden festen Terminen: Dienstag, 01.06. im ASZ Haidhausen, Wolfgangstr. 18, ab 14 Uhr - mein Beitrag wird verkürzt sein müssen. Aber am Donnerstag, 29.07. - 14:30 Uhr findet die Präsentation in voller Länge statt im ASZ, Rosenkavalierplatz (Arabellapark). Für heute sage ich herzlichen Dank, dass ich immer noch so große Unterstützung finde. Jetzt packe ich das Buchprojekt an. Haltet die Daumen.
02.04.2010 Osterhasengrüße
Wie die Zeit vergeht! Der Osterhase hat alle Eier bemalt und macht sich auf den Weg, diese in die Nester zu legen. Dieser Monat wird für mich lebendig! Drei Termine stehen an, von meinem Abenteuer zu berichten. Am Sonntag, 25.04. findet im Ökologischen Bildungszentrum, Englschalkinger Straße 166 das monatliche Sonntagscafé statt. Von 14:00 bis 17:00 Uhr veranstaltet Greencity wieder „Mobil im Alter“ mit Vortrag (Ergotherapeut), Vorführung und Probefahrten der verschiedensten Fahr-/Dreiräder. Wenn alles organisatorisch klappt, halte ich dort einen kleinen Vortrag mit Fotos über meine Reise. Mittwoch, 28.04., 16:00 bis 17:30 Uhr bin ich in der Volkshochschule, Lindwurmstraße 127 Rgb. zum Foto-/Reisebericht eingeladen. Dienstag, 11.05., 19:00 bis 20:30 Uhr geht es weiter in Garching, Seniorentreff, Mühlgasse 20 – Bitte, liebe Fans, haltet die Daumen, damit sich mein Lampenfieber endlich legt. - Die Homepage wird fleißig genutzt, habe ich gesehen. Sie wird demnächst modernisiert, damit auch unsere Kommunikation klappt. Also Geduld. Viel habe ich vor und bitte Euch, eifrig mitzumachen. Genießt das beginnende Frühjahr und putzt schon mal Eure Räder. Vorher wünschen Euch ein frohes Osterfest Gunda und Sauser
19.02.2010 Öffentliche Auftritte auf der f re e Messe
Hallo Fans! Zwei Auftritte hatte ich auf der Messe. Zweimal wurde ich interviewt. Ausgemacht war, dass ich mit Sauser und dem Easy Rider auftreten sollte. Doch das sagte ich ab. Sauser wäre es zu kalt gewesen auf der Fahrt dorthin. Dann der Menschenauflauf, der war mir an den zwei Tagen schon nervig. Also wurde von van Raam ein Easy Rider ausgeliehen und auf die Bühne gehievt. Ging gut. Ich hatte einen Stick mit Fotos dabei. Die Fotos liefen ohne Kommentar als Hintergrund ab. Bernd Gutknecht vom BR befragte mich. Ich glaube, er kam kaum mit, so temperamentvoll antwortete ich. Ich fand, eine halbe Stunde war auch viel zu wenig. Ich wollte doch so viel sagen! - Ansonsten erkundigte ich mich nur nach Dingen rund ums Dreirad, wie Transport, geführte Radreisen, Radwegbeschaffenheit und so fort. Auf dem Stand der Firma „emotion“ wurde ich herzlich empfangen und gleich gebeten, einer Interessentin, die zu 100% behindert ist, den Easy Rider zu erklären. Da kam die Idee auf, alle Easy Rider-Fahrer – zunächst in München und Umgebung – ausfindig zu machen und einfach mal ein großes Event zu organiseren. Am Ende schlurfte ich müde nach Hause. Mein Kreuz drohte durch zu brechen. Der Stick mit den Fotos war eine kleine Probe, wie am Ende die Präsentation aussehen wird. Das ging nicht ohne Probleme ab. Aber woran das liegt, das wissen nur die Genies, ich jedenfalls nicht. Ich werde alles so vorbereiten, dass die Profis alles ins rechte Lot bringen. - Jetzt muss ich ran an die Arbeit, der Fertigstellung der Präsentation. Bis demnächst, liebe Fans, grüßt Euch Gunda mitsamt ihrem Sauser.
23.01.2010 Hier melden sich wieder Sauser und Gunda
Liebe Fans, uns geht es gut. Wir haben viel Arbeit, die leider nicht von allein fertig wird. Dazu kommt, dass die vielen Feiertage mich ziemlich träge gemacht haben. - Aber nun packen wir es wieder an mit frischem Elan! Habt Ihr gesehen, es hat sich eine Dame aus München gemeldet. Sie besitzt ebenfalls ein Dreirad. Wir haben bereits Kontakt aufgenommen. Das Beste, sie wohnt ganz in meiner Nähe! Also, weiter so! Meldet Euch, wann immer ihr wollt, ich freue mich! - Die Präsentation wächst mit der Hilfe des Mediencenters 50plus. Bei dem vielen Hin und Her des Sortierens der Fotos, sind leider etliche auf der Strecke geblieben. Schade! Muss ich halt mehr erzählen. Der nächste anstehende Termin ist die f.re.e.-Messe im Februar in München. Da bin ich zu einem Interview am 19. und 20.02. auf dem Fahrradpodium eingeladen. Sauser darf sogar ebenfalls mit. Er hat Sondererlaubnis, das Messegelände zu betreten. Übrigens geht es ihm prächtig. Er hat den Winter bisher gut überstanden. Ich habe seine Pfoten sehr pfleglich behandelt, gebadet und gesalbt, um das Salz weg zu bekommen. - Um mich für weitere Taten fit zu halten, gehe ich fleißig in mein Kraftausdauertraining! Ansonsten arbeite ich fleißig am PC. Nicht nur die Präsentation, das Buch, aber auch die Technik meines Easy Riders beschäftigt mich. Wie kann ich den Motor so gestalten lassen, dass er unterstützt, das Gewicht fort zu bewegen. Es wäre schön, wenn ihm an Steigungen von ca. 10% nicht einfach die Puste ausgeht! Das Gesamtgewicht war auf meiner Tour immerhin 130 Kilogramm! Wir freuen uns auf den Frühling. Vögel haben wir schon zwitschern gehört. Also kann er nicht mehr weit sein, die Tage werden auch schon heller.
25.12.2009 Frohe Weihnachten und ein gutes 2010
Euch allen ein friedliches Weihnachtsfest, wo immer Ihr diese Zeilen lesen könnt. Sauser und ich sind zu Hause in München geblieben und haben die Stille gesucht und auch gefunden. All die Hektik haben wir einfach weg geblasen. Keine Umweltverschmutzung durch in die Ferne fliegen oder mit dem Zug fahren. Überall waren ja Wartereien, verbunden mit Stress, um ja pünktlich irgendwo zu sein zu müssen. Muss man unbedingt in die Sonne fliegen? Zu uns kommt sie auch wieder zur rechten Zeit. - Inzwischen habe ich allen Gemeinden, die mich während meiner Tour so herzlich empfangen haben, schriftlich gedankt - ein ganz schönes Stück Arbeit! Ich sage nur: der Zauberlehrling! Jetzt aber muss ich mich an die Präsentation machen. Habe Bammel davor, ob das auch hinhaut! Für das neue Jahr wünsche ich allen eine gute Gesundheit, Freude an allen großen und kleinen Dingen, verbunden mit dem Quäntchen Glück zum Glücklichsein. Ich hoffe, wir hören wieder voneinander!? In diesem Sinne grüßen Gunda und ihr Sauser
11.12.2009 Der Jakobsweg - von München nach Rügen
Gestern war ich bei meinen Patagonia-Freunden. Das letzte Vortragsevent des Jahres fand statt. Die Lichtbilder und Buchpräsentation: „71 Gramm und die Zeit bis Santiago“. Stefan Rosenboom las aus seinem Buch und zeigte traumhafte Fotos aus dem Bildband über den Jakobsweg. Für diese Präsentation erhielt Stefan R. auf dem renommierten El-Mundo-Festival 2008 den 1. Preis. - Zu Hause bekam ich Zweifel an mir selbst: „Ob meine Präsentation genau so ankommt?“ Mich haben die Bilder bewegt. Die Schilderung hat mich berührt. Irgendwie war auch Gleiches mit meiner Radtour zu finden: die Begegnungen mit Menschen, die daraus entstehende Selbstfindung, das Erlernen von Toleranz. Ich denke, daran sollten wir arbeiten! Das darf nicht wieder verschüttet werden. Das hilft auch dem Umweltbewusstsein und kann zum dringend nötigen Klimaschutz beitragen. - Ab heute fange ich an, meine Fotos zu sortieren. Im Januar 2010 muss die Präsentation stehen! - An die Arbeit, Gunda!
0212.2009 Advent, Advent ...!
Erinnert Ihr Euch an den Tagebucheintrag vom 2. September? Da war ich in Forchheim und schrieb: „Das Rathaus entstand als spätgotischer Fachwerkbau vor 1402. In der Adventszeit verwandelt sich das Rathaus in den schönsten Adventskalender der Welt. Vom 1. bis 24. Dezember öffnet der Forchheimer Weihnachtsengel täglich ein Fenster, dahinter verbergen sich weihnachtliche Motive und auch wertvolle Preise. Ich meine, das sollte mal eine Reise wert sein!“ Also, was ist? Ich selber habe inzwischen schon drei Weihnachtsmärkte in München erkundet. Wunderbar finde ich den an der Münchner Freiheit mit viel weihnachtlichem Kunsthandwerk. Der Markt in der Residenz ist auf Mittelalter gemacht, mir jedoch zu kommerziell. - Was gibt es sonst Neues von Sauser und mir zu berichten? Ich habe mit Herrn K. aus der Nähe von Bayreuth telefoniert. Er hat ein Dreirad und kommt gut damit zurecht. Was mich besonders freut, er hat zusammen mit der Gemeinde seines Ortes einen Verein für Nachbarschaftshilfe gegründet. Aufgrund der Filmerei mit den jungen Menschen des NDR habe ich mit einer Dame aus Usedom Kontakt aufgenommen. Sie hat auch ein Dreirad. Telefonisch tauschten wir bereits unsere Erfahrungen aus. Fast möchte ich sagen: „Dreiradfahrer, vereinigt Euch!“ Ich meine das ernst! Nur in großer Anzahl können wir Änderungen erreichen, z.B. den Transport unserer Dreiräder mit der Deutschen Bahn und vieles mehr! - Sauser hat zusammen mit mir den „Zwei-Sterne-Orden“ überreicht bekommen. Sauser nahm die Verleihung gelassen hin, ich war sehr verlegen. Frau Dr. Hamm-Brücher wollte damit ihre Freude und Stolz auf meine „Tat“ zum Ausdruck bringen. - Der zweite Advent rückt näher! Die Nacharbeitung meiner Radtour muss etwas zurück stehen, die Weihnachtsvorbereitungen sind angesagt. Aber danach geht es mit Elan an die Präsentation und das Buch. - Liebe Freunde, Euch allen wünschen Sauser und ich eine besinnliche Adventszeit. Hetzt nicht! Entdeckt die Langsamkeit!!! Schreibt Ihr mir wieder einmal?! Ich würde mich freuen!- Noch etwas! Beim Recherchieren einer Adresse landete ich auf der Homepage vom Radladen in Fürstenberg/Havel. Dort fand ich einen Eintrag über meine Tour! Toll! Ich glaube, alle diese Begegnungen können zu einem super Netzwerk führen. Also, macht mit!
12.11.2009 Mein Easy Rider, endlich auch zu Hause!
Bin ich wirklich zu Hause angekommen? Die Wäsche jedenfalls ist gewaschen und wieder im Schrank verstaut. Ich habe alles wieder eingesammelt, was ich z.B. Verena immer bei den Wäschewechselaktionen mitgegeben habe. Jetzt heißt es, Papiere sortieren, damit die Aufarbeitung starten kann. Aber zuerst möchte ich mich bei allen, die mich so herzlich in den Gemeinden entlang meiner Route empfangen haben, schriftlich bedanken. Als nächstes sollte ich eine Präsentation erarbeiten, denn schon trudeln Anfragen ein, Vorträge über meine Radtour zu halten. Das mache ich natürlich sehr gern. Das ist ein Baustein, den gemachten Erfahrungen Nachhaltigkeit zu geben. Es wäre doch schade, wenn alles im Sande versickern würde! Liebe Freunde, haltet die Daumen, dass ich Die Präsentation (fast jedenfalls) professionell in den PC bekomme! Dann wird das geplante Buch sicher ein Klacks, wenn ich einen Verlag und einen Lektor finde! - Einen Erfolg haben wir zu verzeichnen! Herr K. hat ein Dreirad bekommen! Dafür sage ich aus tiefstem Herzen denen danke, die das ermöglicht haben. - Sauser geht es ausgezeichnet. Er läuft wie ein junger schnüffelnd durch die Gegend. Vergangene Woche feierten wir seinen sechzehnten Geburtstag. Gelassen nahm er die Ovationen entgegen. Hoch erhobenen Hauptes trabt er durch den Park. Er ist stolz auf seine Erlebnisse und findet seine Artgenossen ziemlich langweilig. Seit gestern ist das Dreirad in München. Nächste Woche bekomme ich es. Dann werde ich in der Alukiste noch wunderbare Erinnerungsstücke entdecken. Liebe Freunde, ich werde nicht jeden Tag schreiben können, da ist mein Alltag zu normal. Aber in Abständen könnt Ihr aus Sausers und meinem Leben erfahren. Ich werde Euch informieren, wie der Stand der Dinge meiner Vorhaben ist. Vielleicht hat der eine oder der andere von Euch super Ratschläge? Jetzt sage ich: „Bis bald!“ Lasst es Euch gut gehen, bleibt gesund und fröhlich Euer Sauser und seine Gunda
13.10.2009 Schöne Tage, weine nicht, dass sie vorüber, ......
10:01 Uhr Abfahrt vom Hauptbahnhof Hamburg. Frühzeitig haben Sauser und ich uns auf den Weg gemacht. Sauser muss sich ordentlich auspinkeln, denn fünfdreiviertel Stunden sollte er durchhalten! Wir sitzen auf dem Bahnsteig und warten. Sauser guckt interessiert dem wuseligen Treiben der Reisenden zu. Plötzlich steht meine kleinste, aber von Gestalt größte Cousine Lotte vor mir. Ich bin total überrascht! Übers Internet hat sie heraus bekommen, wann ich von Hamburg abfahre. Finde ich einfach – wie sagen die Jungen dazu? - cool! Ich trage ihr Grüße an die Verwandtschaft auf, die hier im Norden der Republik zu Hause ist. Jetzt sitze ich im Zug. Die Landschaft gleitet in raschem Tempo an mir vorbei. Was sehe ich? Um Hannover ist es endlich mal flach, potteben! Danach wird es wieder hügeliger, die Mittelgebirge beginnen. Die Wälder tragen buntes Herbstlaub. Wenn wir nicht gerade durch einen Tunnel rasen, erblicke ich einen blauen Himmel mit dicken hellgrauen Wolkenkissen. Ich vermisse die langsame Fahrt mit meinem Easy Rider. Heute Nachmittag sind Sauser und ich wieder in München. Bis bald, liebe Freunde. Vorläufig sage ich auf diesem Weg ein herzliches Dankeschön für die tolle Unterstützung, virtuell, gedanklich und persönlich. Auf dieser Welle fühlte ich mich geborgen und glücklich. DANKE, DANKE und noch einmal DANKE! - Pünktlich fährt der Zug in München ein. Ich stecke Sauser in die Tasche, damit kann ich ihn leichter aus dem Zug tragen, schultere den Rucksack und betrete den heimatlichen Bahnsteig. – Ich bin zurück gekommen! - Ich trotte, schwer bepackt dem Ausgang entgegen. Plötzlich höre ich Blasmusik, eine große Abordnung meines Greencity-Teams nimmt mich in die Arme. Ein riesengroßes Lebkuchenherz wird mir umgehängt: „Liebe Gunda, herzlich willkommen dahoam! Dein Greencity-Team“ Sauser bekommt ein kleines Herz „Spatzl“ umgehängt, ihm ist der Rummel nicht geheuer. Die Leckerlis für ihn und die Schokolade für mich stecke ich ein, danke Christine. Die Blaskapelle spielt unermüdlich! Unter anderem: „Ja, wir san mit’m Radl da!“ Ich muss tanzen bis mir schwindelig wird. Ein Reporter des BR 1 möchte ein paar Fragen stellen. Mit der Musik der 3-Mannkapelle bewegen wir uns dann irgendwann einmal dem Ausgang entgegen. Wunderbar zu beobachten, wie die Reisenden lächeln und das muntere Treiben meiner Rückkehr beobachten, anstatt mit miesepetrigen Gesichtern zum Zug zu hetzen. Theresa bringt mich samt dem Gepäck nach Hause. Was für ein Gefühl! Fremd kommt mir alles vor! Es wird einige Zeit dauern, bis ich wirklich zu Hause angekommen bin! - Liebe Freunde, habt Verständnis, dass ich Zeit brauche, um mich in meiner Wohnung wieder heimisch zu fühlen. Danach werde ich meinen Traum verarbeiten und Euch weiter an den überwältigenden Erlebnissen teilhaben lassen. Schöne Tage, weine nicht, dass sie vorüber, lächle, dass sie gewesen! Mit einem leisen, tatsächlich wehmütigem Servus grüße ich alle meine Freunde, hoffe, dass die Kontakte nicht abbrechen.
12.10.2009 Ich hatten einen Traum
Heute Mittag geht es zurück nach Hause. Wie werde ich es vorfinden? Freue ich mich? Die Gefühle sind nicht definierbar. Alles ist noch so unwirklich! Der Himmel weint zum Abschied. Auch heute werde ich von der Landschaft wenig sehen können. - Der Rucksack ist gepackt. Die Massage habe ich genossen. Sie hat auf wunderbare Weise Spannungen und Verknotungen gelöst. Also, Gunda auf geht es! Fahre nach Hause! Ich lasse mich von einem Taxi zum Bahnhof fahren. Sauser würde vor lauter Abschiedsschnüffeln nie dort ankommen. Um seine teure Kinderfahrkarte zu sparen und, weil er leichter zu transportieren ist, kaufe ich in Bergen eine Tasche. Sauser wird gleich hinein gesetzt. - Fast Punkt zwölf Uhr fährt der Zug aus dem Bahnhof Bergen in Richtung Hamburg. Ich hänge meinen Gedanken nach. Dunkle dicke Wolken jagen über den Himmel. Adieu Rügen! Ich komme wieder. - Als der Zug über den Rügendamm rollt, muss ich aufstehen, um einen letzten Blick vom Wasser und der Silhouette von Stralsund zu erhaschen. - Der Regen verzieht sich. Die Sonne scheint. Um nicht auf wehmütige Gedanken zu kommen, vertiefe ich mich in meine Reiselektüre. So vergeht die Fahrt wie im Flug. Theresa hat mir in Hamburg in Bahnhofsnähe ein Hotelzimmer reserviert. Die Großstadt irritiert mich. Sauser macht mich mit seiner neugierigen Schnüffelei nervös. - Das angekündigte Hotel war nicht die richtige Adresse. Wieder ein paar Straßenzüge zurück. Endlich! Hotel Brennerhof (Sphinx 1) wird von Persern geführt. In der gesamten Straße sind arabische und türkische Geschäfte und Restaurants. - Irgendwie schaffe ich es, meine Freundin Bruni zu erreichen, die wiederum Wiebke, „meine Adoptivtochter“ verständigt. Diese holt mich mit ihrem Freund ab. Wir treffen uns in einem Restaurant zum Abendessen. Jeder kann sich vorstellen, dass die Zeit mal wieder viel zu kurz ist, um alles zu erzählen. Aber es ist schön, dass wir uns sehen.
11.10.2009 Ist mein Traum Wirklichkeit geworden?
Bis ca. 8 Uhr geschlafen! Das ist in den letzten Wochen eigentlich nicht vorgekommen! Mit Andi gemütlich gefrühstückt. Das Wetter ist so grottenschlecht, dass wir nichts unternehmen können. Das heißt, Rügen sollte bald ein wieder eines meiner Ziele sein. Es ist größte Insel (974 km²) Deutschlands mit ca. 73000 Einwohnern, vorwiegend vom Tourismus lebend. Die Nord-Süd-Länge ist 51,4 km, von West nach Ost sind es 42,8 km. Die Küstenlänge beträgt 574 km, die Länge der Badestrände 85,8 km. 15,4 ha Wald gibt es auf der Insel. Zu Hause werde ich mich in den Bildband vertiefen. Die Kalender werden mich in meinem Wunsch bestärken, bald – auf jeden Fall zur wärmeren Jahreszeit – auf der Insel Rügen Urlaub zu machen. Aber ohne meinen Easy Rider, es sei denn, die DB übernimmt den Transport!!! - Ja, das wünsche ich mir sehr, dass das Dreirad zu den Anfängen der vielen Radrundwege transportiert wird, ich genussvoll entlang dieser Kultur, Natur und alles Sehenswerte erleben kann. Stopp Gunda, komme erst einmal wieder in München, Deinem zu Hause an, ehe Du von Neuem das Träumen anfängst!! - Meine Tour geht nun zu Ende. Es heißt Abschied nehmen von einer wunderbaren Zeit, wunderbaren Menschen, wunderbaren Erlebnissen und Vielem mehr. Adieu sage ich mit zwei weinenden Augen. Liebe, neu gewonnene Freunde, vielleicht – ich hoffe es – sehen wir uns wieder. Vielleicht halten wir wenigstens Kontakt über das Internet? - Wie viele Gemeinden habe ich kennen gelernt? Mit wie vielen Menschen habe ich intensive Gespräche geführt? Überall wurde ich überaus liebevoll aufgenommen. Nie habe ich mich fremd gefühlt. Manchmal hatte ich das Gefühl, wir kennen uns schon lange Zeit. Was heißt da „Neue Bundesländer“? Wie bedanke ich mich nun bei allen? Wo fange ich an? Doch, erst einmal fahre ich zurück nach München. Bis dann sage ich leise Servus, liebe Freunde!
10.09.2009 Steife Brise auf der letzten Etappe
Die letzte Etappe! Das Wetter spielt mit. Sonne an einem hellblauen Himmel. Kleine Dunstwolken kommen näher. Ein kalter Wind zwingt mich, alles Warme anzuziehen. Das Dreirad durfte im Flur des Wohnheims des Berufsförderungswerks Stralsund übernachten. Bepackt habe ich es gut aus dem Hauseingang, ohne anzustoßen, geschoben. Da schlägt die Haustür zu. Sauser, der Wohnungsschlüssel und noch einiges sind im Zimmer. Statt mit dem Rad zur Pforte zu fahren, um Hilfe zu holen, laufe ich 10 Minuten. Bin ich schon so durcheinander? Bin ich so aufgeregt, weil ich kurz vorm Ziel bin? Der Pförtner beruhigt mich und kommt mit dem Generalschlüssel. Der Weg in die Stadt führt am Wasser entlang. Wellen haben Schaumkronen, Möwen fliegen kreischend in Kapriolen auf und ab. Über Kopfsteinpflaster hoppele ich durch ein Stadttor auf den Marktplatz vor das Rathaus. Das ist ein schönes Motiv! Ich komme nicht dazu, die Kamera zu zücken. Ein junger Mann tritt auf mich zu, bewaffnet mit einem Fotoapparat: „Schön, dass Sie da sind!“ Der Fotograf ist von der „dpa“ und fotografiert Sauser, den Easy Rider und mich von Weitem, von Nahem, auf dem Bauch liegend. Ich muss aber weiter. An der Altefähr hinterm Rügendamm links bin ich verabredet mit einem Herrn in orangefarbener Jacke. Die neue Brücke nach Rügen ist beeindruckend, aber nur für Autos erlaubt. Also fahre ich munter über den alten Damm, sehe am Ende zwei Männer in orangefarbener Radbekleidung. Sie schauen erstaunt, als ich auf der Straße, statt auf dem Fuß-/Radweg angefahren komme. Die beiden kommen aus Binz, haben schon ca. 50 km auf ihren Rennrädern herunter geradelt. Es sind Herbert und Martin. Sie haben sich ausgedacht, auf dem Weg nach Bergen, mir so viel wie möglich zu zeigen. Wunderbar! Ich freue mich. Aber der Gegenwind lässt uns nicht voran kommen, besonders mich, die beiden sind ja windschnittig, ich breit und behäbig. Ich brauche viel Motorunterstützung. Herbert meint, ich solle etwas sparsamer sein. Der Anstieg nach Bergen auf dem Marktplatz erhöhe den Stromverbrauch gewaltig. Das heißt strampeln, nach Möglichkeit ohne Motorunterstützung. Ich stelle fest, auch auf Rügen gibt es ganz schöne Aufs und Abs! Gut, dass ich auf der gesamten Tour gute Kondition bekommen habe. Die Straßen sind sehr gut asphaltiert, nicht wie ich in Greifswald erfuhr, Kopfsteinpflaster. Das ist eine angenehme Überraschung. Wir fahren über Gartz nach Putbus. Unterwegs finden wir eine Gaststätte, wo wir uns aufwärmen und essen können. Die Fahrt geht durch alte, herrliche Alleen. Wie durch einen Tunnel. Die wollte ich immer schon mal sehen! Der Himmel bezieht sich immer mehr, lausig kalt ist es. Putbus ist die Theaterstadt auf Rügen. Um einen großen Platz stehen herrlich weiße Villen, ich glaube typisch für Rügen. - Super pünktlich klettern wir den Anstieg zum Marktplatz hinauf. Dort frieren schon der stellvertr. Landrat Jörg Heulser, der Vorsitzende des Seniorenbeirats Fritz Barthel, die Referentin des Touristikverbands Ulrike Andreesen und andere, Dackel Moritz und Charis Schalley vom Parkhotel Rügen, sowie einige Radler vom Radclub Rügen, das örtl. Fernsehen und ein Reporter. Ich sehe Andi von Greencity. Und doch sehe ich nichts, Ich bin einfach zu aufgeregt! ICH HABE ES GESCHAFFT!!! Ich kann es gar nicht glauben! Jasmin, ich habe es geschafft! 1261 Kilometer vom Marienplatz in München bis zum Marktplatz in Bergen auf Rügen! Mit Geschenken werde ich überhäuft! Dafür sage ich allen mein allerherzlichstes Dankeschön. - Die Aufregung will sich nicht legen! Im Parkhotel, wo Andi und ich super untergebracht sind, wird das hoffentlich gelingen. Dackel Moritz zeigt uns (sein) Büro. Sauser und er tauschen Höflichkeiten aus. Bei einem fantastischen Abendessen mit Frau Schalley und einem befreundeten Ehepaar aus Berlin geht ein ereignisreicher Tag zu ende! Ob ich je realisieren kann, was ich gemacht habe?
09.10.2009 Eine steife Brise bläst mir entgegen
Fernradweg Nord-Ostsee gleich ab dem Hotel Alter Speicher, Klasse. Kein Suchen, einfach los radeln. Ab Neuenkirchen wird es eine ganz kleine Landstraße, ein Viertel der Breite ist geteert mit vielen kleinen und großen Schlaglöchern, das andere Viertel Sandpiste, für mich unbefahrbar. Ausgewiesen als Nord-Ostseeradweg. Leider fahren PKWs mit rasendem Tempo auf dem geteerten Teil. Ich muss anhalten, bis sie vorbei sind. Ich stelle fest, die größten Raser sind Frauen! Die sitzen hinterm Steuer mit verbissenem Gesichtern, manche mit einem Glimmstengel zwischen den Lippen. Ich schimpfe wie ein Rohrspatz. Nur, sie hören mich nicht! Ab Mesekenhagen verläuft der Radweg auf der alten B 96, gleich daneben verläuft die neue Fernstraße mit Mindestgeschwindigkeit von 30! Das schaffe ich leider bei bestem Willen nicht! Die alte B 96 ist eine Allee mit dicken alten Kastanien, auch mit freiem Blick auf wieder große Felder. Auf einigen drehen sich Windräder. Die Flügel werfen Schatten auf die Wintersaat. Da denke ich an die Bemerkung von Herrn Jeske aus Bernburg: „ Wenn man die sich schnell bewegenden Schatten sieht, fängt man an, automatisch mit dem Kopf mit zu nicken.“ Der Wind lässt die Rotoren der Windräder schnell drehen, mir bläst er kräftig entgegen. Warum hat man auf dem Fahrrad immer nur Gegenwind? Könnte doch auch mal Rückenwind sein! Große hellgraue Wolken segeln am Himmel. Wieder ist der Horizont so weit. - In Greifswald habe ich mich in der Touristikinformation über die Befahrbarkeit der Strecke nach Stralsund erkundigt. Da hieß es, alles Kopfsteinpflaster etwa so wie der Greifswalder Marktplatz, alle anderen möglichen Radwege könne ich mit meinem Dreirad nicht schaffen. Bin ich froh, dass die Sonne scheint, die Straße trocken ist. Leider ist die Straße an manchen Stellen sehr gewölbt, in der Mitte ziemlich hoch, an den Rändern fällt sie stark ab. Ich hänge sehr schräg auf dem Dreirad, immer mit dem Gefühl irgend wann umzukippen. Eines weiß ich, morgen werde ich alle warmen Sachen anziehen. Heute ist es mir durchgehend kalt. Deshalb suche ich eine Gaststätte, um mich aufzuwärmen. Alle Dörfer erscheinen wie ausgestorben, auch die größeren. Bis ich ein Schild sehe! Hotel & Restaurant Borgwarthof, Sundhagen, Ortsteil Oberhinrichshagen. Weit muss ich nicht von meiner Route abweichen. Ich habe Glück, es gibt sogar zum Essen. Zuerst einmal einen heißen Tee. Der Wirt erzählt, dass er aufgeben möchte, da nichts läuft. Ich bin auch der einzige Gast. Schade, denn das Essen schmeckt gut. - Pünktlich finde ich den alten Markt und das Rathaus von Stralsund. Eine Hochzeitsgesellschaft stellt sich gerade fürs Foto auf. Von der Behindertenbeauftragten, Frau Hertweg werde ich im Namen des Bürgermeisters von Stralsund begrüßt, fotografiert und gefilmt vom örtlichen Fernsehen, befragt von der Presse. Dann, ich denke, ich träume und reibe mir die Augen. Um die Ecke biegt Frau Intress und Jasmin aus Fürstenberg, samt kleinem Schwesterchen im Kinderwagen, den die Freundin schiebt! Das ist eine Überraschung! Eine gelungene! Jasmin sagt wieder „Sauser“ und strahlt! - Frau Hertweg begleitet mich in meine Unterkunft, Internat des Berufsförderungswerk Stralsund, was etwas außerhalb der Innenstadt liegt. Von der Kantine aus sehe ich das Wasser. Der Start morgen ist vorbereitet. Ein Mann hat mich angerufen, bevor ich in Stralsund eintrudelte. Er sei von der Landrätin gebeten worden, mich nach Bergen zu begleiten. Wir treffen uns an der alten Fähr morgen um kurz nach 10 Uhr. Ob noch jemand mitradelt? Ich werde vor 10 Uhr auf dem Marktplatz stehen und ein bisschen warten, dann aber losfahren, um den Herrn mit der orangefarbenen Jacke zu finden. Gute Nacht Freunde! Herzlichen Dank und ganz besondere Grüße an Familie Intress aus Fürstenberg.
08.10.2009 Kamerunschafe
Frau Mayer verwöhnt ich mit einem Frühstück wie im 4-Sterne-Hotel. Da sie nicht nur Singen als Hobby hat, sondern auch Handarbeiten, kann ich nicht umhin, mir ein Paar Socken für kommende kalte Nächte zuzulegen. Selbst gekochte Marmelade, kleine dicke Strickschuhe nehme ich als Geschenke mit für meine Nichte. Frau Mayer will dafür fast kein Geld, was mache ich da! - Die Kamerunschafe blöcken. Sauser läuft schnüffelnd durch den Garten, ihm gefällt es hier. Aber wir müssen weiter, der Radverein Demmin steht in großer Mannschaft zur Abholung bereit. Sie begleiten mich bis in die Hansestadt Demmin vor das Rathaus, wo ich ganz herzlich begrüßt werde. Mir wird eine große Ehre erwiesen, ich darf mich in das Gästebuch der Stadt eintragen. Dann begleiten mich meine Radsenioren aus der Stadt hinaus, damit ich den rechten Weg nach Greifswald nicht verfehle. Munter radele ich los. Es ist nicht sehr kalt und zum Glück regnet es auch nicht. Aber es bläst ein ziemlich heftiger Wind. Der soll heftiger blasen in den nächsten Tagen. Hoffentlich weht er mich nicht irgendwann von der Straße! Wieder rechts uund links der Allee weite abgeerntete Felder. Kleine Seen blinken silbern zwischen Schilf. Da! Ein Geschnatter!! Über mir fliegt ein Schwarm Wildgänse. Sofort kommt mir die Geschichte des Nils Holgerson in den Sinn. Die Gänse landen auf einem abgeerntetem Maisfeld und sind kaum zu sehen, sehr gut getarnt. Ich fahre auf Landstraßen, die in gutem Zustand sind. Der Verkehr ist ziemlich heftig, werde ich ganz schön voll gespritzt, besonders von den LKWs. Manche Autofahrer hupen und deuten einen Vogel an. Leute, es gibt keinen Radweg! Ich benutze nämlich diese, so sie vorhanden sind. Aber meistens sind sie nicht so gut in Schuss wie die Straße, eng und holperig, manchmal im Nirwana endend. Ein Schild taucht auf: Greifswald 25 km, super. Da das Wetter nicht gerade einladend ist für ein Picknick im Freien, suche ich ein Lokal. Aber wieder vergeblich. Etliche Orte, größere und kleine durchfahre ich, Ausschau haltend nach einem Schild (wie in Carpin). So bin ich gezwungen unter einem großen Baum halt zu machen. Neben diesem Baum sind große Steine aufgetürmt. Die Karte deutet ein Hünengrab an. Der Himmel wird immer schwärzer. Da packe ich uns mal lieber regenfest ein. Just, als ich die Reißverschlüsse der Regenhose zuziehe, fängt es an, erst mit Nieseln, dann heftiger. Auf diese Weise komme ich viel zu früh in Greifswald an. Auf dem Marktplatz treffe ich Sigrid und Hagen, der sich neugierig auf mein Dreirad setzt. Im Rathaus melden wir uns an und warten im Café Lichtblick auf die Presse und die Personen, die Gleichstellungsbeuaftragte der Hansestadt Greifswald, ein Herr vom Seniorenbeirat, eine Dame vom Mehrgenerationenhaus und von der Verwaltung, die mich begrüßen möchten. Wir tauschen uns aus. Auch in Greifswald tun sich Menschen zusammen und suchen nach individuellen Wohnformen. Ich erzähle von unserem Wohnprojekt. Den Abend verbringe ich in ausgesprochen gemütlicher Runde bei meiner Nichte und ihrer kleinen Familie. Ich genieße die Schmuseattacken von Hagen (3 Jahre).
08.10.2009 Hansestadt Greifswald und meine Familie
In Greifswald hat meine Mutter ihre Ausbildung zur MTA gemacht. Das war um 1930 und mein Vater soll ihr auf dem Marktplatz den Heiratsantrag gemacht haben. Meine Nichte studierte hier Jura, lebt und arbeitet in der Hansestadt. Das ist doch ein schöner Anlass, meine Radtour über diese Stadt geplant zu haben, oder? - Eine junge Stadt. Gerade hat das Semester begonnen. Studenten suchen verzweifelt eine bezahlbare Bleibe. Ich bekomme ein Zimmer in der Pension Heinrich, Friedrich Loefflerstr., leider nur für eine Nacht. Über die Touristeninformation finde ich Unterkunft im Hotel Alter Speicher. Das Hotel ist gut, preislich aber durchaus mit den alten Bundesländern zu vergleichen! Bis etwa Mittag regnet es ein wenig. Die Sonne kommt aber doch noch raus. Meine Nichte hat sich frei genommen und zeigt mir die Stadt. Klein und überschaubar. Jeder kennt jeden! Jeder bekommt die wichtigsten Dinge des anderen mit und trägt sie weiter wie ein Lauffeuer. Greifswald ist die drittälteste Universität mit heute ca. 20000 Studenten und ca. 70000 Einwohnern. Beim Blick in die Schaufenster sehe ich Preise wie in den alten Bundesländern. Wie meine Nichte erzählt, sind die Mieten und Lebenshaltungskosten durchaus mit z.B. Bremen vergleichbar, aber die Gehälter hinken gewaltig hinterher. Diese Schieflage finde ich ungut. Die Fußgängerzone mit ihren fein heraus geputzten Häusern ist schnell von einem Ende bis zum anderen abgelaufen. Nur Sauser mimt den alten Hund, bis er im Buggy sitzen darf. Hagen, mein Großneffe hat ihn gern zur Verfügung gestellt und tippelt brav an meiner Hand vom Kindergarten bis nach Hause. Ein gemütliches gemeinsames Abendessen, dazu ein guter Tropfen Rotwein lässt den Abschied schwer fallen. Ein schöner Tag in einer sehr schönen Stadt. Da sollte ein Wiederkommen schon bald geplant werden. Noch zwei Etappen habe ich vor mir. Morgen fahre ich nach Stralsund. In der Touristikinformation habe ich mich nach einem guten Radweg oder nicht allzu sehr befahrener Landstraße erkundigt. Die Auskunft ist nicht gerade glücklich ausgefallen. Aller Wahrscheinlichkeit nach muss ich die alte B 96 fahren. Die soll Kopfsteinpflaster haben!!
07.10.2009 Nils Holgersons Reise
Frau Mayer verwöhnt ich mit einem Frühstück wie im 4-Sterne-Hotel. Da sie nicht nur Singen als Hobby hat, sondern auch Handarbeiten, kann ich nicht umhin, mir ein Paar Socken für kommende kalte Nächte zuzulegen. Selbst gekochte Marmelade, kleine dicke Strickschuhe nehme ich als Geschenke mit für meine Nichte. Frau Mayer will dafür fast kein Geld, was mache ich da! - Die Kamerunschafe blöcken. Sauser läuft schnüffelnd durch den Garten, ihm gefällt es hier. Aber wir müssen weiter, der Radverein Demmin steht in großer Mannschaft zur Abholung bereit. Sie begleiten mich bis in die Hansestadt Demmin vor das Rathaus, wo ich ganz herzlich begrüßt werde. Mir wird eine große Ehre erwiesen, ich darf mich in das Gästebuch der Stadt eintragen. Dann begleiten mich meine Radsenioren aus der Stadt hinaus, damit ich den rechten Weg nach Greifswald nicht verfehle. Munter radele ich los. Es ist nicht sehr kalt und zum Glück regnet es auch nicht. Aber es bläst ein ziemlich heftiger Wind. Der soll heftiger blasen in den nächsten Tagen. Hoffentlich weht er mich nicht irgendwann von der Straße! Wieder rechts uund links der Allee weite abgeerntete Felder. Kleine Seen blinken silbern zwischen Schilf. Da! Ein Geschnatter!! Über mir fliegt ein Schwarm Wildgänse. Sofort kommt mir die Geschichte des Nils Holgerson in den Sinn. Die Gänse landen auf einem abgeerntetem Maisfeld und sind kaum zu sehen, sehr gut getarnt. Ich fahre auf Landstraßen, die in gutem Zustand sind. Der Verkehr ist ziemlich heftig, werde ich ganz schön voll gespritzt, besonders von den LKWs. Manche Autofahrer hupen und deuten einen Vogel an. Leute, es gibt keinen Radweg! Ich benutze nämlich diese, so sie vorhanden sind. Aber meistens sind sie nicht so gut in Schuss wie die Straße, eng und holperig, manchmal im Nirwana endend. Ein Schild taucht auf: Greifswald 25 km, super. Da das Wetter nicht gerade einladend ist für ein Picknick im Freien, suche ich ein Lokal. Aber wieder vergeblich. Etliche Orte, größere und kleine durchfahre ich, Ausschau haltend nach einem Schild (wie in Carpin). So bin ich gezwungen unter einem großen Baum halt zu machen. Neben diesem Baum sind große Steine aufgetürmt. Die Karte deutet ein Hünengrab an. Der Himmel wird immer schwärzer. Da packe ich uns mal lieber regenfest ein. Just, als ich die Reißverschlüsse der Regenhose zuziehe, fängt es an, erst mit Nieseln, dann heftiger. Auf diese Weise komme ich viel zu früh in Greifswald an. Auf dem Marktplatz treffe ich Sigrid und Hagen, der sich neugierig auf mein Dreirad setzt. Im Rathaus melden wir uns an und warten im Café Lichtblick auf die Presse und die Personen, die Gleichstellungsbeuaftragte der Hansestadt Greifswald, ein Herr vom Seniorenbeirat, eine Dame vom Mehrgenerationenhaus und von der Verwaltung, die mich begrüßen möchten. Wir tauschen uns aus. Auch in Greifswald tun sich Menschen zusammen und suchen nach individuellen Wohnformen. Ich erzähle von unserem Wohnprojekt. Den Abend verbringe ich in ausgesprochen gemütlicher Runde bei meiner Nichte und ihrer kleinen Familie. Ich genieße die Schmuseattacken von Hagen (3 Jahre).
06.10.2009 NDR - Norddeutscher Rundfunk und ein Sonnentag
Frühstück im Sportgymnasium. Rad beladen. Wieder will die Alukiste nur schwer zu gehen. Wintersachen sind doch voluminöser! Frau Springstein kann es möglich machen, zum Abschied nehmen noch einmal vorbeizukommen. Sie überreicht mir den Zeitungsartikel von heute mit großem Foto. Das Team vom NDR steht ebenfalls parat. Es kann los gehen! Wie und welche Szenen sollen in den Kasten? Zuerst die Karte herausholen, um die Tagesetappe zu detaillieren. Dann steige ich auf den Easy Rider und ab geht es. Das wird gefilmt. Dann, wie geht es weiter? Noch Stadtsilhouette von Neubrandenburg einfangen. Gut eignet sich dazu eines der vier Stadttore. Der nächste Treff ist Woggersin. Bis dahin erlebe ich Genussradeln pur. Die Eiszeitroute zeigt Garmin an. Die ist mit Sonnenschein natürlich einfach super. Menschen, die mich vorbei radeln sehen, winken mir zu und wünschen Glück für die Weiterfahrt. Die Landschaft mit ihrer Weite ist wunderbar zum Denken geeignet. Nur frohe Gedanken durchziehen mich. Das Leben ist wunderschön. Das vereinbarte Treffen mit meinem Filmteam klappt prima. Sebastian filmt auf dem Easy Rider sitzend. Da bin ich aber gespannt. Nächster Treff ist Altentreptow. Aber wo? Ich fahre einfach mal auf den Marktplatz. Wieder, wie abgesprochen, treffen wir uns. Die Mittagspause mit den Menschen auf dem Platz wird gefilmt. Ein Taxifahrer gibt mir seine Visitenkarte, falls ich mit einer Panne liegen bleibe. Dann fährt er auch noch voran, um den richtigen Weg aus der Stadt zu zeigen. Eine Kollegin ruft ihn im Auto an, um eine Baustellenwarnung durch zu geben, die ich mit dem Dreirad sicher nicht passieren könne. Immer geradeaus auf der Landstraße bis Demmin. Etwas 18 km vor Demmin werden die letzten Szenen gedreht. Ich werde über die Landschaft, die Menschen und meine Empfindungen ausgefragt. Über meine „Botschaften“ darf ich reden. Dabei vergesse ich doch tatsächlich eine mir sehr wichtige, den Umweltschutz. Heute bin ich einfach nur von der Herzlichkeit der Menschen und der Weite der Landschaft überwältigt . Da ich keinen Internetzugang habe, weiß ich nicht wohin in Demmin. Das muss und wird übers Handy geklärt. Noch eine Szene muss in den Kasten, dann verabschieden sich Robert Schubert, Anna Kohout, Sebastian (Kamera) und Marco (Ton). Mir hat der Tag Spaß gemacht – danke Euch Vieren! - In Demmin bin ich in der Pension Monika Mayer, Vorwerkerstraße 6, untergebracht. Anka, die Schäferhündin kommt gleich zum Schmusen, möchte Sauser betutteln. Sauser schaut sie skeptisch an und lauscht auf das Blöken der Kamerunschafe. Die herzliche Aufnahme der Eheleute Mayer ist unbeschreiblich. Bratwurst und Kartoffelsalat bekomme ich zum Essen. Herr Mayer schenkt eine Jägermeister ein zum Anstoßen auf meine, in ihren Augen ungewöhnliche Tour. Frau Mayer singt begeistert im Chor, auch als Solistin. Sie erfreut mich mit einem Ständchen. Ich bin begeistert. Wieder kein Internetzugang. Kalt ist es! Ich gehe mit Socken ins Bett!
05.10.2009 Mecklenburg - Land zum Entschleunigen
Herr Bednorz hat es doch noch geschafft, mir gestern Nachmittag das Kloster Wanzka in einer privaten Führung zu zeigen und dessen Geschichte zu erzählen. Es war ein Zisterzienser-Frauenkloster. Viele Hobbies machen Herrn Bednorz ganz umtriebig, unter anderem Archäologie und die Geschichte seiner Heimat. So gründete er den Kulturverein Wanzka e.V.; 2008 feierte Wanzka sein 725 jähriges Bestehen. - Die heutige Etappe ist sehr kurz. Bis Neubrandenburg radele ich, das sind ca. 35 km. Frau Springstein ruft an, um sicher zu gehen, dass ich wirklich unterwegs bin. Denn sind wird nun zum erneuten Anlauf die Presse und andere mobilisieren. Die Fahrt beginnt auf einer kleinen Landstraße, rechts und links wieder große Felder. An den Straßenrändern Streuobstbäume. Rote Äpfel und gelbe Birnen fallen einfach runter. Hagebutten leuchten dunkelrot, Pfaffenhütchen in kardinalrot. Ab und zu steht ein Buschen gelber einfacher Sonnenblumen an der Straßenböschung. Gleich hinter Blankensee überholt mich ein roter PKW, die Fahrerin winkt. Ich danke zurück winkend und strample die Steigung hinauf. Da steht die Dame mit gezücktem Fotoapparat. Die Sonne scheint von einem hellblauen Himmel, der weit den Horizont umspannt. In der Ferne höre ich Wildgänse schnattern. Die Straße führt auf und ab durch Moränenlandschaft. Herr Bednorz hat recht, hier kann man wirklich sich entschleunigen! Ich fahre langsam mit Genuss und mache auch noch eine lange Pause im Freien, auch wenn es nicht sehr warm ist. - Da Frau Springstein am Telefon den Weg zum Hotel des Sports sehr gut beschrieben hat, brauche ich nicht all zu oft zu fragen. Bis zur Verabredung um 15 Uhr, warte ich in der Gasstätte zum Felsen, genieße einen Cappuccino. Sauser bekommt Wasser. Ich komme mit der Wirtin ins Gespräch, natürlich über meine Tour. Als ich zahlen will,, um pünktlich vor der Tür zu sein, sagt die Wirtin, sie wolle mir das Getränk spendieren! Ich bin dankbar überrascht. Draußen „überfällt“ mich das Neubrandenburger Begrüßungskomitee! Und, wieder muss ich um verzeihung bitten, denn ich kann mir leider nicht alle Namen merken! Durch einen „Triumphbogen“ aus Sonnenblumen fahre ich in einen Kreis von ganz lieben Menschen, junge und ältere, die Presse, der Rundfunk und das örtliche Fernsehen, sowie der Leiter des Stadtsportbundes. Ein Fahrradservice bietet seine Hilfe an. Die Dame von heute morgen überreicht mir die am Morgen geschossenen Fotos als Druck. Frau Schmiedemann von der Techniker Krankenkasse ist aus Schwerin angereist und „kleidet“ mich mit Kappe und T-Shirt ein. Ich stehe Rede und Antwort. Die Zeit rennt. Das Dreirad wird im Keller untergebracht, das Gepäck im Zimmer. Die Wäsche und anderen Dinge, die Verena nach München mitnehmen wird, stopfe ich in eine Tasche. Heute Abend treffe ich Verena zum letzten Mal. Sie bringt die notwendige Kleidung, damit ich die angesagten Herbststürme ohne Erkältung überstehe. Am Tollensesee trinken Frau Springstein Kaffee und essen Kuchen. Munter gehen unsere Gespräche weiter, finden kaum ein Ende. Aber die Zeit ist begrenzt. Frau Springstein fährt mich ins Hotel, wo Verena ein Zimmer gebucht hat. Sauser ist begeistert von den mitgebrachten Leckerlis. Es wird leider spät und ein Akku muss noch aufgeladen werden. Der Internetzugang gelingt wieder nicht. Wo bin ich morgen Abend? Ist in Demmin etwas geplant? Morgen kommt der NDR, um einige Szenen zu drehen. Das wird sicher ein aufregender Tag!
Heute Nacht hat es heftig geregnet, dazu ein starker Wind. Wie schön ist es da in einem warmen Bett. - Gegen 12 Uhr bin ich mit Bürgermeister Bednorz, seiner Frau, sowie einer Dame von der Presse im „Erbkrug“ verabredet. In einem munteren Gespräch erzähle ich von meinem Projekt, dem Warum, Wieso, Weshalb mit Schwerpunkt Senioren, dem Zustand der Radwege und anderes mehr. Bgm. Bednorz erzählt, dass der Ausbau des Radwegnetzes oben an stünde, nur, die Fördergelder sind ins Stocken geraten. Für das Foto wird der Easy Rider aus dem Schuppen geholt und vor das Gasthaus gerollt. Stellt Euch vor, just da scheint die Sonne. Nach der Öffentlichkeitsarbeit essen Bgm. Bednorz, seine Frau und ich gemeinsam zu Mittag. Frau Bednorz ist Lehrerin (Sonderpädagogin). Vier Kinder haben die beiden großgezogen. Wieder bin ich fasziniert über unsere Gesprächsthemen. Wir sprechen über Erziehung, gewaltbereite Jugendliche, das Schulsystem heute und in der DDR. Und, war die ehemalige DDR ein Unrechtsstaat? - Bgm. Bednorz ist der Meinung, dass die Wiedervereinigung eine Phase der Anpassungs-/Übergangszeit gebraucht hätte. Warum sollen die Rentner im Osten in der Rente mit denen im Westen gleichgestellt werden? Das frage ich. Zum einen, weil es ihnen versprochen wurde, zum anderen, sie haben ebenfalls eingezahlt. Frauen haben keine Auszeit wegen der Kinder genommen, sie haben durchgearbeitet. Und, es soll tatsächlich ein Volksvermögen vorhanden gewesen sein! Summen, die ich nicht nennen kann, um nichts Falsches zu sagen! Leider hat die Treuhand Milliarden in den Sand gesetzt. Das wissen wir, dass die Treuhand nicht sauber gearbeitet hat. Schnell haben die Beteiligten den Mantel des Schweigens darüber gedeckt und die Tatsachen unter den Teppich gekehrt! - Warum wehren wir Deutsche uns nicht? Warum ist es nicht möglich, dieses Kapitel ordentlich abzuwickeln, auch, damit uns unsere Kinder später keine Vorwürfe machen. Wir leben in einer Demokratie und haben die Freiheit, unsere Meinung zu sagen. Franzosen z.B. wären auf die Straße gegangen, hätten vielleicht etwas bewirkt. Schade, die Deutschen lassen mit sich geschehen - nach dem Motto: „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen!“ - In der Zeitung lese ich, dass die Abwanderung von Ost nach West schwächer geworden sei. Die, die von West nach Ost umsiedeln seien fast nur Rentner, die sich in einer schönen Gegend niederlassen, leider seien es keine, die Arbeitsplätze schaffen. - Mir schwirrt der Kopf! Sauser hat es gut! Er schläft! - Ein Heftchen über das in der Nähe liegende Kloster Wanzka bekam ich von Bgm. Bednorz geschenkt. Im Vorwort schreibt er: „Das Leben gemeinschaftlich zu meistern heißt, Geschichte zu verstehen und sie aktiv mitzugestalten!“ Mit diesen Worten eines „gestandenen“ Bürgermeisters, ich bin von ihm begeistert, sage ich Tschüss liebe Freunde! Ich sage der Gemeinde Blankensee ein ganz herzliches Dankeschön für eineinhalb Tage voller Informationen in Blankensee und die wunderbare Gastfreundschaft.
Über Nacht war das Dreirad vor Regen geschützt und sicher im Hausflur von Haus Weide abgestellt. Damit ist das Beladen im Trockenen gewährleistet. Denn der Himmel ist sehr dunkel. Es regnet, erst wenig, dann heftiger. Die Tasche und der Rucksack hinten werden in den roten Regenumhang gewickelt, Sauser bekommt das gelbe Kindermäntelchen über gestülpt und mit Spanngurten fest gezurrt. Die hintere Seite bleibt offen, so kann er mich sehen. Die Dame von der Rezeption der DJH kommt auf die super Idee, mit einem wasserfesten Klebeband die Akkus an den Nähten und über den Sichtfenstern ohne Abdeckplatte noch einmal abzukleben. Ich selber habe sozusagen alles an – Regenhose, Regenjacke, Kappe mit Schild, darüber die Kapuze. Die Handschuh sind im Nu nass! Nach kurzer Zeit meine ich, dass mein Hinterteil ebenfalls nass ist. Gott sei Dank war das nur so ein Gefühl! Eiszeitroute heißt der Radweg und führt durch große Wälder. Die Tannen rauschen mit tiefer Stimme. Die Blätter der Eichen rascheln mit hellerer im Duett. Ab und zu überholt mich ein Auto oder kommt mir entgegen. Radfahrer sehe ich keine! Hinter Altthymen, Richtung Godendorf, so wurde mir der Weg empfohlen, muss ich nach wenigen Metern umkehren. Ich bin im klatschnassen Sand stecken geblieben. Karte raus, schauen – weiter geht es über Dabelow. Trotz scheußlichem Wetter finde ich es schön hier. Ich radele bewusst langsam, auch wenn die Kälte und Feuchtigkeit schon innen angekommen ist. Merkt Ihr etwas? Ich entschleunige! Das ist wirklich nicht vom Wetter abhängig, habe ich fest gestellt. Das muss von innen aus einem selber kommen! Gunda, halte diesen Zustand fest! So lange es geht!!! (Dieses Gefühl geht natürlich verloren, wenn man mal dringend muss. Bis ich mich da ausgepackt habe! Uff!) - Eigentlich will ich die Mittagspause an einem See verbringen, das ist jedoch zu ungemütlich. Aber wo? Die Orte, die ich durchfahre, sind klein, wenige Häuser, kaum Menschen. Ein Gaststätte? Weit und breit nichts! Dann aber, ein Schild: „Landhotel und Bäckerei“. Ich brauche einen heißen Tee und muss ein wenig trocken werden. Das Restaurant ist gut besucht. Bis Blankensee ist es nicht mehr weit. Ich nehme mir Zeit. Als die Sonne sich mal wieder zeigt, radele ich weiter. Sauser muss ich nicht mehr einpacken. Er lässt sich den Wind um die Nase wehen. Große Felder und Wasser, wohin ich schaue! Wellen mit Schaumkronen werden vom Wind getrieben. Möwen fliegen in Schwärmen über mich hinweg. - Bgm. Bednorz , der mich in der Pension „Erbkrug“ begrüßt, hat recht. Diese Landschaft ist für das Entschleunigen wie geschaffen – Erholung pur! Die hügelige Weite, die großen Wälder und vielen großen Seen, dazu wenig Besiedelung. Den Sonntag verbringe ich im „Erbkrug“ in Blankensee, am Montag geht es weiter nach Neubrandenburg.
02.10.2009 Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit
Dazu riefen die Geschwister Scholl in ihrem letzten Flugblatt auf. Dieser Aufruf passt immer noch, auch in die heutige Zeit, meine ich. Wie viele Male müssen wir aus den Medien erfahren, dass in kritischen Situationen weg geschaut und nicht geholfen wurde. Morgen feiern wir zwanzig Jahre Wiedervereinigung des Deutschen Volkes. Nehmen wir diesen „Feiertag“ zum Anlass, die Nachbarn zu entdecken, mit ihnen zu sprechen, zuzuhören, vielleicht sogar zu helfen, wo Not am Mann ist. So ganz allein bewohne ich doch nicht Haus Weide. Schweizer – Mutter und Sohn – schlafen nebenan. Wir sehen uns zu den Mahlzeiten und begegnen uns im Museum. Klar, dass über die Täterinnen, die Überlebenden usw diskutiert wird. Gestern Abend haben wir jedoch uns bei einer Flasche Rotwein – die Jugendherberge hat solchen im Keller! - wieder dem Jetzt zugewandt. Heute trennen sich unsere Wege, natürlich mit Austausch der Emailadressen. Mittagessen mit den guten Geistern der DJH. Ich erfahre wieder eine ganze Menge. Wie die Jugendlichen mit dem Thema umgehen. Wie die Pädagogen es vermitteln und dass viele Skandinavische Jugendliche hierher kommen. Heute habe ich Busse aus Norwegen und Dänemark gesehen. Manche buchen auch das Mittagessen in der Jugendbegegnungsstätte.Das Wetter verhält sich mittelmäßig. Es ist kühl, mal scheint die Sonne, dann wieder versteckt sich sich hinter dunklen Wolken. Ein einziger, aber heftiger Schauer ergießt sich aus einer schwarzen Wolke. Ich sitze im warmen Zimmer und denke an den morgigen Tag. Denn, ich habe mein Fahrrad wieder! Heute Mittag sind die Teile per UPS angekommen und Andreas Intress hat sofort das Montieren angefangen und auch schon eine Probefahrt gemacht. Jetzt steht der Easy Rider vor dem Haus Weide, angeschlossen, scharrt mit den Hufen, kann es kaum erwarten, los zu fahren. (Herr Intress hatte auch die Akkus eingeschickt. Diese kamen dann ohne die klaren Abdeckplatten über dem Sichtfenster zurück!! Jetzt ist alles mit Tesafilm zugeklebt und hält hoffentlich die letzten Etappen aus!) Na, ja!! Wieder einmal fehlen mir die Worte. Die gesamte Familie Intress ist so nett und hilfsbereit. Herr Intress wollte sich partout nichts bezahlen lassen, noch nicht einmal die Montagestunden. Er fand die Idee meines Radprojekts so gut, hat mich auch überredet, nicht aufzugeben. Was mache ich nun? Ich dachte daran, die Alukiste mit ihren Aufklebern nach der Reise zu versteigern, damit der Erlös ein wenig Hilfe bei der Betreuung der kleine Jasmin bringt. Was meint Ihr, liebe Freunde? Oder, wie kann ich die Krankenkassen wachrütteln, alle notwendigen Hilfsmittel zu bezuschussen? Frau Intress ist eine zierliche Frau, die Jasmin über der Schulter Treppen hinauf schleppen muss. Wie lange hält sie durch ohne Hilfe, und welche gibt es? Der Radladen der Familie Intress und auch Fürstenberg werden mir immer im Gedächtnis bleiben! Vielen herzlichen Dank! Morgen geht es wieder weiter. Ob es dann flacher wird?
01.10.2009 Wider das Vergessen - Menschenwürde
Es ist so still hier! Kein Radio, kein Fernseher! Sauser schläft. Ich lese und versuche das Schreckliche, was unter dem Regime des Nationalsozialismus geschah, zu begreifen. Ich friere. Ich weine. Ich bin wütend. - Im Museum schaue ich mir die ständige Ausstellung zu den KZ-Aufseherinnen an. Überlebende berichten auf Videoleinwand vom Lagerleben. Die Ausstellung zeigt auf, woher diese Aufseherinnen kamen, wie sie geworben oder abkommandiert wurden. Meistens waren sie einfacher Herkunft und hatten hier in den Häusern eine komfortablere Unterkunft als in ihrer Heimat. Es wird erzählt, dass Großfirmen die Ausbildung zu Aufseherinnen übernahmen. Sie hätten lernen müssen, wie sie die Zwangsarbeiterinnen zu behandeln hatten, wie sie zu quälen waren. Private Fotos erzählen vom Leben der Aufseherinnen. Sie genossen die wunderschöne Landschaft am Schwedtsee mit Rudern und anderen Vergnügungen. - Nach dem Museumsbesuch laufe ich über das Lager. In einem Pavillon sind an den Wänden Fotos von Frauen, die in diesem KZ waren. Auf einem Tisch liegt ein großes Buch mit Namen. Ich suche. War Eveline auch hier? In Auschwitz wurde sie damals befreit. Und, Ravensbrück wurde z.T. nach Auschwitz-Birkenau umgesiedelt. Eine Schulklasse ergießt sich in den Raum. Nicht andächtig, sondern: „Wie alt ist die geworden?“ Ich muss raus! Die Lehrkraft scheint diese Jugendlichen nicht gut auf den Besuch vorbereitet zu haben, denke ich. - Am Wasser steht ein Mahnmal, die Lagermauer ist von außen zu sehen. Heute sind dort alle Länder aufgeführt, aus denen Frauen hier im Lager Zwangsarbeit verrichten mussten. Außerhalb steht das erst später erbaute Krematorium und daneben die Gaskammer. Ein enger Gang, zwischen Garagen und Lagermauer, wurde freigelegt. Hier erfolgten wahrscheinlich Erschießungen. - Im Haus der Sprache erlebe ich eine Dokumentation der vergangenen Gedenkfeiern aus der Sichtweise des Regimes der DDR. Die Gräueltaten des Naziregimes werden massiv reduziert auf den Faschismus. Lest selbst folgenden Appell: Frauen und Mütter der Bundesrepublik Deutschland! Euer mütterliches Herz, das erfüllt ist von Liebe zu Eurer Familie, muss sich auflehnen gegen die Politik des Atomtodes der Adenauerpartei. Bereitet dieser Partei bei den Wahlen am 15. Sept.1957 eine Niederlage! …. Unser Staat der Arbeiter und Bauern ist ein zuverlässiger Hort des Friedens und des Glücks. ...“ - Ich glaube, nun ist es genug! Auf jeden Fall dürfen wir nichts vergessen! Wir müssen wieder lernen, miteinander zu reden, zu leben, mehr Toleranz zu üben. Wir müssen gegen die angehen, die unsere Gemeinschaft mit Füßen treten, oder anderen etwas antut wegen ihrer Hautfarbe, Gesinnung oder Religion. „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“
30.09.2009 Warten!
Nun denn, ich gebe nicht auf! Wäre doch gelacht! Jetzt heißt es warten. In der Pension Gaumert möchte ich nicht bleiben, das wird zu beschwerlich, Sauser immer wieder Treppen hinauf zu tragen und auf die Katze des Hauses zu achten. Auch der Weg in die Stadt ist für uns beide langwierig. So schön es am Wasser ist. - Von Andreas Intress erfahre ich Vieles über Fürstenberg. Bis zur Wende wurde das ehemalige KZ Ravensbrück von den Sowjets als Militärbasis benutzt, einige Stadtteile waren für die Bewohner Fürstenbergs gesperrt. Aber es gab Arbeit, z.B. in der VEB Schiffselektronik Rostock. Da die Stadt am äußersten Zipfel Brandenburgs liegt, unmittelbar an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern, wird sie von Potsdam vergessen, was die Förderung, besonders nach der Wende betrifft. Es fehlen 40 Jahre der Entwicklung. Die Menschen wüssten kaum, wie und was sie auf die Beine stellen sollen und sind in den Köpfen eben diese Zeit zurück. Der Bürgermeister (parteilos) stammt aus Schwaben! Er kämpft gegen den Widerstand der Bewohner. Wiederum erzählte Frau Gaumert, dass es gutes Zusammenleben mit den Russen gab. Die hatten in ihren Magazinen sogar Bananen! Der Bürgermeister käme aus dem Westen und habe kein Interesse, etwas für die Stadt zu tun. Oh weh, da sind noch viel Sperren in den Köpfen zu überwinden! - Ich ziehe in die Jugendherberge in ein barrierefreies Zimmer. Untergebracht bin ich im Haus Weide im Erdgeschoss mit behindertengerechtem Bad. Die acht Häuser haben Baumnamen bekommen, die zwar fern des Themas der Gedenkstätte und der internationalen Jugendbegegnungsstätte, jedoch mit ihm in Verbindung stehen. Nach keltisch mythologischer Bedeutung steht die Weide für den Baum der Erfahrung. Die Jugendherberge befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Ravensbrück. In diesen Häusern haben die Aufseherinnen gewohnt. Drumherum im Wald, etwas erhöht, stehen Villen, in denen die Aufseher und die Kommandanten mit ihrem Familien wohnten. Ravensbrück war ein Lager für Zwangsarbeiterinnen. In unmittelbarer Nähe wurde auch ein Mädchen- und ein Jugendkonzentrationslager eingerichtet. Später kam ein Vernichtungslager hinzu. Die Zwangsarbeiterinnen mussten in den Fabriken (Siemens u.a.) arbeiten, den Aufseherinnen zu Diensten sein (Putzen, Friseur ….) - Ich wohne ganz allein in dem Haus Weide, ohne Fernseher, Radio und Telefon. Damit mir nicht langweilig wird, lese ich „Wasserstadt Fürstenberg/Havel – Historischer Überblick“. Ich lese, dass das Freizeitangebot sich durchaus sehen lassen kann. Natürlich hauptsächlich für Wasserfreunde! Mitten in der Stadt kann man mit den Kanu anlegen. Wandern in der wirklich herrlichen Natur garantiert eine anhaltende Erholung. Es muss nicht immer Wellness sein, Freunde!
29.09.2009 Fügung oder was?
Trotz Kälte und Nieselregen, starte ich die große Etappe von ca. 60 km. Gut eingepackt in meine Regenkluft, auch Sausers Dach habe ich extra befestigt, geht es schon um 9 Uhr los. Die Brille ist schnell beschlagen, die Landschaft grau, düster und weit. Hügelige Landschaft mit Anstiegen und dunklen Alleen rauben mir nicht den Mut, fröhlich in die Pedale zu treten. Strom spare ich, da ich wie immer nicht weiß, was auf mich zukommen wird. Auf Landkarten habe ich mir die Route auf kleinen Landstraßen zusammen gestellt. Bei dem Sauwetter werde ich die Radwege meiden. In Dannenwalde bin ich auf die berüchtigte Bundesstraße 96 ausgewichen, um schneller voran zu kommen. Viel Verkehr! Viele LKWs spritzen mich voll. Bald sehe ich aus wie … Sauser zittert, bekommt doch Sprühregen ab. In Fürstenberg ist eine P-Pause von großer Dringlichkeit. Neben der Touristeninformation ist ein WC, ich muss aber erst noch 50 Cents mit klammen Fingern aus der Geldbörse hangeln. Die Umhängetasche ist sogar innen nass! In der Information werde ich sofort erkannt, war sogar avisiert. Mit einem heißen Tee wärme ich mich auf. Währenddessen nebenan im Radladen von Andreas Intress, den hat mir eine Passantin genannt, sollte ich etwas am Rad brauchen, der fast leer gefahrenen Akku aufgeladen wird. Nach einer Stunde, ausgerüstet mit einer Plastiktüte für meine Notizen für das Weiterkommen, fahre ich frohen Mutes winkend los. Frau Andrea Gröschl, von der Information erklärt mir den Weg ausführlich, bittet mich eindringlich, die B 96 zu meiden. Ich finde den Weg, der Nieselregen macht eine Verschnaufpause. Mir kann nichts geschehen! Beide Akkus sind voll geladen! Links einbiegen in die Eiszeitroute Richtung Altthymen. Die Straße führt leicht bergan – Endmoränen. Da kracht und knirscht es. Der Akku gibt keinen Strom ab. Was ist geschehen? Keine Gedanken verschwenden, auf den anderen Akku umschalten. Sch...., der macht auch keinen Muckser! Was nun? - Theresa anrufen – mir fällt nichts anderes ein! Sie organisiert über Frau Gröschl Andreas Intress und der kommt mitsamt seiner Frau mit dem Auto. Sauser und ich werden in den PKW verfrachtet, Herr Intress radelt das Dreirad zurück nach Fürstenberg. Er gesteht, das war schwere Arbeit und macht sich gleich ans Werk, den Fehler zu finden. Telefonate mit dem Motorhersteller und Theresa gehen hin und her. Ich möchte am liebsten aufgeben. Ich fühle mich am Ende. Aber Herr Intress macht mir Mut. Und, wenn ich für seine Tochter fahre. (Ich würde für eine so gute Sache radeln.) Jasmin ist sechs Jahre alt und behindert. Ich erfahre ob der Kämpfe mit der Krankenkasse wegen notwendiger Hilfsmittel. Frau Intress, eine zierliche Frau, muss ihre Tochter Treppen rauf schleppen! Jasmin ist so fröhlich und lacht so herzlich. Ich habe sie gleich ins Herz geschlossen. Während wir über die Panne beratschlagen, passt Jasmin auf Sauser auf. Sogar ein Liedchen summt sie, damit er sich ein wenig beruhigt, denn er ist genauso durch den Wind wie ich. - Am Ende werde ich bei Fam. Gaumert, Pension und Bootsverleih einquartiert. Frau Intress fährt mich hin. Mit Sauser laufe ich noch einmal zum Radladen. Da ist inzwischen alles „auseinander geflogen“. Die Teile müssen eingeschickt werden. - Mir ist flau, weil ich heute noch nichts gegessen habe. Beim neueröffneten Chinesen darf Sauser nicht hinein – wütend drehe ich um und gehe ich die rustikale Kneipe. Folienkartoffeln und Quark, da kann nicht all zu viel verkehrt gemacht werden. „Nach Hause“ und nichts wie ins Bett! Das war ein Tag!!
28.09.2009 Vorgeschmack auf das Wetter im Herbst?
Heute ist es arg kalt. In der Pension „Klosterstuben“ wird geheizt. Für die Weiterfahrt sind alle Akkus aufgetankt und Fehlendes eingekauft. Tagebucheinträge sind gemacht, aber können nicht online gesetzt werden. Egal wo ich bin, ich bekomme kein Netz. Sogar draußen im Freien habe ich einen Versuch gestartet, eingemummelt in alles Wärmende, vergebens. Improvisation heißt nun die Planung für morgen. Auf den Landkarten ist die nächste Etappe nach Fürstenberg nur 20 km entfernt, aber nach Blankensee sollen es dann weitere 50 km sein. Dazu sollen lang gezogene Steigungen kommen! Es wird einfach nicht flach! Frau Springstein, Behindertenbeauftragte der Stadt Neubrandenburg hat mich angerufen, während ich irgendwo beim Einkaufen war. Ich hatte den Plan nicht im Kopf und brachte alles durcheinander. Zum Glück haben Svenja, Theresa und ich per Handy den Knoten wieder lösen können, auch ohne Internet. Nun fahre ich bis Blankensee durch, Übernachtung ist geklärt. Am nächsten Tag geht es weiter nach Neubrandenburg. Am Nachmittag findet dort ein großer Empfang statt. Danach verbringe ich meinen wohlverdienten Ruhetag in der Stadt am Tollensee-See. - Frau Waschescio von der Gransee-Zeitung hat sich noch heute, Spätnachmittag mit mir zu einem Interview verabredet. Sie begleitete Sauser und mich ein Stück des Weges. Wir unterhalten uns auch über die Situation Ost/West, besonders in Bezug auf die Löhne und die Preise. Der Kälte wegen gelüstet es mich nach einer wärmenden Mahlzeit. Das eine Restaurant macht um 18 Uhr die Türen zu, das andere um 18 Uhr auf. Also stelle ich mich vor die Tür und warte auf Einlass. Im Huckeduster bestelle ich erst einmal einen heißen Tee und wähle Rinderroulade und Apfelrotkraut, dazu Klöße aus. Die Preisgestaltung nimmt sich nicht viel im Vergleich mit zu Hause.
27.09.2009 Wahlsonntag in den neuen Bundesländern
Nach einem üppigen Frühstück und der Fortsetzung der Gespräche von gestern, heißt es wieder einmal Abschied nehmen. Freunde, wenn Ihr Berlin besuchen wollt und eine preiswerte, ungewöhnliche Pension sucht, kann ich nur die Pension Lilienthal empfehlen. Bestens ist man dort aufgehoben und nach Berlin ist es gar nicht weit mit der S-Bahn. Herr Grollmisch begleitet mich bis nach Bernöwe. Auch während der Fahrt geht uns der Gesprächsstoff nicht aus. - Auf dem Berlin-Kopenhagen-Radweg hangele ich mich weiter. Bis ca. Liebenwalde ist er sehr gut, führt durch große Wälder. Aber dann! Schotterpiste, Kopfsteinpflaster und, und, und. In Birkenwerder verlasse ich diesen Radfernweg und fahre Landstraße. Die ist geteert und munter geht es fürbaß. Der Himmel zeigt sein prächtigstes Blau. Mitten in der Landschaft sehe ich ein Schloss mit Gutshofladen. Ich mache den Einkehrschwung und genieße die wohlverdiente Mittagspause. Im Garten von Schloss Liebenberg spricht mich ein älteres Ehepaar an: „Sind sie die Dame, die von München nach Rügen radelt?“ - Laut der Kontakte zu München, lese ich in der Email für Gransee, dass Bürgermeister Hanke mir bis Häsen entgegen radeln möchte. Ich rufe ihn an und vermelde, wo ich gerade bin. Das Treffen hat dann super gut geklappt. Wir sind nebeneinander nach Kraatz geradelt, von einer Fotografin unterwegs noch „geschossen“ worden. Im Haus der Familie Hanke ist auf der Terrasse die Kaffeetafel gedeckt. Mmh! Erdbeerkuchen, Sahnetorte und mehr! Die Fotografin fragt nach ein paar Stichpunkten für den Redakteur. Auch hier entsteht eine muntere Plauderei über dieses und jenes, damals und heute. Herr Bgm. Hanke erzählt über Gransee und dass ganz in der Nähe Meseberg liegt, das Gästehaus der Bundesrepublik. Gransee hat eine gute Wirtschaft vor Ort, es gibt kaum Arbeitslose. Eine alte Stadtmauer ist noch gut erhalten. Königin Luise wurde auch hier sehr verehrt, ein Denkmal erzählt, dass ihr Leichnam hier eine Nacht aufgebahrt war. - Was mir in den Gesprächen besonders auffällt, ist die enge Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat.
26.09.2009 Geplatztes Rendezvous am Brandenburger Tor
Über die Homepage war für 10:30 Uhr heute ein Rendezvous am Brandenburger Tor vereinbart. Rainer B. hat den Wunsch geäußert, mich ein Stück zu begleiten. Hat aber nicht geklappt. Sicherlich haben wir uns vor lauter Menschen verpassen müssen. Etwas nach 11 Uhr breche ich auf dem Radweg Berlin-Kopenhagen, den plötzlich Garmin zu meiner großen Freude anzeigt, nach Oranienburg auf. Ich bin sehr stolz auf mich. Ich bin mitten durch die Bundeshauptstadt mit meinem Dreirad gefahren! Leider ist es mir verwehrt worden, durch das Wahrzeichen Berlins zu radeln, denn für die Gedenkfeierlichkeiten am 03. Oktober werden Podien aufgebaut, alles ist mit Gittern abgesperrt. Schade. - Und, wie das so ist, haben Garmin und ich die Route verloren. Gut, dass ich einen passablen Orientierungssinn habe. Hinterm Reichstag über einr Brücke, an der Charité vorbei, durch Wedding, immer nach Norden, Nord-Ost, durch Reinickendorf, Frohnau, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht schaffen! Benno Koch, der Radbeauftragte der Stadt Berlin schwärmte geradezu von dem Radweg Berlin-Kopenhagen. Etliche Versuche habe ich unternommen, doch dann bin ich auf der Landstraße weiter gefahren. Einmal stehe ich vor einem Schild, „Radfahrer absteigen“! Es geht steil bergab! Ich kann das Dreirad nicht halten! Also fahre ich ich bremsend abwärts. Geschafft! - Herr Grollmisch, der Seniorenbeauftragte der Stadt Oranienburg hält laufen telefonischen Kontakt. So radle ich auf den Schlossplatz ein. Gleich umringen mich vielen Menschen. Auch Herr Grollmisch "fängt" mich ein. Von Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der große Kurfürst (1620-1688) und seiner Frau Prinzessin Louise-Henriette von Oranien-Nassau(Großeltern des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I.)werde ich begrüßt. Prinzessin Henriette bemerktnebenbei , sie habe das Geld in die Ehe gebracht! - Bürgermeister Laesicke erkenne ich sofort. Wie dem Wahlplakat entsprungen, radelt er auf mich zu. Zwei Journalisten fragen und machen Fotos. Unter anderem werde ich gefragt, wie viele Unterhosen ich dabei hätte! Vor dem Schlossplatz findet ein Blaskonzert statt. Herr Laesicke stellt mich dem Zuhörerkreis vor. Ich bedanke mich für die guten Wünsche für meine Weiterfahrt. Dann radle ich hinter Herrn Grollmisch her. Im Stadtteil Eden hat er seine Pension. Warmherzig werde ich empfangen. Bei Kaffee und Kuchen im Garten führen wir und auch Frau Berndt intensive Diskussionen. Klar, einen Tag vor der Wahl, da ist Politik das Thema. Aber auch über Eden erfahre ich viel. Kennt Ihr die Edenprodukte aus dem Reformhaus? Eden wurde 1893 von Vegetarien gegründet, die eine alternative gesunde, naturverbundene, ganzheitliche Lebensweise entwickelten. Den kargen Boden päppelten sie mit Pferdeäpfeln aus Berlin auf und bauten Obst an. Eine Gruppe gründete 1950 die Eden-Waren GmbH in Bad Soden im Taunus. Nach einem fantastisch gutem Abendessen bin ich natürlich nicht mehr in der Lage, Tagebucheinträge zu machen. Morgen, liebe Freunde, geht es weiter!
25.09.2009 Pulsierende Hauptstadt
Die Hauptstadt unserer Republik irritiert mich, obwohl ich vor etlichen Jahren hier das Licht der Welt erblickt habe! Bin also eine Berliner Göre mit Berliner Schnauze (leicht abgeschliffen im Laufe des Lebens). Auch, wenn ich hier nicht aufgewachsen bin, ist mir die Stadt nicht unbekannt, so oft habe ich ihr Besuche abgestattet, dienstlich und privat. Aber natürlich noch nie auf einem Dreirad! Ich nehme mal an, dass auch kaum ein Dreirad in Berlin gefahren wird. Gestern ist mir jedenfalls aufgefallen, dass Berlin ein sehr niedriges Durchschnittsalter haben muss. Ich sah nur junge Menschen auf Rädern und zu Fuß hastig durch die Straßen eilen. Wie recht ich hatte! Die Recherche ergab ein Durchschnittsalter von ca. 45 Jahren! Das erklärt auch die schmalen Radwege (70 cm?), eingeengt durch die Baumfüße. Für normale Räder machbar, aber Dreiräder oder auch Fahrräder mit Kinderanhängern! Schön, dass Fahrräder dann auf den Busstreifen fahren dürfen. - Jedenfalls bin ich sehr stolz, dass ich so mitten mang Berlins geradelt bin. Heute, jedenfalls genieße ich den Ruhetag und bereite mich auf die nächste Etappe nach Oranienburg vor. Es soll ein wunderbaren Radweg sein, der sogar bis Kopenhagen geht, aber zunächst in Berlin als Mauerweg geführt wird. Was ich auf dem Stadtplan so sehe, führt dieser Radweg fast nur durch Grün. Das beruhigt mich so, dass ich vom Brandenburger Tor starten werde. Als ich 1961 – kurz vor dem Mauerbau – das Pergamon-Museum besuchte, hatte ich ab dem Museum bis zum Brandenburger Tor (Westsektor) eine Person im Schlepptau (wie im Film), die mit Argusaugen meine Schritte beobachtete. Morgen genieße ich, frei durch das Wahrzeichen Berlins zu radeln – 20 Jahre nach der Wiedervereinigung und dem Mauerfall. Den heutigen Nachmittag nutzen Sauser und ich, den ersten Volkspark Berlins "Friedrichshainer Volkspark" (1846-1848)zu durchstreifen. Sauser hat viel zum Erschnüffeln! Der Märchenbrunnen wurde 1913 anläßlich des 25. Thronjubiläums Wilhelms II der Öffentlichkeit übergeben.
24.09.2009 Der Kurfürstendamm ist aber lang!
Frau Neubauer und Frau Michalke holen mich an der unübersichtlichen Baustelle – alles wegen des Wiederaufbaus des Stadtschlosses – ab und begleiten mich zum Rathaus Potsdam. Mit Herrn Ernst, Ltr. des Ref. Soziales u. Gesundheit, der Presse, dem Fernsehen entsteht ein lockeres Gespräch. Sauser schnappt gierig nach Leckerlis. Es gäbe so viel zu sehen, wird mir gesagt. Leider muss ich Prioritäten setzen. Es ist kein leeres Versprechen, dass ich bestimmt wiederkomme. Zur Vorbereitung werde ich die Hefte, die geschenkt bekommen habe, intensiv studieren. Auf dieser Tour sind mir die Menschen das Wichtigste. - Herr Ernst und die beide Damen begleiten mich ein Stück des Weges. Am Neuen Garten, entlang wunderbarer, liebevoll renovierter Traumvillen führt der Weg über Kopfsteinplaster dann in den Garten. Schloss Cecilienhof, wo 1945 das Potsdamer Abkommen geschlossen wurde, liegt rechts, links Wasser. An der Glienicker Brücke verlassen mich die beiden netten Damen, sie müssen zurück an die Arbeit. Ich habe mir auf einem Zettel alle Straßen aufgeschrieben und hangele mich daran nach Berlin. Das kann nicht gut gehen! Und prompt verfahre ich mich. Fragend wurtschele ich mich durch, bis ich den „Kurfürstendamm“ entdecke. Den fahre ich auf der Buslinie, das ist erlaubt für Taxi, Radfahrer und Krankenwagen, in rasantem Tempo entlang. Ist das eine große Stadt! Dieses Berlin! Ich passiere den Potsdamer Platz Richtung Alexanderplatz. Das Rote Rathaus liegt links, dahinter der Fernsehturm vom Alex. Friedrichshain, Otto-Braun-Straße ist das Ziel. Im Hotel Leonardo Royal darf ich zwei Nächte verbringen. Der Easy Rider bekommt seinen überfälligen TÜV. Dazu fahre ich ihn mitten durch Prenzlau zur De Fietsfabriek. Morgen bekomme ich das Dreirad zurück. Der Stadtmief macht ganz schön müde, aber auch aggressiv. Ich freue mich auf den morgigen Ruhetag.
23.09.09 Burggeister greifen an
Ein letztes Mal darf ich Burgfräulein sein. Dann ziehe ich aus der Kemenate aus, mache draußen im Freien noch ein paar Einträge. Der Easy Rider wird aus seinem Gefängnis befreit und bepackt. Er grinst übers ganze Gesicht, als er den „Gepäckverlust“ bemerkt. - Bevor ich es vergesse! Den Spendenticker sah ich heftig blinken! Dafür allen Spendern ein herzliches Vergelts Gott. Es hilft uns ganz super weiter. Auch Eure Kommentare, liebe Freunde lese ich mit großer Freude. - Pünktlich um 9 Uhr werde ich vom Burghof von Radlern des örtlichen Radvereins abgeholt. Auf Schleichwegen, abwärts und aufwärts, fahren wir in die Rosa-Luxemburg-Straße, wo noch weitere Radler warten. Von Udo Zeller nehme ich hier Abschied. Er überreicht mir den heutigen Artikel aus der MAZ/Fläming Echo. Noch ein paar Fotos und ein letztes Winken. Vielen, vielen Dank , liebe Belziger! - Wir fahren durch die Belziger hügeligen Landschaftswiesen, in denen noch Großtrappen leben. Die Sonne scheint. Ein leichter Wind weht. Ab und zu verdunkeln graue Wolkengebilde den Himmel. Nach etlichen Kilometern verabschieden sich alle bis auf Amelie. Die begleitet mich doch glatt bis Potsdam! Wir radeln durch Kiefern- und Mischwälder. Der Europa-Radweg R1 ist in gutem Zustand, nur wenige kritische Stellen sind zu überwinden. Allerdings, einmal muss das Dreirad um eine Ecke gehoben werden. Dank Amelie’s Hilfe gelingt das gut. Wir nähern uns Potsdam und großen Wasserflächen. Hier sieht die Havel aus wie ein großer See. Potsdam erschreckt mich. Der Straßenverkehr, die eiligen Menschen und viele unübersichtliche Baustellen. Das Handy muss helfen, den richtigen Weg zu finden. Amelie fragt sich für mich durch. In der Gästewohnung der AWO PRO Potsdam bin ich gut untergebracht. Das Dreirad passt in den Aufzug und verschwindet im Keller. Nach einem Kaffee muss Amelie leider wieder zurück nach Belzig. Ich hätte sie wahnsinnig gern bis nach Rügen mitgenommen! Auf Wiedersehen Amelie und herzlichen Dank für die große Hilfe. Morgen werde ich mich allein durchs Großstadtgetümmel durchschlagen. Ein wenig Bammel habe ich schon davor. - Nachsatz: Ihr wundert Euch, dass der 23.09. im Tagebuch bisher fehlt! Ja, der Burggeist hält ihn im Netbook fest. Alle versuche sind fehlgeschlagen. Nun muss ich Überlistungskünste anwenden, damit Ihr auch nichts versäumt.
22.09.2009 Burgfräulein, Gefängnis, Flämingland - der Traum
Burgfräulein Gunda hat gut geschlafen und ist neugierig auf das Flämingland. Herr Zeller lässt es sich nicht nehmen, mir alles zeigen zu wollen. Zuerst aber noch ein Interview. Dann fahren wir über Land nach Rabenstein, einer der drei alten Burgen im Landkreis. Die Anlage der Burg Eisenhardt wird bereits 997 urkundlich erwähnt. Aber, die Erzählung der wechselhafte Geschichte würde den Rahmen meiner Eintragungen sprengen. Heute ist Burg Eisenhardt wunderbar restauriert, beherbergt ein Museum, Restaurant und Hotel. Auch über Belzig selber gibt es viel Geschichtsträchtiges zu berichten. Luther war hier in der Marienkirche. Die Schweden und auch Napoleon. Eine RehaKlinik, die bis Ende 2009 zur Lieje-Gruppe gehört, besteht schon seit 1900, war eine Lungenheilanstalt und liegt in einem wunderschönen Park. Eine Stein-Therme wird gerade zu einer Wellness-Therme umgebaut. Ich darf den Rohbau und die Pläne sehen. Auf einer öffentlichen Infotafel sehe ich, dass es sogar viele Reitwanderwege gibt. Planwagenfahrten werden seit neuestem angeboten. Viele Angebote für einen erholsamen Urlaub bietet Belzig! Schaut halt mal unter www. belzig.com nach! - Die Landschaft liegt friedlich in der Sonne. Im Naturpark Hoher Fläming machen wir Station. Herr Zeller zeigt mir, was alles, seinem Hauptanliegen, getan wurde, damit Behinderten die Sehenswürdigkeiten ebenfalls zugänglich gemacht werden können. Ich bin beeindruckt, auch von der Durchsetzungskraft Herrn Zellers. Der Gesprächsstoff geht uns einfach nicht aus. Das Naturparkzentrum Hohe Mittelmark liegt zwischen Rabenstein und Belzig. Mit viel Engagement und Liebe wird es betrieben. Es erinnert mich stark an das ÖBZ in München. Es ist entspannend und lehrreich zugleich. Zum Beispiel, lerne ich, dass die größte Großtrappenpopulation Deutschlands in den Belziger Landschaftswiesen ein heimliches Leben führt. Noch eine Überraschung! Als Dank für getane Arbeit, bietet ein Landwirt im Naturparkzentrum frisch gemachtes Pflaumenmus mit Brötchen und Butter an. Das ist ein Genuss! Die Zeit rennt davon! Leider. Auch mit Herrn Kahl, der mich vorm Rathaus „übernimmt“ kann ich über alles reden, über Probleme der Region, sogar über dicke Menschen, die es in der ehemaligen DDR nicht gab. Ich frage und frage. Entschuldigen Sie Herr Kahl. - Morgen werde ich von einigen Radlern ein Stück auf meiner Etappe nach Potsdam begleitet. Darauf freue ich mich. Der Stadt Belzig, dem Landarat, der Herrn Zeller extra für mich freigestellt hat, danke ich für die wunderbare Zeit in der Stadt und ihrer Umgebung, für die intensiven Gespräche,den wunderschönen Flämingkrug. Diesen werde ich in ehren halten. Ich habe mir schon überlegt, mein abendliches Schöppchen Rotwein daraus einzuschenken. Ihnen allen werden die Ohren klingeln, wenn ich sage: „zum Wohl Belzig in der Mittelmark und auf ein frohes Wiedersehen“.
21.09.2009 Naive Vorstellung über den R1 – Europaradweg!!!
Was erwartet Ihr Euch von einem Europaradweg, liebe Freunde? Ich, jedenfalls stelle mir unter einem Fernradwanderweg die sogenannte Autobahn der Radwege vor. - Aber der Reihe nach! Um 9 Uhr fahre ich unter einem grauen Himmel mit einigen Regentropfen pünktlich auf den Marktplatz. Herr Dr. Schubert, Fachbereichsleiter Soziale Stadt begrüßt mich. Meine Radfreunde von gestern kommen zum Lebewohl sagen. Auch dem Regionalfernsehen stehe ich zum Interview zur Verfügung. Nach einer Ehrenrunde werde ich auf die nächste Etappe – Belzig – geschickt. Wo bleibt die entdeckte Entschleunigung? Schnell noch die Thesentür an der Schlosskirche fotografiert, sowie ein paar Stadtimpressionen. Der R1 Radweg ist schnell gefunden. Nicht weit nach Verlassen der Lutherstadt zweigt der R1-Europaradweg ab. Eine Forststraße beginnt. Forststraße mit Bauschutt, d.h. Spitze Steine. Gut, dass ich die beste bereifung habe – Schwalbe Apple. Nichts ahnend radle ich weiter bis ich im wahrsten Sinne des Wortes im Wald lande. Auf sandigen Waldwegen, bergauf und bergab versuche ich durchzukommen. Den wunderschönen Wald kann ich nicht genießen, ich muss sehen, dass ich durchkomme. Kein Mensch weit und breit. Kein Hinweis auf eine nahe gelegenen Landstraße! Ich denke an manche Klettersteig- oder Skitour, die ich früher gemanagt habe, mache mir damit selber Mut. Ich kann es schaffen, ich muss es nur wollen. - An einem Wegweiser „Belzig 22 km“ endlich ein Radfahrer hinter mir! Der ist ebenso entsetzt über den R1-Radweg! Dann kommen noch zwei Radler entgegen! Diese ca. 15 km, die ich unter großer Mühe geschafft habe, sind nicht als Europaradweg zu bezeichnen! Die beiden entgegen kommenden Radler versichern, bis Belzig sei der Radweg asphaltiert. Und, das ist er auch. Ich schnaufe erleichtert durch und radle munter dahin, rechts und links wieder weite herbstlich abgeerntete, große Felder, umsäumt von Mischwäldern. Am Ende läuft das Rad wie von allein. Um 14 Uhr stehe ich vor der Burg Eisenhardt, meinem Quartier für zwei Tage! - Herr Kahl, Leiter der Bauverwaltung Belzig ruft an, fragt, wo ich sei und ist sehr erstaunt, dass ich schon auf der Burg bin. Er kommt zusammen mit Udo Zeller, dem Behindertenbeauftragten des Landkreises Potsdam-Mittelmark, um mich zu begrüßen. Auch der stellvertretende Bgm. Herr Grund gesellt sich dazu. Frau Kraemer vom Brandenburger Wochenblatt fragt und schießt Fotos. Die Überraschungen nehmen kein Ende! Bürgermeister Förster von Bad Kösen ruft an, fragt nach Sausers und meinem Befinden. Vielen Dank,. Ich werde mich bestimmt aus München melden. Eswürde mich freuen, wenn aus dieser Begegnung eine Freundschaft wird? - Die lebhafte Unterhaltung muss tatsächlich beendet werden, der Gesprächsstoff geht einfach nicht aus. Ich erfahre viel über die Region Mittelmark und dem Flämingland, einst von Flamen besiedelt. Wir diskutieren über regenerative Energien, über Bürokratie und, natürlich über den Zustand der Fernradwege. Der R 1 bis zum Wegweiser nach „Belzig 22 km“ gehört in den Zuständigkeitsbereich von Sachsen-Anhalt! Nicht in den Bereich der Mittelmark! Einen wunderschönen Fläminger Keramikkrug bekomme ich überreicht und einen Reiseführer durch Brandenburg. - Für Morgen darf ich Wünsche äußern, was ich sehen möchte. Herr Zeller hat sich frei genommen und wird mich herum fahren! Ich bin überwältigt ob der Gastfreundschaft und wieder einmal fehlen mir die Worte. - Aber, Gunda komme wieder auf die Erde! Auspacken, Umpacken, denn die Alukiste wollte heute Morgen einfach nicht zugehen. Ein großes Paket geht morgen auf die Reise nach München. Der Easy Rider wird im Burggefängnis abgestellt, einen sicheren Ort gibt es wohl nicht! - Das „Burgfräulein“ Gunda geht ins Bett, die dicken Mauern verhindern leider den Internetzugang. Also werden die Hausaufgaben nachgeschrieben.
20.09.2009 Biosphärenreservat - UNESCO-Kulturerbe
Das Wetter verspricht ein Traum zu werden. Sonne und Wärme. Wie geschaffen, durch das Biosphärenreservat Mittelelbe auf dem Gartenreich-Radweg-Fürst-Franz zu radeln. - Der Stadt Dessau rufe ich zum Abschied ein großes Dankeschön für die freundliche Aufnahme im nH-Hotel, einer spanischen Hotelkette zu. - Genüsslich geht es auf engen Radwegen auf einem Damm Richtung Osten. Weite Auenwälder. Mächtige Eichen tragen viele Eichelfrüchte. Ob das einen strengen Winter gibt? In Vockerode stoße ich an die Elbe und fahre auf dem Deich weiter. Soll ich den Abstecher in die Biberfreianlage machen? Es läuft ja so gut! Besser nicht. - Ich kann die Landschaft nicht so einfach beschreiben, dazu fehlen mir die richtigen Worte. Hätte ich nur Dichten gelernt! - Der Damm ist manchmal so eng, dass entgegenkommende Radler nur schwer an mir vorbeikommen. Ist der Blick frei, sehe ich große Wiesen, mit alten, einzeln stehenden Bäumen mit riesigen Kronen. Den Fotoapparat zücke ich oft. - Kurz vor Wörlitz wird der Radverkehr dichter. Ich fahre am See entlang, parke das Rad am Schloss und laufe in den Ort. Sauser tippelt fleißig mit. Es ist ihm fast zu warm. Seine Zunge hängt aus seinem Maul. Nach einer kleine Pause schlendern wir entlang des Sees, an den Gondeln vorbei. Auf diesem Weg begegnen wir einem Falkner mit einem Jungtier auf der Hand. Im Schlosspark höre ich Pfauen schreien und Enten schnattern. Wieder am Schloss vorbei, satteln wir den Easy Rider. Wir müssen weiter. Wie bewundere ich die Weitsicht des Fürsten Franz von Anhalt, der diese Gartenreichanlage nach englischem Vorbild schuf. Heute noch immerhin 142 Quadratkilometer groß. Fürst Franz schrieb: „ Ich hatte mit Unwissenheit und Vorurtheilen zu kämpfen.... Ich merkte bald, woran das lag. Das Schul- und Erziehungssystem lag im Argen...“ - Weiter fahren wir auf dem Elbe-Radweg nach Coswig. Der Zustand der Wege ist recht gut, zum Teil schön breit und geteert. Aber auch Kopfsteinpflaster gibt es noch. Aber das müssen hauptsächlich die Autofahrer benutzen. In Coswig setzen wir mit einer Fähre über die Elbe. Durch Mischwald geht es nun. An einem Rastplatz treffe ich auf zwei Ehepaare, die mein Gefährt bewundern. Sie laden mich zu einer Tasse Kaffee ein. Wie nett. Wir plaudern über Radwandern, die Wege, Jugendherbergen und und und. Ich erfahre, dass in Bayern Erwachsene nur mit Kindern in Jugendherbergen nächtigen können. In allen anderen Bundesländern ist das jedoch möglich. Es gibt in manchen sogar DZ mit Dusche, keine Massenquartiere mehr, wo Schnarcher die Nachtruhe stören. - Kurz vor Wittenberg tut sich eine Barriere vor mir auf. Ich muss zurück. Das Wie erfrage ich von Jugendlichen, die in einer Hütte sich dem Bier hingeben. Sehr freundlich erklären sie den Weg und bieten mir sogar Bier oder Schnaps an. - Von Dessau aus habe ich telefonisch ein Hotel ausgesucht. Mit Lift muss es sein. Nun bin ich am Hauptbahnhof im ACRON-Hotel untergekommen. Zwei Katzen beäugen Sauser neugierig. Wehe, wenn er sie in seiner Nase hat! - Ein traumhaft schöner Spätsommertag geht zu ende. Ich meine, heute habe ich zum ersten Mal eine Entschleunigung gespürt.
19.09.2009 „Das Wandern ist des Müllers Lust“
Dieses Lied wurde von einem Dessauer Bürger geschrieben! - Pünktlich holt mich Herr Ralf Hirsch, Sportdirektor und Vertreter des Oberbürgermeisters im Hotel ab. Gemeinsam holen wir das Dreirad aus der Garage und wir fahren zum Brunnen vor dem alten Rathaus. Dort erwarten uns schon ein Fotoreporter und ein Kamera-Team. Wieder werde ich mit Geschenken überhäuft. Herr Hirsch überreicht mir einen Bildband von Dessau-Roßlau und als Sportdirektor einen Wimpel „Sportstadt Dessau“. Sauser bekommt auch einen in kleiner Ausführung, den befestige ich gleich an seinem Halsband. Irritierend ist der Name der Stadt: nicht mehr Dessau, sondern Dessau-Roßlau. Ich erfahre, dass die beiden Ortsteile vor zwei Jahren den Zusammenschluss beschlossen haben. - In der Touristeninformation erkundige ich mich nach dem richtigen Weg nach Wittenberg, meinem nächsten Etappenziel. - Freunde, ich muss Euch gestehen, dass ich Probleme mit dem Netbook habe. Googelmap mag mich nicht. Die Startseite läuft einfach durch. Ich kann keine Details für die einzelnen Etappen aussuchen. Noch etwas funktioniert nicht. Das ist das Hochladen der Fotos in das Reisetagebuch. In Dessau habe ich versucht, einen Computerfreek zu finden, leider vergebens. Auf Fotos müsst Ihr warten etwa bis Berlin! Bitte habt Geduld mit mir! - Heute ist Ruhetag! Ich sammle Kraft für die nächste Etappe.
18.09.2009 Wüstenlandschaft, Kinder und Orientierungssinn
Herr Jeske, der wirklich fürsorgliche, hat arrangiert, dass ich das Frühstück am Bett bekomme. - Frohgemut fahre ich anhand seiner Beschreibung in die Oberstadt, zum Marktplatz, die Steigungen sind gut zu managen. Und wieder steht Herr Jeske am Straßenrand, um mich durch das Menschengewusel auf den Marktplatz zu begleiten. Auf der anderen Seite der Marktstände haben Jugendliche eine Wüstenlandschaft aufgebaut, die heute Abend eröffnet werden soll. Ich rolle durch die fast echt aussehende Wüstenlandschaft, alles ist selbst gemacht. Heute Abend soll dann große Eröffnung sein mit orientalischen Marktbuden. (Schade, dass ich dann schon weiter geradelt bin.) Eine Gruppe Kinder einer Förderschule umringen hauptsächlich Sauser. Fotografen knipsen, Hände darf ich schütteln. Im Interview werde ich nach dem Warum meiner Radtour gefragt, wie die Idee entstanden ist und was ich den Politikern sagen möchte. Letzteres sage ich mit einem ehrlichen Seufzer: „Bitte, entfernt das Kopfsteinpflaster! Zu Fuß, mit dem Fahrrad, Kinderwagen, dem Rolator oder mit dem Rollstuhl ist das Kopfsteinpflaster eine Herausforderung.“ Die Buben und Mädchen der Förderschule haben etwas einstudiert, zeigen und erklären die für mich wichtigsten Verkehrsschilder. Dann wünschen sie mir eine gute Reise. Ich soll gesund bleiben und überreichen mir einen Zapfenwichtel, der auf mich aufpassen wird. Da kann ich die Tränen nicht mehr zurück halten. Der kleine Wicht hängt nun an meiner Kiste. Danke, Kinder, vielen Dank dafür. - Wieder fehlen mir die Worte, wie kann ich meinen Dank der Stadt Bernburg aussprechen. Den Bildband werde ich zu Hause gut studieren und mich gern an Ihre Stadt erinnern. - Ob ich will oder nicht, ich muss weiter. Ein letztes Winken und ich fahre mit gutem Orientierungssinn aus der Stadt hinaus, finde sogar den Saale-Radwanderweg! Munter radle ich weiter. An der Saale entlang auf ziemlich ausgewaschenen Feldwegen. Nirgends entdecke ich ein Hinweisschild, Garmin sagt nur: „Saale-Radwanderweg Nord“ Endlich, eine Landstraße. Auf dem Ortsschild steht: „Auf Wiedersehen in Nienburg/Saale“. Das ist komisch! Zu weit nördlich bin ich momentan, wie ich meine. Ich fahre nicht mehr auf dem Saale-Radwanderweg! Ab jetzt verlasse ich mich auf meinen angeborenen Orientierungssinn! Ich bleibe auf der Landstraße – Richtung Osten. Endlich, Richtung Aken. Gut, jetzt scheine ich auf dem richtigen Weg zu sein. Diese Straßen mit Kopfsteinpflaster sind in der Mitte so erhöht, dass, wenn ich vorschriftsmäßig rechts fahre, die Gefahr besteht, umzukippen. Etwa 13 km vor Aken wird die Straße super – Asphalt! Wie auf einem Plateau geht es munter weiter. Die Sonne scheint, der Wind weht schon recht herbstlich. Große abgeerntete Felder rechts und links. - Mit wenigen Umwegen und Nachfragen, finde ich das nh-Hotel-Dessau, nahe am Markt. Auch hier gibt es in der Tiefgarage extra Stellplätze nur für Fahrräder! Das fällt mir überhaupt in allen Unterkünften in den neuen Bundesländern auf. Ein womans room erwartet mich! Einfach super. Da werde ich mich bestimmt gut erholen. Herrn Jeske rufe ich an, um die heile Ankunft in Dessau mitzuteilen. Danke Herr Jeske für alles und wirklich, sollten Sie einmal nach München kommen, wird es mir eine Ehre sein, Sie ebenso fürsorglich zu betreuen. - Im Ersten Dessauer Kartoffelhaus esse ich eine Kleinigkeit. Hier ist gerade Bayerische Woche mit Wiesn-Bier zu 6,50 € inklusive einem Enzian! Ich bevorzuge auf meiner Tour überwiegend einheimische Gerichte.
17.09.2009 Windparkanlagen wo man hinschaut
Nach einem gemütlichen Frühstück trennen sich wieder unsere Wege. Verena erreicht den Zug um 10 Uhr nach München. Ich bepacke meinen Easy Rider und los geht es. Die Damen an der Rezeption erklären mir sehr genau den Weg aus Halle Richtung Norden auf dem Saale-Radwanderweg. Ich finde mich gut zurecht, wenn nicht das Kopfsteinpflaster in manchen Situationen mir den Angstschweiß auf die Stirn treibt.Das alles mitten im Verkehr! Um nicht umzukippen, bin ich öfters mitten auf der Straße entlang gehopst. Ich hoffe, die PKW-Fahrer haben Nachsicht mit mir. Garmin (mein Navi) leitet bestens. Ich finde den Radwanderweg. In Brachwitz stehe ich am Saaleufer, Garmin zeigt nach drüben. Mit einer kleinen Fähre setzen wir über. eine Premiere. Laut Google-Karte ist die Tagesetappe heute ca. 45 km. Aber weit gefehlt. 60 Kilometer sind es am Ende. Außer in den Orten und auch außerhalb dieser, ist der Saale-Radwanderweg sehr gut, asphaltiert und breit genug. Manchmal ist die Saale zum Greifen nah, dann wieder ist sie verschwunden. Sanft verläuft der Weg auf und ab. Ab Alsleben – ca. 20 km von Bernburg – wird es noch einmal ungemütlich. Muss Panik aufkommen? Denn der eine Akku ist leer, der Strom im zweiten wird bedenklich weniger. Zum Glück habe ich bereits ca. 670 Kilometer in den Beinen, somit eine gute Kondition. Herr Jeske vom Amtsblatt Bernburg hält treuen telefonischen Kontakt mit mir und ist rührend besorgt, dass ich ohne allzu große Steigungen und schlechte Wegstrecke Bernburg erreiche. Öfters habe ich bereits die Radwegbeschilderung gelobt. Etwas fehlt jedoch fast immer. Der Radwanderweg führt in einen Ort. Aber wie heißt dieser? Wo bin ich? So lande ich in Gröna, wähne mich aber schon in Bernburg. Aber, alles wird gut! Am Ende treffe ich Herrn Jeske. Er begleitet mich zum Hotel Askania und erklärt mir, wie ich morgen in die Oberstadt Bernburg zum Interview komme, dass ich nicht allzu große Steigungen zu überwinden habe. Zur Not wird er die Feuerwehr einschalten! Das wäre der Gag! Bei einem Getränk plaudern wir über meine Tour und die Beweggründe. Wir sind uns einig, die Menschen bewegen sich viel zu wenig. Ich erzähle Herrn Jeske, dass ich ausgesprochen große Windparkanlagen gesehen habe. Was ich erfahre, finde ich gar nicht optimal, auch wenn es sich um eine regenerative Energie handelt. Z.B. Holländer und andere Fremde strömten ins Land, machten den Bauern ein gutes Angebot und kauften Felder und Felder. Nun stehen die Windräder überall, ohne Einholung von Genehmigungen. Herr Jeske wohnt in unmittelbarer Nähe eines solchen. Das Geräusch, je nach dem wie der Wind steht, wäre nervtötend. Auch die Schatten werfenden großen Flügel sind störend, man muss am Ende im Takt mit nicken. Ich muss Euch noch berichten, dass Sauser einen umwerfenden Charme entwickelt. Alle Fotografen fotografieren ihn in verschiedenen Posen. In der Mitteldeutschen Zeitung haben wir zum Frühstück einen kleinen Artikel über uns, nein, hauptsächlich über Sauser gefunden. So wird es sicher morgen wieder sein. Ein wunderbarer Herbsttag neigt sich dem Ende. Gute Nacht Freunde! Sauser schläft schon.
16.09.2009 Himmelsscheibe von Nebra (1600 v.Chr.)
Dieses Mal habe ich total verschlafen. Ruhetag ist ja auch angesagt! Aber ein wenig Kultur muss sein! Vorher telefoniere ich noch mit Frau Riethmüller, der Seniorenbeauftragten der Stadt Halle. Gestern war kaum Zeit zu einem Gespräch über das Thema Senioren und der immer älter werdenden Gesellschaft. Ich möchte sie nicht von Sitzungen etc. abhalten, deshalb auf diesem Weg ein lautes Dankeschön für den Empfang gestern und auf Wiedersehen. An der Rezeption des Dorinth bekomme ich gute Erklärungen, wie ich in das Landesmuseum für Vorgeschichte gelange, wo die Himmelsscheibe von Nebra ausgestellt ist. Sauser nehme ich mit. Was soll ich sonst tun. Mir ist bewusst, dass er nicht ins Museum darf. Mit viel Überredungskunst und Angst, am Ende zu scheitern, binde ich meinen Dackel draußen am Geländer an. Die Wärter versprechen, ab und zu nach ihm zu sehen. Weil ich nur die Himmelsscheibe anschauen möchte, bekomme ich ermäßigten Eintritt, eile zum Aufzug, fahre in den 2. Stock. Mein Handy geben ich in einem Schließfach ab, da ich die PIN-Nummer auf Anhieb nicht weiß zum Wiedereinschalten! In einem sehr dunklen Raum entdecke ich zuerst die Rückseite. Es ist so dunkel in diesem Raum, dass ich nur mit Hilfe eines Wärters um den Glaskasten auf die andere Seite gelange. Endlich stehe ich davor. Ehrfurcht rieselt den Rücken hinunter. Nun habe ich einen noch engeren Bezug zu diesem Juwel – der Himmelscheibe von Nebra. Denn, meine Mutter war so begeistert von dem Fund damals, dass sie mir eine Himmelsscheiben-Brosche zum Geburtstag schenkte.Ich weiß, es gibt in diesem Museum noch Viel zu sehen und zu erfahren, nicht nur um den Fund von Nebra, aber ich muss zurück zu Sauser. Die beiden Wärter vermeldeten, dass Sauser sehr brav am Geländer saß. Mit der Straßenbahn fahren wir zum Hotel und machen noch eine Stopp vor dem Rathaus. Vielleicht gelingen mir ein paar Fotos. Ich bin überzeugt, Postkarten sind besser. Studenten sprechen mich an, ob ich ihnen ein paar Fragen beantworten wolle. Sie fahren nach Schanghai, um Informationen für die Expo 2010 zu bekommen. Mit einem kleinen Film möchten sie den Chinesen Deutschland näher bringen. Sie fragen, was ich über China weiß und wollen meine persönliche Meinung über China erfahren. Das Ganze auf Englisch! Und es wurde gefilmt! Ein junger Mann, der dem Gespräch zuhört, schenkt mir so mir nichts dir nichts ein Buch: „Der Stoff, aus dem der Kosmos ist“ von Brain Greene, was ich aber erst in München beginnen werde zu lesen. Heute Abend kommt Verena zum vereinbarten Wäschewechsel. Schade, dass sie noch weniger von diesen schönen alten Städten sieht. Aber, auch ich kann nicht alles sehen. Also werde ich dem Wunsch sicherlich bald nachkommen, aber mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur, nicht mit dem Dreirad, mit dem Zug Mitteldeutschland zu besichtigen. Morgen sollte ich früh in die Pedale treten, wieder ist eine längere Etappe angesagt.
15.09.2009 Merseburger Zaubersprüche und Orgelkonzert
Ob ich ein Lunchpaket mitnehmen wolle, bin ich beim Frühstück gefragt worden. Tausend Dank. Im Gespräch mit dem Koch erfahre ich, dass er nach der Wende auf Wanderschaft gegangen ist, um seine Kochkünste mit Erfahrungen aus der belle cuisine zu vervollständigen, um die nach der Wende plötzlich neuen Produkte kennen und verarbeiten zu lernen, z. B. bei Kempinski. Ja, das habe ich gestern schmecken dürfen mit einem Karotten-/Ingwer-Schaumsüppchen. Da wird der erste Stern bald fällig. - In das Gästebuch habe ich gern etwas geschrieben. Dann kommt auch schon Peter, um mich zum Dom zu begleiten. Die Stadt Merseburg verwöhnt mich nach Strich und Faden mit einer Domführung und einem Orgelkonzert anlässlich der Merseburger Orgelwoche auf der Ladegastorgel (1855), Organist Edgar Krapp aus München (München scheint doch noch sehr nah zu sein!). Der Merseburger Dom St. Johannes und St. Laurentius zählt zu den Kostbarkeiten Mitteldeutschlands. Im Domschatz werden u.a. die Merseburger Zaubersprüche aus dem 10. Jahrhundert, als das älteste Schriftzeugnis althochdeutscher Sprache aufbewahrt. Vor dem Dom heißt es dann Abschied nehmen von Merseburg. Wieder fehlen mir die richtigen Worte, außer einem ganz großen herzlichen Dankeschön, liebe Frau Benne. Dem Oberbürgermeister, der heute Geburtstag hat, rufe ich auf diesem Weg meine guten Wünsche zu. Leider muss ich weiter ziehen. Der Radlerverein Merseburg tritt für mich abermals in die Pedale. Peter, Lothar und Hildegard begleiten mich bis nach Halle, den Saale-Radwanderweg mit kleinen Insiderabweichungen. Gute Beschilderung und Kontrolle durch Garmin! Aber zum Teil erlebe ich Höllenritte, die mein Easy Rider mit List und Tücke bewältigt. Für das Kopfsteinplaster ist die Federung zu hart. Wenn das Pflaster auch noch nass vom Regen ist, wird die Rutschgefahr zur wirklichen Gefahr. Doch, Sauser und ich meistern auch diesen Teil meiner Tour, zweimal sogar nur auf zwei Rädern. Pünktlich hoppeln wir vor das Rathaus. Leider reicht die Zeit nicht mehr, mich von meinen Radfreunden und Begleitern mit einer wohlverdienten Tasse Kaffee zu verabschieden. Entschuldigt bitte! Aus dem Rathaus kommen Herr Böhnke (Referent), Frau Riethmüller (Seniorenbeauftragte) und Herr Richter (Referent der Oberbürgermeisterin) begrüßen mich herzlich vor der Treppe. Die Fotografen postieren mich so, nein anders. Sauser macht eine Miene, als ob ihn das alles nichts angeht, dabei ist er der Star! Ein Säckchen Halloren Siedesalz wird mir überreicht, ein Schlüsselband mit dem Wappen der Stadt Halle. Mir fällt auf, dass das Wappen auf den ersten Blick dem türkischen Staatswappen ähnelt. Doch richtig stellt es eine Schale dar mit Salzkristallen, in und darunter. Das Begrüßungskomitee möchte wieder an die Arbeit zurück. Herr Böhnke begleitet mich zum Hotel Dorinth, Charlottenhof. Auf dem Weg dorthin, darf Herr Böhnke mein Dreirad ausprobieren und findet es ganz bequem, auch ohne Motorunterstützung. Er ist rührend besorgt, dass ich gut versorgt werde, das Dreirad auch einen Unterstand findet. Das Dorinth ist ausgesprochen hundefreundlich. An alles ist gedacht: Wassernapf, Leckerli, sogar eine Hundenews gibt es samt einer Wegbeschreibung in den nahe gelegenen Park zum Gassi gehen. Auch an die Tüte wurde gedacht. Da das Wetter sich die vergangenen zwei Tage nur grau und trübsinnig gezeigt hat, habe ich keine Fotos machen können. Die Finger waren auch ziemlich klamm. Vielleicht schaut Ihr ins Internet, surft und findet sogar Fotos über Merseburg und Halle.
14.09.2009 Ende der Auszeit - Ende der Amtszeit
Die „Kur-Zeit“ ist zu ende, Verabschiedung in der Küche, an der Rezeption und von Schw. Grit und wieder Gepäck verstauen. Geschlafen habe ich nur so lala, denn der Regen will nicht aufhören. Was wird der heutige Tag für mich bereit halten? Bgm. Gerd Förster fährt vor und bringt Sauser. Dieser begrüßt mich irgendwie sehr verhalten. Klar, wo kommt es vor, dass ein Dackel in einem Rathaus „mitregieren“ und neben dem Bett eines Bürgermeisters schlafen darf. Beim Festumzug in Freyburg durfte Sauser verantwortungsvoll im Auto mitfahren, dass einen Festwagen zog. Jedenfalls ist mein Dackel ganz schön verwöhnt worden. Irgendwie habe ich den Eindruck gewonnen, Herr Bürgermeister hat sich an meinen kleinen Charmeur sehr gewöhnt. Fällt es ihm etwas schwer, ihn wieder abzugeben? Dr. Ingolf Hinkel, Chefarzt der Saale Reha Klinik I mit Schwerpunkt Orthopädie bemerkt sofort die Aufkleber der Lielje-Gruppe. In Bad Kösen gibt es drei Kliniken dieser Gruppe, eine speziell für Kinder, die andere widmet sich mehr der Kardiologie. Das Fotoshooting vom Freitag zur Begrüßung wird ein Abschied nehmen am heutigen Tag. Dem Naumburger Tagblatt stehe ich Rede und Antwort. An dieser Stelle möchte ich der Stadt Bad Kösen, Herrn Bgm. Gerd Förster und dem Chefarzt der Reha Klinik I, Dr. Ingolf Hinkel ein ganz herzliches Dankeschön zurufen für die herzliche Aufnahme von uns beiden, ebenso für die Fürsorge, dass ich gut den richtigen Weg finde. Steffen Gebauer, ein Freund unserer Gastgeber wird mich bis Schönburg begleiten. Wir können die Zeitspanne von 20 Kilometern nutzen, über das Leben in der ehemaligen DDR und heute in einer Demokratie reden. Ein wunderbar offenes, sympathisches Gespräch. Herr Gebauer zeigt und erklärt die Sehenswürdigkeiten entlang der Route. Wir passieren Schulpforte, ein ehemaliges Zisterzienserkloster. Von weitem sehe ich den Naumburger Dom. Parallel zum Saale-Radwanderweg führt die Straße der Romanik mit vielen Burgen und Schlössern. Ich radele den Saale-Radweg, navigiert von Garmin. Das funktioniert sehr gut, da auch die Beschilderung gelobt werden muss. Garmin kann nichts dafür, das der Radweg mitsamt seiner Beschilderung plötzlich am Ende einer Wohnstraße in sehr engen Serpentinen abwärts führt. Umkehren heißt das! Genauso muss ich zusammen mit Herrn Gebauer eine gut ausgeschilderte Umleitung des Radwegs bewältigen. Diese Umwege lassen den Tageskilometerstand in die Höhe schnellen. Die Beschaffenheit der Radwege und kleinen Straßen zwingen mich zum langsamen Fahren, sonst würde Sauser aus dem Korb fallen und ich vom Sattel. Kopfsteinpflaster, zusätzlich mit Schlaglöchern, bei Regen obendrein auch glatt, gleichen regelrechten Höllenritten. Die Abwärtsfahrten erfordern gute Bremsen. Danke der VSF-Werkstatt Bamberg für den gründlichen Radscheck! Aus diesen Gründen komme ich ein wenig zu spät in Bad Dürrenberg an. Frau Benne, Pressesprecherin der Stadtverwaltung Merseburg ist rührend besorgt, dass ich gut in ihrer Stadt ankomme. Sie hat den Radlerverein mobilisiert und nimmt mich zusammen mit Peter Ewers und Lothar Göhrke in Bad Dürrenberg in Empfang. Sicher geleiten diese netten Menschen mich in die Stadt Merseburg vor die Touristeninformation. Dort wartet Herr Förster, Leiter des Sportamts der Stadt Merseburg. Bei Kaffee und Kuchen diskutieren wir über all die Themen, die ich in meinem Rucksack an Botschaften durchs Land fahre. Ich erfahre über die Schätze Merseburgs, die ich nachlesen kann in der mir überreichten Mappe. Das heißt außerdem: hierher möchte ich wiederkommen und in vollen Zügen diese alte wunderschöne Stadt erleben. Der Aufkleber „Merseburg“ wird auf die Kiste geklebt und wieder ging es im Geleitzug bis zu Ritters Weinstuben. Liebevoll bin ich hier zusammen mit meinem Sauser untergebracht. Auch der Easy Rider bekommt einen trockenen Unterstand. Nach einem guten Abendessen, einem Glas Weißwein „Gutedel“ vom Weingut Zahn und auch interessanten Gesprächen über die vergangene DDR gehe ich zufrieden schlafen.
13.09.2009 Käte Kruse und Kurkonzert
Fantastisch habe ich geschlafen! Sauser ist gut versorgt und kann auch mal Pause von mir machen. Morgen bringt ihn Bgm. Förster und weiter geht es unaufhaltsam Richtung Norden. - Nach dem Frühstück, am Gradierwerk entlang, führt mich der Weg in den Ort. Graue dicke Wolken bedecken den Himmel. Ein ziemlich kalter Wind weht. Welch Gegensatz zum gestrigen Sonnenschein! Mein Spaziergang führt mich entlang der Solestraße in das Romanische Haus, ca. um 1100, ein ehemaliges Zisterzienserkloster. Interessant ist alles, was ich über die Sole und die Gegend erfahre. Leider kann ich nicht alles behalten. Beeindruckt hat mich hier die Begegnung mit August dem Starken, der durch die Sole sein Staatssäckel füllen wollte. Bei der bekannten prächtigen Hofhaltung musste er immer wieder neue Geldquellen auftun. Aber in Bad Kösen ist er am Ende Betrügern auf den Leim gegangen, nachdem er genügend Vorschuss geleistet hatte. Käte Kruse hat hier ihre Puppen hergestellt, da ihr Mann für die Kinder keine kaufen wollte. Die erste Puppe hatte einen Kopf aus Kartoffeln! Wichtig war der Puppenmutter, dass die Körper weich und zum Knuddeln waren. Ich selber habe noch vage Erinnerungen an Bad Kösen. 1943/44 habe ich als kleiner Stöpsel eine Kur hier machen dürfen. Ich erinnere mich nur noch an die Kapuzenbademäntel und das Herumwandeln im dichten grauen Solenebel. Hier lernte ich von meinem Vater, der uns besuchen kam, das Werfen flacher Steine über das Wasser. Sie hüpften so schön mehrmals flach über die Oberfläche. Ein genüssliches Schläfchen am Mittag wird durch das sonntägliche Kurkonzert beendet. Noch regnet es nicht. Im Zimmer habe ich keinen Internetzugang, also raus. Jetzt kann ich mich auf die nächste Etappe vorbereiten. Eine Zweimann-Kapelle spielt alte Schmuselieder, z.T. auf sächsisch. Das entlockt mir ein Schmunzeln. Übrigens bin ich in Sachsen-Anhalt angekommen. Sprachlich merke ich das deutlich am sächsischen Dialekt, ein großer Unterschied zur Thüringer Sprache. Im Kurgarten wird es mir langsam zu kalt. Kaffee und ein Stück Mohnkuchen genehmige ich mir in der Klinik Cafeteria. Heute Abend erklingen Zigeunerweisen im Vortragssaal. Ich bin aber schon wieder viel zu müde. Bis ich ins Bett falle, werde ich mich seelisch auf die morgige Etappe einstimmen. Ungewohnt wird es! Es regnet nämlich! Aber vielleicht habe ich wieder Glück? Bis Morgen vergehen noch etliche Stunden!
12.09.2009 Schnaufend durch das Burgenland
Fast pünktlich komme ich los. Was ist passiert? Zum Teufel, ich habe wieder einmal meine Tasche vergessen. Zum Glück merke ich das schon vor der Tür! Von einer Gruppe Hotelgäste werde ich noch ein wenig aufgehalten. Sie wollen alles wissen über meine Tour, das Fahrrad usw. - Sie meinen, es sei ganz einfach, den Saale-Radwanderweg zu finden. Das war es dann auch. Sogar mit Garmin, dem Navi komme ich schon gut zurecht. Die Karte „Saale-Radweg“, die ich gestern von der Stadt Jena geschenkt bekam, hilft ebenfalls sehr gut, weist auf die vielen Sehenswürdigkeiten hin. So auch auf Dornburg mit seinem Rokokoschlösschen. Oben am Berg sehe ich es hängen. Zu steil für meinen Easy Rider. Das schafft der Motor wirklich nicht. Als ob ich es geahnt habe, gleich hinter Dornburg geht es wieder so steil bergan wie auf dem Weg nach Kahla. Nur jetzt bin ich allein! Der erste Akku ist leer, wie immer an einer Steigung! Soweit es geht, schiebe ich die schwere Last. Ein Radfahrer radelt, schnaufend grüßend, bergauf. Den nächsten bitte ich, mir zu helfen. Er ruft mir zu: „Ich komme zurück!“ Stellt sein Rad oben ab, läuft zurück und schiebt mein Dreirad samt Gepäck und Sauser die Steigung hinauf. Vielen Dank! Der Mann meint noch, jetzt kommt keine solche Steigung mehr! Bis Camburg schlängele ich mich den Saale-Radwanderweg entlang. Mal unten entlang der Saale, dann wieder oben entlang. Dann habe ich die Faxen dick und suche die B 88, die parallel nach Naumburg führt. Auch hier sind die Steigungen für mein Motörchen fast nicht zu bewältigen. Der zweite Akku wird bedenklich leerer! Sieben Kilometer vor Naumburg meine ich, irgendwie muss das Bad Kösen links liegen. Sehe einen Wegweiser nach Heiligenkreuz und fahre in den Ort hinein. Ich frage nach dem Weg und, nun muss ich mich mal selber ob meines Orientierungssinns loben, ich bin auf dem richtigen „Pfad“. Es solle immer bergab gehen bis nach Bad Kösen, wird mir gesagt. Ganz stimmt das nicht. Aber, letztendlich schaffe ich es mit einem inzwischen zweiten leeren Akku, um 14 Uhr vor der Reha-Klinik-I in Bad Kösen zu stehen. Bürgermeister Föster fragt per Handy an, wo ich denn schon sei. Wir treffen uns vor der Klinik. Chefarzt Dr. Hinkel heißt mich herzlich willkommen. Bgm. Gerd Förster und seine Frau sind wild entschlossen, Sauser in Pension zu nehmen, denn in der Klinik sind Hunde verständlicher weise nicht erlaubt. Ob das gut geht? Dr. Hinkel übergibt mich in die Obhut der Stationsschwester Grit, die meinen Blutdruck misst. Ihr werdet es kaum glauben, der ist einfach super! Gegen 20 Uhr bekomme ich einen Anruf: „Sauser hat gut zu Abend gefressen (Pute, Hühnerfleisch …) und liegt auf meinen Füßen. Ich bin gerade im Rathaus, den Festumzug morgen in Freyburg vorzubereiten.“ Mein Sauser! Im Rathaus zu Bad Kösen! Ich bin beruhigt und so müde, dass ich nach dem Anruf die Lichter lösche und nichts als schlafen möchte. Fünf Tage radeln mit diesen, für mich fast zu hohen Steigungen! Ist doch klar, mit diesem Blutdruck steht einer Weiterfahrt nichts im Wege. Morgen habe ich frei! Dieser Tag dient ausschließlich der Erholung!
12.09.2009 Schnaufend durch das Thüringer Burgenland
Fast pünktlich komme ich los. Was ist passiert? Zum Teufel, ich habe wieder einmal meine Tasche vergessen. Zum Glück merke ich das schon vor der Tür! Von einer Gruppe Hotelgäste werde ich noch ein wenig aufgehalten. Sie wollen alles wissen über meine Tour, das Fahrrad usw. - Sie meinen, es sei ganz einfach, den Saale-Radwanderweg zu finden. Das war es dann auch. Sogar mit Garmin, dem Navi komme ich schon gut zurecht. Die Karte „Saale-Radweg“, die ich gestern von der Stadt Jena geschenkt bekam, hilft ebenfalls sehr gut, weist auf die vielen Sehenswürdigkeiten hin. So auch auf Dornburg mit seinem Rokokoschlösschen. Oben am Berg sehe ich es hängen. Zu steil für meinen Easy Rider. Das schafft der Motor wirklich nicht. Als ob ich es geahnt habe, gleich hinter Dornburg geht es wieder so steil bergan wie auf dem Weg nach Kahla. Nur jetzt bin ich allein! Der erste Akku ist leer, wie immer an einer Steigung! Soweit es geht, schiebe ich die schwere Last. Ein Radfahrer radelt, schnaufend grüßend, bergauf. Den nächsten bitte ich, mir zu helfen. Er ruft mir zu: „Ich komme zurück!“ Stellt sein Rad oben ab, läuft zurück und schiebt mein Dreirad samt Gepäck und Sauser die Steigung hinauf. Vielen Dank! Der Mann meint noch, jetzt kommt keine solche Steigung mehr! Bis Camburg schlängele ich mich den Saale-Radwanderweg entlang. Mal unten entlang der Saale, dann wieder oben entlang. Dann habe ich die Faxen dick und suche die B 88, die parallel nach Naumburg führt. Auch hier sind die Steigungen für mein Motörchen fast nicht zu bewältigen. Der zweite Akku wird bedenklich leerer! Sieben Kilometer vor Naumburg meine ich, irgendwie muss das Bad Kösen links liegen. Sehe einen Wegweiser nach Heiligenkreuz und fahre in den Ort hinein. Ich frage nach dem Weg und, nun muss ich mich mal selber ob meines Orientierungssinns loben, ich bin auf dem richtigen „Pfad“. Es solle immer bergab gehen bis nach Bad Kösen, wird mir gesagt. Ganz stimmt das nicht. Aber, letztendlich schaffe ich es mit einem inzwischen zweiten leeren Akku, um 14 Uhr vor der Reha-Klinik-I in Bad Kösen zu stehen. Bürgermeister Föster fragt per Handy an, wo ich denn schon sei. Wir treffen uns vor der Klinik. Chefarzt Dr. Hinkel heißt mich herzlich willkommen. Bgm. Förster und seine Frau sind wild entschlossen, Sauser in Pension zu nehmen, denn in der Klinik sind Hunde verständlicher weise nicht erlaubt. Ob das gut geht? Dr. Hinkel übergibt mich in die Obhut der Stationsschwester Grit, die meinen Blutdruck misst. Ihr werdet es kaum glauben, der ist einfach super! Gegen 20 Uhr bekomme ich einen Anruf: „Sauser hat gut zu Abend gefressen (Pute, Hühnerfleisch …) und liegt auf meinen Füßen. Ich bin gerade im Rathaus, den Festumzug morgen in Freyburg vorzubereiten.“ Mein Sauser! Im Rathaus zu Bad Kösen! Ich bin beruhigt und so müde, dass ich nach dem Anruf die Lichter lösche und nichts als schlafen möchte. Fünf Tage radeln mit diesen, für mich fast zu hohen Steigungen! Ist doch klar, mit diesem Blutdruck steht einer Weiterfahrt nichts im Wege. Morgen habe ich frei! Dieser Tag dient ausschließlich der Erholung!
11.09.2009 Mit dem Seniorenkonvoi durch Jena
Heute Morgen möchte ich unbedingt die noch fehlenden Tagebuch-Einträge nachholen! Aber! Der Laptop streikt. Ich gebe es auf bis zu einem erneuten Anlauf, hoffentlich bald. - Nach einem ausgiebigen Frühstück treten wir fröhlich in die Pedale. Der Himmel ist etwas bewölkt. Die frische Luft zwingt uns, Pullover zu tragen. Gleich von der Pension aus verläuft ein Radweg mit dem inzwischen bekannten kleinen Zeichen, dem Fahrrad, aber keiner Ortsangabe und prompt verfahren wir uns. Zurück das Ganze, bis das Navi uns geortet hat und richtig leitet. Wir sind noch nicht weit gekommen, da bemerke ich, dass ich meine Umhängetasche vergessen habe!! Theresa spurtet zurück. Das kann ja heiter werden! Gunda, reiß Dich zusammen und mache alles mit Bedacht. - Weiter, immer entlang des Saale-Radwegs (D11). Vom Fluss sehen wir nur ab und zu etwas. Der Weg führt uns bergauf und bergab. Eine Schulklasse kommt uns fröhlich, durcheinander springend und lachend, entgegen, die Sauser und mich samt Dreirad umringt. Fachmännische Fragen richten die Steppkes an mich. „Wie viele Gänge hat das Fahrrad? Woher bekommst Du Strom? Du sitzt mit der Lehne sehr bequem!“ Und noch viele mehr. Die Lehrerinnen drängen zum Aufbruch. Das ist ungewöhnlich bei den sonst sehr redseligen Thüringern! Der Saale-Radweg führt entlang des sich in engen Kurven windenden Flusses, einmal auf dem rechten, dann wieder auf dem linken Saaleufer. Immer wieder müssen wir Brücken und auch Bahngleise überqueren. Das hat zur Folge, dass ich oft die falsche Richtung ansage. Zu dumm. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass in Thüringen eigentlich, bis auf ganz kleine Ausnahmen, die Radwegbeschilderung sehr gut ist. Probleme entstehen, wenn die Wege durch, bzw. in Städte führen. Da empfehle ich, fragen, fragen und immer wieder fragen. Da in Jena zu all dem auch noch viel gebaut wird, gibt es nur Umleitungen mit holperiger, staubiger Straßenführung. Das verwirrt zusätzlich in einer fremden Stadt. Mit viel List und Tücke fragen wir uns durch und landen pünktlich um 14 Uhr auf dem Marktplatz mitten im Altstadtfest. Ich höre meinen Namen, bremse meine Fahrt zwischen Biertischen sofort ab. Von der Senioren-Fahrradgruppe und der Seniorenvertretung der Stadt Jena werde ich mit lautem Klatschen begrüßt. Fragen stürmen auf mich ein. Fotografen wollen Fotos schießen. Theresa filmt. Ich bitte alle, die mich so lieb begrüßt haben, um Verzeihung, dass ich ihre Namen – aus Gründen des Alters? – nicht behalten habe. Das Stadtoberhaupt von Jena, Bürgermeister Jauch und seine Pressesprecherin begrüßen mich ebenfalls sehr herzlich. Dieser warmherzige Empfang in Jena, der Stadt von Carl Zeiss und Jenaer Glas hat mich wieder einmal tief berührt. Mit Geschenken überhäuft geleitet mich die Seniorenradgruppe im Konvoi bis ins Hotel am Stadion. Der Träger ist die Thüringer Sozial Akademie. Die Erlöse fließen u. a. in Projekte für Kinder und Jugendliche in Thüringen. Von Dir, Theresa heißt es nun Abschied nehmen. Schade, ich habe mich so an Dich gewöhnt! Was mache ich nur, wenn die Vergesslichkeit mich überrollt? Es waren schöne Tage mit Dir durch den Thüringer Wald zu radeln. Ab Morgen muss ich endlich lernen, mich allein „durch zu schlagen“. Danke Theresa für die schöne Zeit mit Dir. Ich werde es schon schaffen!!
10.09.2009 An der Saale hellem Strande ….
Bgm. Persike und Frau Jancer kommen ins Hotel, um sich noch einmal persönlich zu verabschieden. Das Wetter ist bedeckt, also super zum Radeln. Laut Wetterbericht ist Sonnenschein angesagt. Wir lassen uns überraschen. Das Navi leitet uns auf der Hauptstraße Richtung Rudolstadt. Schlechte Luft und viel Verkehr. Irgendwie müssen wir auf einen befahrbaren Radweg stoßen! Ein Schutzengel kommt aus einem Haus. Die nette Frau hat uns in der heutigen Zeitung gesehen. Wir sollen doch bitte anders fahren, die Landstraße sei zu gefährlich und bringt uns auf den richtigen Weg. Menschen, die heute schon die Ostthüringer Zeitung gelesen haben, rufen uns „viel Glück“ zu. Da kann ja nichts mehr schief gehen! Im Pressehaus Rudolstadt holen wir uns zwei Zeitungen. Beim Mittagessen auf dem Marktplatz lesen wir begierig, was über uns geschrieben steht. Und, weiter geht es! Durch kleine Ortschaften radeln wir, über Straßen, die sich in Serpentinen durch Laubwald hinunter schlängeln. Wenigen Radler begegnen wir. Nichts ahnend fahren wir fröhlich durch die Landschaft. Bis wir in einem Ort ein Schild entdecken: „10 % Steigung 350 m“ Der Motor heult auf. Ich trete kräftig in die Pedale, meine Pulsuhr piepst (über 130 - weit darüber). Noch nicht einmal bis zur Hälfte schaffe ich es, muss absteigen. Theresa und ich schieben gemeinsam das Dreirad die Anhöhe hinauf und kommen ganz schön ins Schnaufen und Schwitzen! Allein hätte ich das niemals geschafft!! Die arme muss nun zurück und ihr Rad hinauf schieben! Währenddessen erklimmen schiebend zwei Radler die Anhöhe – Vater und Sohn. Sie unterhalten mich bis Theresa ebenfalls auf der Höhe angekommen ist. Ein großes Plateau tut sich vor uns auf. Der Radweg durchschneidet kerzengerade die abgeernteten Getreidefelder. Umsäumt wird das Ganze von bewaldeten Hügeln. Dazwischen blitzen die Schieferdächer der Orte in der Sonne. Mit den beiden Thüringern plaudern wir eine Weile. Dann radeln wir, wie soll es anders sein, natürlich wieder abwärts, aber auch wieder aufwärts entlang der Saale, durch kleine Orte bis nach Kahla. Hier beschließen wir zu nächtigen. Zuerst landen wir einfach mal auf dem Marktplatz. Theresa geht direkt ins Rathaus hinein und, kommt mit dem Bürgermeister wieder heraus. Er begrüßt mich mit: „Hallo Gunda! Ich bin Bernd (Leube)!“ Er reserviert telefonisch in der Pension Rosengarten Zimmer für uns. Wir machen noch ein paar Fotos, dann schlängeln wir uns durch die ganz schön enge und hügelige Innenstadt von Kahla, die geprägt wird von einer noch in Betrieb befindlichen Porzellanfabrik. Wir ahnen, dass die Häuser früher einmal sehr schöne Fassaden hatten. Ob die noch gerettet werden können? Theresa zeigt mir noch Details am Computer, denn ab morgen bin ich wirklich allein.
09.09.09 Lavendelfelder und die Wiege des Kindergartens
Ein ganz besonders Datum, ein ganz besonderer Tag: Nach einem ausgiebigen Frühstück - wir bekommen noch das gesamte Obst und mehr eingepackt für unterwegs und großer Verabschiedung von Herrn und Frau Langhammer von der Postklause - fahren wir noch einmal in die Touristeninformation. Der Besuch reicht nur zum Lebewohl sagen, denn in Bad Blankenburg erwartet uns um 13 Uhr der Bürgermeister des Städtchens. Abwärts rollen wir gemütlich entlang der Schwarza. Rechts von uns fließt gemächlich dunkel der Fluss, links geht es steil bergan. Die Sonne scheint durch die sich jetzt schon gelb und in allen Schattierungen färbenden Blätter. Am Ortseingang von Bad Blankenburg steht ein Mann, rundlich und ruft mir zu: „Sie sind richtig!“ Ich bedanke mich und radele weiter. Das ist verkehrt, also zurück. Denn dieser Mann ist Frank Persike, Bürgermeister der Stadt Bad Blankenburg. Im Babygarten wollte er mich begrüßen. Ich bin mal wieder zu schnell gewesen. Wir beide setzen uns auf eine Bank und ich erfahre schon die ersten Besonderheiten von Bad Blankenburg. Hier in diesem Babygarten wird für jedes Neugeborene ein Apfelbäumchen gepflanzt. Die Figuren in der Mitte stellen zwei Kinder dar, die mit Würfel, Kugel und Zylinder spielen. In Bad Blankenburg hat FriedrichFröbel die Idee zur Gründung von Kindergärten gehabt. Weltweit heißen diese Einrichtungen Kindergarten. Bgm. Persike begleitet uns auf seinem Fahrrad zum Hotel Weinhaus Eberitzsch, das nah am Wald liegt. Bei einem Mittagsimbiss wird weiter berichtet von dem ca. 7000 Einwohner zählenden Städtchen. Auch hier ist von Ideenreichtum viel zu spüren. Ich bewundere das. Nicht nur für Kinder wird in der Geburtsstadt des Kindergartens viel getan, auch die Senioren werden nicht vergessen. Sie werden gefragt, wo es brennt, z.B. die Absenkung der Bordsteine, das Kopfsteinplaster einebnen. Kein Mensch mit Rolator kann da vorwärts kommen. Um mehr Leben in die Innenstadt zu bekommen, soll hier ein Haus entstehen, ähnlich dem Bielefelder Modell. Damit wird auch der Handel wieder zurück kommen. Sybille Jancer, die wir ebenfalls kennen lernen dürfen, hat eine Seniorenvertretung initiiert. Diese wird im Stadtrat auch wirklich gehört. - Am Nachmittag holt uns Herr Persike zu einer Besichtigungsfahrt durch seine Stadt und Umgebung ab. Zuerst aber fahren wir zum Rathaus. Auf dem Marktplatz ist gerade Jugendwoche. Die Kinder spielen z.B. Fußball. Bratwurstbuden laden zur Stärkung ein. Viele Kinder laufen auf ihren Bürgermeister zu, sagen „Guten Tag“. Sie mögen ihn! Das merkt man! Und, er mag Kinder, das merkt man auch! Im Eingangsbereich des Rathauses treten wir auf eine Glasplatte, darunter sehen wir die Ausgrabung eines alten Brunnens, ein Novum. Architektonisch ist die Erneuerung sehr gut gelungen. In der Amtsstube, bei Kaffee und Kuchen erfahren wir noch mehr über die Aktivitäten, um die Stadt attraktiv zu machen. Tatsächlich ist Zuzug zu verzeichnen. Jedes Jahr wird die Lavendelkönigin gewählt. Und stellt Euch vor: Dem Lavendelfest 2010 darf ich beiwohnen, Herr Persike hat mich zwei Tage in sein schönes Städtchen eingeladen. Vielen, vielen herzlichen Dank! Ja, Bad Blankenburg hat ein großes Lavendelfeld! Auch Karneval wird groß geschrieben! Drei Bürgermeister bilden eine Kooperation: Rudolstadt, Saalfeld und Bad Blankenburg. Das finde ich gut, denn gemeinsam kann viel erreicht werden. - So viel hören wir, dass ich gar nicht alles wiedergeben kann. Wir fahren aus der Stadt, den Berg hinauf zur Burg Greifenstein, vom Burgverein restauriert. Dort entdecken wir am Südhang das Lavendelfeld! Inder Burg dürfen wir die Prunkräume besichtigen und von der Burgmauer die herrliche Aussicht auf die sanften Hügel des Thüringer Waldes bewundern. Zur Burg gehört auch eine Falknerei. Der Falkner, aus Ebersberg stammend, zeigt uns die Greifvögel. Einen Uhu dürfen wir sogar über das Federkleid streichen. Wir sehen Schleiereulen und verschiedene Arten von Falken, Waldkäutzchen, die hören wir dann später sogar in der Nacht rufen.
08.09.09 Edles Porzellan, verwandte Fabeltiere und und und
Das Heubad hat mich gut schlafen lassen. Nach einer sehr herzlichen Verabschiedung von der Pension Arnika „erbettele“ ich in der Information Naturpark Thüringer Wald einen Aufkleber für meine Kiste. Der Abschied von Florian Meusel fällt fast schon schwer. Seine Fröhlichkeit ist richtig ansteckend und, mit welchem Einsatz, Freude und Hingabe er seinem Beruf nachgeht – nachahmenswert. Danke für alles, lieber Florian. Traumhaft romantisch muss es sein, in Friedrichshöhe Weihnachten verbringen zu können. Auch das Wandern könnte ich hier gut wieder entdecken. - Den Rennsteig meistern wir über den Forstweg, einen ausgeschilderten Radweg. Er führt eben auf dem Kamm des Thüringer Waldes entlang. Es duftet kräftig nach Tannen. Ab und zu haben wir herrliche Ausblicke auf die hügelige Landschaft. Ruhig, ja verträumt. Mein Easy Rider müht sich redlich über die Holperei und der eine Akku ist bald leer. Der Rennsteigwanderweg verläuft parallel zum Forstweg. Wanderer,die sich begegnen, rufen sich ein fröhliches „ Gut Runst“ zu. Bis Massaberg geht es eben, stellenweise abwärts auf dem Forstweg durch den Wald. An der Werraquelle machen wir einen kurzen Halt. Das muss doch fotografiert werden! Massaberg ist erreicht, die Straßen sind asphaltiert. Aufatmen! Da kann das Herz nur noch jubeln. Rasant geht es nun abwärts durch Katzhütte. Dort fällt uns auf, dass viele Häuser leer stehen. Trotzdem, wir finden einen Lebensmittelladen, kaufen uns eine kleine Brotzeit und weiter geht es. Die Fahrt wird leider ein wenig gestört durch viele Baustellen. Der Autoverkehr ist auch ganz schön heftig. Aber die Fahrer in den PKWs und Lastwagen nehmen gute Rücksicht auf uns Radler. Immer wieder lese ich einen Hinweis: „Durchfahrt nur bis ...“ Aber Theresa sagt: „weiter“. Und nun geht wirklich nichts mehr! Theresa fragt nach dem Bauleiter – simsalabim! „Wir wissen Bescheid.“ Die Baustelle wird wir uns zur freien Durchfahrt versetzt! Ein Anruf von Bgm. Grothe hat genügt. Sind wir schon so berühmt? Dann rollen wir weiter nach Sitzendorf. Treffpunkt: am Schornstein. Wir warten an der Touristeninformation. Oh je, wir sollten auf das Fabrikgelände der Porzellanmanufaktur kommen. Da erwartet uns nämlich Bgm. Grothe, sein Stellvertreter, Damen vom Tourismus- und Heimatverein und der Lokalredakteur. Ein überwältigender Empfang. Mit herzlichen Worten werde ich begrüßt. Sauser bekommt aus einer Porzellanschüssel, drinnen steht „Hund“, Wasser. Auch wir werden mit Trinken versorgt. Die Sitzendorfer Porzellanmanufaktur ist die Wiege des Thüringer Porzellans. In einer Führung erfahren wir, wie z.B. Figuren gegossen werden. Als erstes begegnet und König Luwig II. In einem wallenden Mantel, einmal in rohem, in glasiertem und bemaltem Porzellan. Besonders interessant ist die Fertigung der Blumenmädchen mit Spitzenröckchen und Körbchen, gefüllt mit winzig kleinen Röschen. Diese werden in alle Welt exportiert. Mit der Wirtschaftskrise ist der Absatz sehr geschrumpft. Durch das Heimatmuseum führt uns Frau Grothe, eine wunderbar ehrliche offene Frau. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Wir entdecken Dinge, die ich aus meiner Kindheit kenne. Alte Traktoren, Möbel, Kleidung und vieles mehr. Wir wandern weiter zur Touristeninformation, die nicht nur die älteste sondern auch die kleinste Dampfmaschine der Welt beherbergt. Bewundern Schmetterlinge, Wald- und Fabeltiere, Griffel (Schieferabbau) und erfahren auch etliches über das Goldwaschen in der Schwarza, dem goldreichsten Fluß in ganz Deutschland. 1999 hat einer drei Nuggets gefunden! Ich bewundere die Damen, die alles so liebevoll ausstellen, immer wieder neue Ideen haben, Sitzendorf attraktiv zu machen. Die Geschichte des Rasselbocks erzähle ich später. Nur soviel verrate ich, er ist ein Verwandter unseres Woipertingers. Frau Wurmb, Bgm. aus Döschnitz und Frau Kretschmann begleiten uns in unsere Unterkunft, in die Postklause, wo wir gemeinsam zu Abend essen und über die Region, die Möglichkeiten, aber auch die Schwierigkeiten noch lange diskutieren. Aber danach fallen wir erschöpft ob des Erlebten in die Betten.
07.09.09 Über allen Wipfeln ist Ruh...
Wir sind auf dem Rennsteig in Friedrichshöhe, ca. 800 m ü.M, die Strecke von Coburg über Eisfeld hierhaer haben wir gut gemeistert. Die Pension Arnika liegt noch oberhalb des Ortes, umgeben von Wiesen, umsäumt von Tannen. In diesen rauscht der Wind wie am Meer. Diese absolute Stille macht anfangs richtig nervös. Aber dann fühle ich mich wohl und geborgen in der Hängematte der Ruhe. Das Fenster, nachts weit geöffnet, lässt glasklare Luft herein, macht den Kopf frei. Ich habe das Gefühl, dass die Kopfhaut beweglicher wird. Ob ich jetzt mit den Ohren wackeln kann? Sehr gut geschlafen. Die Sauser-Runde in der schon herbstlich kühlen Morgenluft regt an, das Frühstück schmeckt. Im Informationszentrum Naturpark Thüringer Wald erfahren wir in Filmen über das Leben der Waldler und die Entstehung des Naturparks. Der Unterschied zwischen einem Nationalpark und einem Naturpark besteht darin, dass der Naturpark von Menschen verwaltet, gehegt, gepflegt und bewirtschaftet wird. Ein Nationalpark bleibt sich selbst überlassen, nichts darf verändert werden. In Friedrichshöhe steht die letzte Einraumschule der DDR, die bis ca. 1968 in Betrieb war, jetzt beherbergt sie das Informationszentrum und die Verwaltung Naturpark Thüringer Wald. Die Fassaden der Häuser sind mit Schieferplatten belegt. Weiße Fensterrahmen und rote Geranien lassen das Dunkelgrau freundlich aussehen. Im Thüringer Wald wurde auch Schiefer abgebaut und u.a. zu Griffeln verarbeitet. Wer erinnert sich noch an seine Schulzeit mit quietschenden Griffeln auf der Schiefertafel? Der Gedanke daran, lässt mir immer noch eine Gänsehaut über den Rücken laufen. Florian Meusel ist der Gründer und Geschäftsführer dieses ersten Naturparks „Thüringer Wald“. Seine Liebe zur Natur, besonders zu den Almwiesen hat ihn veranlasst, die Wiesen um die Pension „Arnika“ nur einmal im Jahr zu mähen. Dieses reine mit vielen Kräutern und Heilpflanzen (ca. 70 %) durchsetzte Heu verwendet er zu Heudampfbädern. Die Wirkung ist entspannend und z.B. wohltuend für die Gelenke. Zuerst werden zwei Saunagänge gemacht mit Ruhepausen, nach Möglichkeit an der frischen Luft. Anschließend wird man in nassem Heu eingepackt, von unten gewärmt. Nach einer halben Stunde darf man sich die Heuhalme vom nackten Körper pflücken, anziehen und noch einmal ruhen. Die Wirkung, die ich nach ca. zwei Stunden verspürte, war wohlig warm und müde. - Theresa steigt auf ihr Mountainbike und radelt ein Stück auf dem Rennsteig. Sauser und ich wandern ein wenig durch den Ort. Im Gasthaus Rennsteig machen wir eine kleine Pause. Draußen ist es zu kalt, in die Gaststube darf Sauser nicht rein. Die Wirtin meint: „der Hund ist ja so klein, setzen Sie sich gleich neben die Tür.“ Hefekloß mit Heidelbeeren und ein Getränk. Von der Bedienung werde ich nach dem Woher und Wohin gefragt. Mit einem Flyer erkläre ich ihr meine Tour. Als es dann ans Zahlen geht, höre ich: „geht auf uns!“ Ich bin gerührt.
06.09.2009 Coburg - Mittag weiter nach Friedrichshöhe
Zum Abendessen gab es gestern Karpfenfilet gebacken. In Forchheim las ich in der Zeitung, dass die Karpfen reif seien. Das wollte ich probieren, wenn ich schon durch die Aischgründe geradelt bin! Dazu gehört natürlich ein Bier. Dieses Bier schmeckte sehr süffig, hat mich aber ganz schön beschwipst gemacht. Je weiter nach Norden, je stärker das Bier! Das hatte ich vergessen! Zum Glück hatte ich nur ein kleines bestellt! - Heute Mittag gesellt sich Theresa Kratschmer zu uns. Sie wird uns bis Jena begleiten, natürlich mit dem Rad! Ich freue mich. Auch Sauser liebt die Abwechslung. - Leider kann ich meine Emails gerade mal nicht öffnen, mich nicht auf den weiteren Routenverlauf vorbereiten. - Einige Nachträge: In Bamberg telefonierte ich mit einem Herrn K. aus Bayreuth. In der VDK-Zeitung las er über meine Tour und wollte unbedingt persönlich mit mir reden. Er ist zu 70% gehbehindert und hat nur eine sehr kleine Rente! Sein Arzt befürworte die Anschaffung eines Dreirades, stellte ein Rezept aus zur Bezuschussung durch die Krankenkasse (DAK). Wie mir Herr K. erzählte, wurde der Antrag von vornherein abgelehnt mit der Bemerkung, er könne ja Widerspruch einlegen, der würde aber ebenfalls abgelehnt. Der Sachbearbeiter zitierte sogar die Gesetzeslage. Ich kann das hier nicht exakt wiedergeben, leider. Ich konnte Herrn K. nur Mut machen, nicht aufzugeben! Vielleicht hilft ihm der VDK? Da werden teure Elektrorollstühle bezuschusst, aber, wenn ein Patient sich noch etwas bewegen kann und will, da schalten die Ämter auf stur. Typisch, alles wird vom Schreibtisch aus entschieden, niemals aus der Praxis. Herr K. möchte gern ein Fitnessstudio besuchen, um seinen Bewegungsapparat zu stärken, das wenige Gehen können zu erhalten, käme mit einem Dreirad hin, aber ….! - In den Kontakten konnte ich gestern so nette Nachrichten lesen. Tausend Dank! Liebe Familie Affeldt, nach Kleinmachnow komme ich gern. Ich sage per Email Bescheid, wann das ungefähr sein wird, wie der Zeitplan überhaupt aussieht. Ich muss da meine Theresa befragen. Lutz und Monika schreiben und bestellen Grüße an Sauser von ihrer Dackeline Torpedo. Sauser grüßt mit einem lauten Wuff zurück. Ob sie sich mal kennen lernen können? Ja, und wem darf ich für die Spende danken? Erst einmal so: „ein ganz herzliches Dankeschön auf diesem Weg.“
05.09.2009 Kalt ist es auf dem Weg von Bamberg nach Coburg
Gestern Abend, kurz vor 19:30 Uhr brachte Stefan Hecksell zusammen mit seiner Freundin das Dreirad zum Hotel. Das Wetter war sehr ungemütlich. Trotzdem konnten noch ein paar Fotos geschossen werden, die ziemlich gespenstisch ausfielen. Wir schoben gemeinsam das Rad in den Fahrradschuppen, wunderbar trocken und sicher. Nicht nur, dass der Radladen mit dem Check schon genug zu tun hatten, bekomme ich obendrein auch noch Geschenke. Ein individuelles Reflektorband, genannt Erdbeere, hergestellt aus einer LKW-Plane, entworfen und handgefertigt in Berlin in Zusammenarbeit mit Werkstätten für behinderte Menschen. 250 Stück sind aus dieser Plane gefertigt worden, ich bekam die 23-zigste. Das Band werde ich in Ehren am Hosenbein tragen. Mit kleinen Zetteln, hinter die Wischer zu stecken, kann ich Autofahrer „zurechtweisen“, wenn sie auf Fahrrad- oder Gehwegen parken. - Heute ist das Wetter nicht viel besser. Da heißt es, tüchtig in die Pedale treten, damit mir warm wird. Um auf den Main-Radweg zu gelangen, fahre ich Richtung Hallstadt. Die Ausschilderung ist dürftig. Was nützt ein kleines weißes, kaum erkennbares Schild mit einem Fahrrad, darunter Pfeile nach rechts und nach links. Entlang einer Bahnstrecke führt ein Holperweg immer geradeaus. Ich hangele mich mit Garmins Navigation Richtung Norden. Links liegt ein Ort, da werde ich mich durchfragen. Langsam habe ich die Faxen dick. In Kemmern endlich gibt es eine ordentliche Beschilderung! Wie lange? Sehr gut führt diese aus dem Ort. Drei Radler aus Nürnberg haben ebenfalls Schwierigkeiten. Nur, sie haben sich unter einander auch noch verloren. Erst treffe ich einen, dann zwei und zum Schluss den dritten. Ob die sich an diesem Tag wieder gefunden haben? Sie wollten nach Bayreuth. Mein Wegweiser führt mich nach Coburg an, Noch 35 Kilometer! Der Zustand des Itzgrund-Rodau-Radwegs (sagt Garmin) ist geteert, eben und läuft z.T. neben der B 4. Nach genau 27 km – ist der rechte Akku total leer. In Kaltenbrunn-Untermerzbach liegt rechts eine Pizzeria. Mir ist sehr kalt und Sauser soll seine Mittagsrunde machen. Der Wunsch nach einer warmen Suppe ist plötzlich da. Das Gebäude ist der ehemalige Bahnhof des Ortes. Auf Betreiben Ludwigs I.wurde 1909 mit dem Bau der Schienenverbindung von Bamberg nach Meiningen begonnen, am 01.10.1913 dann freigeben. Der letzte Zug hielt am 29.09.1975 Jetzt wird das Restaurant von Fam. Sanfilippo betrieben. Der Chef ist von meiner Tour total begeistert. Er verlangt nach mehreren Flyern. Ich rühme die Beschilderung und den guten Zustand der Radwege, verabschiede mich und fahre weiter. Sauser habe ich nicht vergessen, Er darf ausgiebig schnüffeln, seine Geschäfte machen, bekommt etwas Trockenfutter und Wasser. Warum habe ich die Wegweiser so gelobt? Ich verliere wieder den Pfad! Das Navi zeigt nach Norden, wird wohl stimmen! Wo lande ich? Vor einem Feld. Fragen und weiter geht es! Wieder recht gut. Aber dann! Ich vermute, für die Wegbeschilderung sind die Gemeinden zuständig. Da überall gespart wird, ist eine gute Wegweisung Nebensache. Jedenfalls lande ich noch ein paar mal irgendwo, muss umkehren, gelange auch einmal auf die Ausfallstraße nach Coburg, die aber für Fahrräder gesperrt ist. Noch weitere Fragen finde ich das Hotel Goldener Anker – mitten in Coburg. Einchecken, Fahrrad in die Garage, Pullover aus der Kiste und einen kleinen Rundgang durch die Fußgängerzone. Sausers Nachmittagsrunde steht an. Über eine Stunde schleichen wir über den wunderschönen Marktplatz, noch ein wenig durch die kleinen Gassen. Sauser liest begierig die neuen Nachrichten, gibt Antwort und schleicht weiter. Im Ratskeller werde ich zu Abend essen.
04.09.2009 Radinspektion in Bamberg
Gemeinsames Frühstück mit Verena. Die schmutzige Wäsche ist eingepackt. Das Wetter scheint zu halten, die Sonne scheint. Die Regenjacke bleibt im Hotel. Mit dem Taxi fahren wir zum Bahnhof und verabschieden uns bis zum nächsten Boxenstopp. Ich lasse mich weiter zur Touristeninformation fahren. Zuerst will der Taxifahrer Sauser nicht mitnehmen. Ein Mensch ohne Humor! Aber im Laufe der Fahrt taut er auf. Siehe da, er kann sogar lachen. An der Information steige ich aus, zahle, verabschiede mich fröhlich vom Fahrer. Was macht Sauser? Einen krummen Rücken und drückt ein Häufchen auf den Bürgersteig. Selbstverständlich räume ich das weg. In der Information möchte ich in Erfahrung bringen, wie ich morgen aus Bamberg hinaus finde auf dem richtigen Weg nach Coburg. Ganz gemächlich schlendern Sauser und ich rund um das Alte Rathaus, ich schießenein paar Fotos. Die vielen Zweibeiner, die oft in die Luft schauen, irritieren meinen Vierbeiner. Sogar mich übersehen sie manchmal. Auffallend sind die korpulenten Amerikanerinnen. Am Obstmarkt genehmigen wir uns eine kleine Pause und nehmen ein Taxi zurück ins Hotel. Die Fahrerin ist eine fröhliche Person. Wir lachen herzhaft bis vor das Hotel. Sauser schläft. Ich mache Schulaufgaben. Die Sonne hat sich weg geschlichen. Es regnet. Heftig peitscht der Regen gegen die Fenster. Bitte Petrus, habe morgen ein Einsehen mit uns! Stefan Hecksell vom Radladen berichtet erst mal am Telefon, was am Easy Rider alles gerichtet wurde. Am Abend bringt er ihn mir und testet dabei noch ein bisschen. Die Bremsen mussten nachgestellt und mit Flüssigkeit versorgt werden. Der Akku ist getestet und scheint auf dem Display die richtige Anzeige zu zeigen. Der Wimpel hat sich durch Erschütterung und Wind gelockert. Stefan muss ein bisschen improvisiert. Ich bin wirklich dankbar ob des Checks hier in Bamberg! Vielen Dank an den VSF, heute dem Radladen in Bamberg.
03.09.3009 Hindernisse - von Forchheim nach Bamberg
In der Nacht hat es geregnet. Damit es schneller geht, bin ich zum Frühstück geradelt und habe zwischen den Autos im Hof geparkt. Das Handy klingelt: „Wie geht es Ihnen? Ist Sauser o.K.? Da sind Sie aber schon weit! Alles Gute!“ Eine Familie am Nebentisch bekommt das Gespräch zwangsläufig mit. Die Frau spricht mich an, fragt, ob das Gefährt da draußen meines sei und so fort. Ich erzähle und überreiche ihr der Einfachheit halber meinen Flyer (natürlich auch von Naturstrom!). Diese Familie ist ebenfalls mit dem Rad unterwegs. Das Hotel Plaza und die Stadtvilla sind vom ADFC empfohlen und haben sich unter „Bett & Bike“ organisiert. Wie mir scheint, ist Franken ein ausgesprochen radfreundlicher Teil des Freistaats Bayern. Die gestrige Zeitung liegt auf dem Tisch in der Eingangshalle. Vielleicht ist der Artikel über die Tankaktion in Hausen im Original noch vorhanden. Leider nein. Dafür finde ich einen großen Bericht über die Bäckerei Wirth aus Eggloffstein. Nun bedauere ich es gleich noch einmal, dass ich gestern schwächelte und absagen musste. - Judith soll uns nach Bamberg begleiten und ist super pünktlich, führt uns zielsicher zum Kanal. Auf geht es nach Bamberg. Dicke dunkelgraue Wolken segeln behäbig am Himmel entlang. Der Wind ist noch zu ertragen. Eigentlich das ideale Radfahrwetter. Das Navi zeigt die Richtung an, nach Norden. Es kann nichts mehr schief gehen! Meinen wir. Der Weg ist wie gewohnt leicht sandig, mit Motorzuschaltung gut zu fahren. Ab und zu gibt es auch geteerte Strecken, aber auch für mein Dreirad sehr holperige Feldwege. Inzwischen meistere ich diese mit lautem Oh Weh! Die Ausschilderung! Diese hat uns mehrmals in die Irre geführt. Auf der Höhe von Hallendorf und auch so um Strullendorf herum ist die Beschilderung sehr mager. Suchen, fragen und umkehren heißt es! Eine Mutter und ihre beiden Buben, die wir zweimal treffen, hat ebenfalls trotz Karte Probleme. Sehr gute Auskunft, auch über den Wegzustand bekommen wir von einem Autofahrer. Ein anderer Autofahrer: „Ich kenne Sie, Sie sind in der Zeitung! Da geht`s lang! Gute Fahrt!“ Die Regenbekleidung müssen wir zwischendurch auspacken. Ist aber noch erträglich. In Hirschaid genehmigen wir uns eine Pause an einem Bike Drive in mit Badelandschaft. Wir bleiben aber am Kanal auf einer Bank im Wind sitzen. Ein Mäuschen beobachten wir, wie es keck aus seinem Loch lugt. Wir versuchen es, mit etwas Hundefutter näher heran zu locken. Aber nichts da! Zu dieser Badewelt führt eine Autostraße mit regem Verkehr. Ein Wagen hält am Damm. Der Mann steigt aus, geht zum Wasser und schüttet eine Tüte mit verschimmeltem Brot aus, geht zurück zum Wagen, steigt ein und fährt davon. Judith und ich stehen perplex da. Das hätten wir fotografieren sollen! Doch wir müssen weiter. Noch ca. 14 Kilometer bis nach Bamberg liegen vor uns. Hoppla, der Akku ist leer! Das nach 24 Kilometer! Die Kontrolllampe zeigt volles Rot an. Am Akku steht 5,2 – also müsste noch ca. die Hälfte an Kraft vorhanden sein? Ich werde nervös. Der zweite Akku muss aushelfen bis zum Radladen in Bamberg, Markusstraße 12. Das Navi mag auch nicht mehr. Batterien sind leer. (Wäre schön, wenn etwas früher eine Warnung käme.) In der Markusstraße werden wir mit Kuchenteilchen erwartet. Stefan Hecksell vom Radlladen hört sich meine Probleme an, telefoniert und berichtet. Wir beschließen, dass das Dreirad gründlichst durchgecheckt wird bis Freitagabend. Judith bekommt ebenfalls einen Check für ihr Fahrrad, dann heißt es Abschied nehmen. Sie fährt zurück nach Forchheim. Danke Judith und alles Gute für ….! Du weißt schon! Mit einem Taxi und sämtlichem Gepäck fahren Sauser und ich ins Hotel Center Main Franken in der Breitenau. Schade, es liegt weit außerhalb der Innenstadt. Dort angekommen, überrollt mich ein – ich nenne es „Naturschock“. Keine Natur mehr, dafür eine große Ausfallstraße, eine Bowlingbahn, ein kleines Einkaufszentrum. Das Hotelrestaurant ist heute geschlossen! Verena, aus München angereist für den logistisch geplanten Wäschewechsel, trifft gegen 18 Uhr ein. Sie macht sich frisch und mit dem Taxi geht es in die Stadt zum Abendessen. Der Taxler empfiehlt Mahrs Bräu, eine kleine Brauerei. Leider mit Stolperstein, Sauser darf nicht in die Gaststube! Also draußen unter den Schirmen Platz nehmen. Mit Strickjacke geht es. Wir haben unseren Taxifahrer wieder für 21 Uhr bestellt. Gute Nacht! Nichts da! Verena klopft an die Tür mit einem Flachmann, gefüllt mit Whisky! Na, dann Prost!
02.09.2009 Hitze geschädigt - wir bleiben in Forchheim
Ja, Sauser und ich sind von gestern Hitze geschädigt. Gern wäre ich nach Eggloffstein geradelt. Die erste Stromtankstelle bei der Bäckerei Wirth hatte mich neugierig gemacht. Ich bitte um Verständnis, Herr Wirth. Ich weiß, dass Sie sich auf meinen Besuch gefreut haben. - Stattdessen zeigen mir Judith und Robert ein wenig von der Stadt Forchheim. Interessantes erfahre ich. Sauser haben wir im Büro von Naturstrom „hinterlegt“. Dort hat er seine Ruhe. Die Stadt Forchheim hat über 30.000 Einwohner, natürlich – wie kann es anders sein – einen größeren Frauenanteil. Die Fläche des Stadtgebiets beträgt knapp 45 km². Es soll viele Brauereien geben. Auf dem Kellerberg wird alljährlich im Juli das „Annafest“ gefeiert. In den zerklüfteten Höhlen des Berges wird das Bier gelagert und somit auch das Schankrecht erteilt. Wunderschöne Fachwerkhäuser gibt es in der gesamten Stadt. Das Rathaus entstand als spätgotischer Fachwerkbau vor 1402. In der Adventszeit verwandelt sich das Rathaus in den schönsten Adventskalender der Welt. Vom 1. bis 24. Dezember öffnet der Forchheimer Weihnachtsengel täglich ein Fenster, dahinter verbergen sich weihnachtliche Motive und auch wertvolle Preise. Ich meine, das sollte mal eine Reise wert sein! Sehenswert ist auch die Kammerersmühle, das sogenannte „schiefe Haus“, 1698 mit reichem Zierfachwerk errichtet. Wir haben uns gefragt, ob der Boden auch so windschief ist? Die Wisent und Regnitz fließen hier zusammen. Forchheim hat eine uralte Verbindung zur Fischerei. Morgen begleitet mich Judith nach Bamberg.
01.09.2009 Der heißeste Tag? Von Erlangen nach Forchheim
Der Ruhetag gestern tat gut. Heute soll es sehr warm werden. Es ist nicht warm, nein es wird unangenehm heiß!! Dieses Mal begleitet mich Robert. Fast die gesamte Crew vom Hotel Luise winkt zum Abschied mit weißen Tüchern. Für das Gästebuch werden Fotos gemacht. Ich habe gestern ebenfalls ein paar Worte geschrieben! Ein paar Seiten vorher hat sich Axel Schultz mit einer Autogrammkarte bedankt. Ja, so ist das, wenn man auf dem Weg des Berühmtwerdens ist! - Der Weg aus der Stadt war gut zu finden. Nun, Robert kennt sich aus. Eine enge Stelle muss passiert werden, klappte auch gut. Einmal landen wir auf einem Hundetrainingsplatz, die Beschilderung ist plötzlich verschwunden. Macht nichts, das Navi hilft aus! Wieder geht es am Main-Donau-Kanal entlang. Mein Easy Rider findet die Schlaglöcher mit schlafwandlerischer Sicherheit. Auf der linken Seite des breiten Regnitz-Radweges fährt es sich besser. Danke für Deine Fürsorge, Robert. Trotz Wasser ist keine frische Brise zu spüren. Deshalb Motor an, um einen Luftzug zu erzeugen, besonders für Sauser. Fazit, wir sind wieder einmal viel zu schnell! Deshalb legen wir eine längere Pause am Ausee ein. Sauser kühlt sich im See ein wenig ab. Er schnüffelt die nähere Umgebung ab, gräbt, schnaubt und niest. Er scheint sich wohl zu fühlen. Wir sind immer noch zu früh dran, machen noch einen Abstecher nach Baiersdorf, die Meerrettichstadt. Auf einer Tafel am Ortsanfang erfahren wir, dass es viele Wasserräder entlang der Regnitz gab. Ein leckeres Eis kühlt von innen ab. Und weiter geht es entlang des Kanals. Immer in der Sonne. Schweißperlen sammeln sich an unmöglichen Stellen und stören. An der Schleuse in Hausen schauen wir zu, wie ein kleines Boot gesenkt wird und dann ganz unten aus dem Schleusenbecken hinaus fährt. Hinein fährt ein großer Schlepper. Uns wird es zu heiß in der Sonne. Der Reiterhof ist nicht mehr weit. Das Timing ist gut, nur ein paar Minuten sind wir zu früh dran. Ein Journalist kommt, fragt, schießt Fotos und bleibt nicht zum Kaffee. Leider interessieren sich die wenigen Reiter überhaupt nicht für Naturstrom. Nur Naturstrommitarbeiter sind auf den Hof gekommen. Wir sitzen im Pavillon, trinken Kaffee und genießen leckeren Zwetschendatschi. Mich interessiert die Arbeit, die Naturstrom so macht. Viel erfahre ich, besonders, dass es sich durchaus lohnen könnte, auf dem Dach unseres Hauses im Cosimapark eine Photovoltaik-Anlage zu installieren. Derweil lädt der Akku auf, angeschlossen an eine solche Anlage. Diese befinden sich auf den Dächern des recht großen Reiterhofes, alle nach Süden ausgerichtet. Für Fotos fahre ich mit dem Dreirad über den Hof zu den Pferden. Pavillon abbauen, Kuchen einpacken und weiter geht die Fahrt nach Forchheim. In der Stadtvilla, Hotel garni, gehört zum Hotel Plaza, bin ich sehr gut untergebracht. Zu Fuß begleitet uns Judith ins Büro von Naturstrom. Uff, ist für Sauser ganz schön anstrengend. Das Pflaster ist aufgeheizt. Stellenweise habe ich ihn getragen. Auch das haben wir letztendlich geschafft. Jetzt sitzen wir im Zimmer, können die Fenster nicht öffnen, denn draußen ist es noch viel zu heiß. Den Fernseher bekomme ich nicht an. Theresa meint eben am Handy, ich solle die Rezeption anrufen. Aber, beim besten Willen, in den Zimmer finde ich kein Telefon. Auch, wenn es in der Hotelbedienungsanleitung heißt: „Betriebszeit an der Rezeption 24 Stunden am Tag, wählen Sie vom Zimmer 555“. Ob ich unter der Hitze so gelitten habe?
31.08.2009 Ruhetag - sehr erholsam
Diesen Ruhetag habe ich genossen bei herrlichstem Wetter. Meine beste Freundin Monika hat mich mit dem Auto (Entschuldigung!) raus aus Erlangen gefahren. Kleine Landstraßen schlängeln sich auf und ab und überall ist ein kleines Schlösschen zu sehen. Mehr möchte ich darüber nicht erzählen, denn das hat mit meiner Tour nichts zu tun. - Diesen Eintrag heute möchte ich für eine Bilanz nutzen. Über eine Woche an Erfahrungen liegen schon hinter mir. - Das Dreirad ist stabil, einfach wunderbar bequem. Mir tut nichts weh. Aber es wurde sicher von Van Raam nicht für eine solche Belastung trotz stärkerem Rahmen konzipiert. Für eine Beladung am Minimum wird es einfach zu schwer zum Treten. Der Motor muss fast immer zugeschaltet werden. Der Motor ist zu schwach bei Steigungen, besonders, wenn die Wege unbefestigt sind. Die Akkus sind zwar schnell (in ca. 3 Std.) wieder aufgeladen. Sich lang hinziehende oder auch steile Steigungen kann der Motor kaum oder gar nicht schaffen! Das verunsichert mich sehr. Die bisher benutzten Radfernwege sind z.T. für ein Dreirad ungeeignet. Der Motor dreht durch. Siehe Eintrag von Freising nach Pfaffenhofen. Da wünsche ich mir, dass auf irgendeine Weise der Zustand der Wege aus einer Karte oder vom Navi ablesbar ist. Auch Kilometerangaben bis zum nächsten Ort können hilfreich sein. Garmin, das Navi ist ist einfach niedlich. Ich liebe technische Geräte. Doch leider kann ich die Angaben kaum entziffern. Das Display blendet sehr. Nur im dunklen Wald bin ich von Garmin begeistet. Ja, und in Ortschaften verlässt mich die Zuverlässigkeit. Da muss ich mich allein durchfitzen. Auch hier vermisse ich Kilometer- und Ortsangaben. Die vorgeschriebenen Radwege sind ein regelrechter Schlingerkurs, eng und "windschief". Die Kurven sind oft so eng, dass bei Gegenverkehr Probleme entstehen, besonders, wenn gerast wird. Immer fällt man in ein Schlagloch. Man wird von einer Seite zur anderen gechleudert. Was wird mich noch erwarten?! - Morgen geht es erst einmal weiter nach Forchheim.
30.08.2009 25 km in 1 1/2 Std. von Nürnberg nach Erlangen
Das Fahrrad steht in der Hotelhalle. Sauser schläft vor der Sitzgruppe. Ich plaudere mit dem Portier. Frederik kommt ca. um 11 Uhr. Das heißt, wir müssen wohl wieder in die Pedale treten, um pünktlich in Erlangen die Fußgängerzone zu erreichen. Der Radweg führt an der Pegnitz, dann an der Regnitz weiter. Schön schattig ist es. Viele Radler und Jogger sind unterwegs. Mit verbissenen Gesichtern treiben sie Sport. Ein Liegefahrrad kommt uns entgegen. Ganz schön eng ist manchmal der Weg. Eine Herde Wildgänse sammelt sich auf einer Wiese, um gemächlich im Gänsemarsch den Radweg zu überqueren und mit Getöse in das Flüsschen zu platschen. Die Beschilderung ist sehr gut. Das Navi funktioniert auch. Fast in Erlangen, stoßen wir auf Hindernisse, auch der Wegweiser fehlt plötzlich. Ein Übergang ist so eng, nicht einmal unter dem Geländer hindurch würde ich das Dreirad bekommen. Jetzt kennt sich Frederik gut aus. Nicht allzu spät erreichen wir die Fußgängerzone. Naturstrom hat einen Infostand organisiert. Robert, einige Freunde und Vertreter des Solarmobil e.V. begrüßen mich herzlich. Der Akku habe ich auf den knapp 25 km total leer gefahren! - Ran an die Arbeit, die sogar viel Spaß macht. Wir sprechen die wenigen Sonntagsspaziergänger an, verteilen Flyer. Zum Teil kommt ein gutes Feedback, zum Teil: „dann soll sie radeln, wenn es ihr Spaß mach!“ Ein Russe, Übersetzer aus St. Petersburg, ist überwältigt von meinem Vorhaben. Seine Mutter sei auch 70 Jahre alt. Er wünscht mir viel Glück. - Erlangen ist die Fahrradstadt. Radfahrer haben immer Vorfahrt, erfahre ich. Hallo München, da müssen wir aber noch viel verbessern! Ich stelle fest, dass viele Ausländer hier leben und arbeiten. Heute Abend ist Poetenabend. Das werde ich nicht schaffen, ich habe ja Sauser versprochen, bei ihm zu bleiben. Untergebracht bin ich im Hotel Luise in der Sophienstraße. Aber vorher wird der Akku aufgetankt. Das Besondere daran, vor dem Hotel stehen drei Solartanksäulen. Dr. Banning hält das Auftanken im Film fest. Öfters müssen wir die Szene wiederholen, bis der Regieseur zufrieden ist. Im Hotel werde ich so überwältigend herzlich begrüßt, dass ich fast verlegen werde. Im Eingang hängt eine Tafel mit meinem Konterfei und einem „Herzlich willkommen in Erlangen, Frau Gunda Krauss und Sauser“. Auf dem Zimmer stehen ein rotes Hundesofa und ein Napf für Sauser bereit. Auf dem Bett liegt ein Herz mit Willkommensgruß. An alles ist gedacht worden. Stellt Euch vor, hier darf ich meinen Ruhetag genießen.
29.08.2009 Weiter am Main-Donau-Kanal entlang
So etwas Blödes! Habe vollen Herzens geschrieben und geschrieben, will abspeichern und Euch zum Lesen online setzen – aber, Error. Alles weg! Wer keine Arbeit hat, macht sich welche! Dabei soll ich zum nächsten Termin eilen! Um 15 Uhr werde ich in Nürnberg in der Fußgängerzone erwartet. Mit Frederik habe ich mich für ca. 10 Uhr verabredet. Da klingelt mein Handy: Markus Müller. Er möchte wieder eine Etappe filmen. Irgendwo mit Natur und dann auch in Nürnberg. Weder Frederik noch ich wissen, wo Natur uns erwartet. Wir radeln los, vom Navi geleitet. Dieses Mal klappt das ganz gut. Es geht den Weg von gestern zurück zum Main-Donau-Kanal. Nur das GPS leitet uns durch den Wald und nicht unten am Kanal entlang. Das haben wir aber bald geändert. Wieder ein Genussradeln entlang des Kanals. Im Gegensatz zu gestern kommen uns Luxus-Schiffe entgegen. Das erste hat ein paar Menschen an Bord, die fröhlich winken. Das zweite sieht ziemlich unbevölkert aus. Auch auf der heutigen Etappe fehlen Wegweiser. Wir fragen und erfahren, dass wir in Katzwang sind. Das können wir telefonisch Markus durchgeben. So, nun muss der Zufall helfen, ob wir uns finden. Frederik und ich beschließen in Eibach den Kanal zu verlassen und einem Wegweiser in einen Biergarten zu folgen. Noch ein Stück durch den Wald, rechts die Straße entlang. Plötzlich hören wir hinter uns ein heftiges Gehupe! Markus ist es! Wer sagt es, wir haben uns gefunden! Brotzeit und nette Gespräche, natürlich über Umweltschutz. Wir stellen fest, dass die Menschen aus Bequemlichkeit und Unwissenheit den Stromanbieter nicht wechseln. Ich frage mich, ob in dem Haus, in dem ich wohne, alle Bewohner wissen, wo der Stromzähler für ihre Wohnung ist! Ich habe den Wechsel gewagt. Ab Oktober bin ich Naturstromkunde. - Jetzt müssen wir aber in die Pedale treten. Bis Nürnberg ist es noch ein Stück. Bis kurz vor die Stadtgrenze begleitet uns Markus - „aus allen Rohren filmend“. Wo finden wir den Stand von Naturstrom? Ganz einfach! Wir fahren drauf zu und werden mit Hallo begrüßt. Reporter und Fotograf sind zur Stelle. „Frau Krauss hierher, Frau Krauss, wie kamen Sie auf die Idee?“ Und so weiter! Die Greencity-Truppe verteilt schon Flyer. Dann muss ich alle stehen lassen und meine Monika in die Arme nehmen. Verzeiht! Monika ist eine Lebensfreundin. Alles filmt Markus. Der leer gefahrene Akku wird von einem Naturstromkunden aufgetankt. Markus braucht noch ein paar Motive und bittet mich vor die Lorenzkirche als wunderbare Kulisse. Ich stehe gern Rede und Antwort. Plötzlich muss ich unterbrechen, ich sehe einen Easy Rider entgegen kommen. Da wird gefachsimpelt. Ob wir mit den Dreirädern auch in der Fußgängerzone fahren dürfen? Zwei Herren behaupten nein. Wo kämen wir da hin! Aber Markus hat seine Szenen auf den Film gebannt. - Ein wenig kalt wird es. Einpacken. Das Hotel Best West in der Reger-/Ecke Fahrradstraße ist meine Unterkunft für heute. Theresa darf mit Frederiks Rad fahren. Mit einem Stadtplan ausgerüstet finden wir das Hotel ganz gut. Der Wind ist heftig, jedenfalls haben wir beide Mühe, den Stadtplan einzufangen. Mein Dreirad wird total verwöhnt. Es darf in die Lobby fahren und wird im Gepäckraum des Hotels untergebracht. Monika holt uns vom Hotel ab und führt uns in ein sehr nettes Lokal „Die Kartoffel“. Danach bringen wir Theresa zum Bahnhof, wo die anderen Greencity Kollegen auf sie schon warten. Zurück ins Hotel und nur noch ins Bett fallen. Morgen geht es weiter.
28.08.2009 Von Hilpoltstein nach Roth
Zunächst eine Berichtigung. Frau Sonja Maier schreibt sich so! Entschuldigung! Nach dem Frühstück kommt Herr Dr. Banning von Naturstrom mit einem "Tross" hinter sich in die Gaststube. Ein "Schreiberling", Fotografen ... Frederik Banning darf mich schon mal kennen lernen, denn morgen soll er mich bis nach Nürnberg begleiten. Bürgermeister Mahl und Frau Maier umringen mich ebenfalls. Zuerst wieder Fragen beantworten, Begrüßungs- und Verabschiedungsworte von Bgm. Markus Mahl. So war es ausgemacht. Aufbruch. Das Rad ist schon bepackt. Auf dem Marktplatz vor dem Torbogen ist der beste Platz für ein Fotoshooting. Zu Stärkung überreicht Bgm. Mahl zwei Fläschen Holundersaft. Ist fast ein Dopingmittel, was ich sehr zu schätzen weiss. Das heisst aber nicht, dass ich gedopt bin! - Frau Maier begleitet mich bis zum Main-Donau-Kanal. Jetzt auf zur nächsten Etappe: Roth, Ortsteil Pfaffenhofen. Eben ist der unbefestigte Weg. Munter gleiten wir mit Elektromotorunterstützung am Wasser entlang. Wenig Radler sind unterwegs. Ein Kranich fliegt über uns. Enten tummeln sich auf dem Wasser. Rechts und links des Kanals die typischen Kiefernwäldchen in dieser Gegend. Ich habe Muse, ein paar Fotos zu machen. Auch Sauser kann laufen, will er aber nicht. 10 Kilometer sind inzwischen leicht zu stemmen. Es läuft und läuft - an Roth vorbei, weil es so schön ist. Gefühlsmäßig frage ich halt mal nach dem Weg. Die Strecke entlang finde ich keine Wegweiser, wann ich abbiegen muss, nicht einmal wo Roth ist. Die Wanderer kennen sich sehr gut aus. Die Beschreibung ist super, ich finde mich gut zurecht, an Maisfeldern entlang, durch Prübach weiter durch Kiefernwald und, ich stehe vor dem Hotel Jägerhof. Frau Biber, stellvertr. Bürgermeisterin von Roth und Herr Salzberger vom Tourismusbüro kommen auch gerade an. Ein sympathisches Treffen mit nettem Gespräch während des Mittagessens. - Eine Woche ist vorbei, Wäschewechsel von nöten. Eigentlich erwarte ich Verena. Da schaut Inge um die Ecke. Eine große Überraschung. Sie hat Verena angeboten, mit dem Auto zu fahren. Auspacken, umpacken, ratschen bis zum Abend, eine schöne Abwechslung. Danke Euch beiden! - Der Stammtisch sitzt noch zusammen, als ich von der Gutenachtrunde mit Sauser komme. Mit lustigen Bemerkungen erheitere ich die Männerrunde. Ja, jeden Tag jemanden zum Lachen bringen, ist auch eine gute Tat. Tagebuch schreiben fällt buchstäblich ins Wasser. Das Internet will mir heute keinen Einlass gewähren. Dann halt morgen Früh!
27.08.2009 Die Schwalben haben recht!
Heute haben wir ganz gut geschlafen. Sauser hat sogar etwas geschnarcht. Auch die Gewohnheit hält Einzug, zumindest was die Zeiten der Gassigeherei angeht. Frühstücken, das Rad beladen - um 9 Uhr winke ich G. Riedl und seinen Freunden zum Abschied. - Die Wehrkirche liegt in der Morgensonne, also nichts wie hin. Ist schon beeindruckend! Zwei Friedhöfe mit Mauern und Türmen umgeben. - Die Freunde von G. Riedl raten mir, auf jeden Fall bis Greding auf dem Fahrradweg zu radeln. Die Landstraße sei sehr eng und sehr gefährlich. Dieser Weg ist aber unbefestigt und führt nebend der Autobahn entlang. Ich muss mit Kraft in die Pedale treten, um den sandigen Untergrund zu überwinden. Mit dem Motor möchte ich sparsam umgehen, ich weiss ja nicht, was noch auf mich zukommt. - Etwa ab Großhöbing befrage ich einen entgegenkommenden Radler nach den Radwegzustand. Der lautet: unbefestigt und zum Teil steil bergauf! Deshalb fahre ich etwa ab Großhöbing auf der Landstraße munter weiter - mit Zuschaltung des Motors. Die Folge, kurz vor Hilpoltstein ist ein Akku leer. Reichweite ca. 30 km! Viel mehr hätte ich auf unbefestigten Wegen verbraucht! - Für Sauser ist es unangenehm warm. Etliche Pausen legen wir ein. In Thalmässing halten wir für eine Brotzeit an. "Ach, Sie sind das? Ich habe Sie in der Zeitung gesehen!" Uff! Die Familie fragt eingehend nach der Technik. Ich geben ihnen beide Flyer - von Naturstrom und meinen - da sehe ich auf ihrem Auto den schriftzug "Heizöl"! Sie fahren aber schon an, deshalb keine Debatte über Energiearten. - Um 14 Uhr stehe ich vor dem Gasthaus "Zur Post", wo die Gemeinde Hilpoltstein mich untergebracht hat. Im Fahrradschuppen steht nun der Easy Rider und kann sich erholen, der Akku wird geladen. - Im Biergarten genehmige ich mir einen Eiskaffee. Hier stöbern mich Frau S. Meier und Herr R. Kofer auf. Frau Meier begrüßt mich im Namen der Stadt Hilpoltstein und überreicht mir Prospekte und Pläne, damit ich mehr über den zauberhaften Ort erfahren kann. R. Kofer ist Fotograf und Redakteur des Hilpoltsteiner Kurier. Er löchert mich mit Fragen. Ich muss schon sagen, er hat sich gut vorbereitet! Fotos mit Sauser und Fahrrad. - Das Zimmer ist kühl, groß und barrierefrei, schade, dass ich morgen schon weiter ziehen will. - Liebe Freunde, ich lese alles was Ihr mir schreibt. Es tut gut, die Welle der Sympathie zu spüren. Bis später grüßen euch Gunda und Sauser.
26.08.2009 Radeln mit Genuss von Ingolstadt nach Kinding
Die Aufregung hat mich früh aus dem Bett getrieben. Um 9 Uhr ist das Gepäck verstaut, die Wasserflasche gefüllt. Frau Beyer vom Bayerischen Hof hat zur Erfrischung Minzeblätter hinein getan. Danke Ihnen für die guten Wünsche für mein großes Abenteuer und den Sonderpreis, den Sie mir eingeräumt haben. Der Himmel ist grau. Macht nichts. Regen ist für heute angesagt. Das Navi zeigt die Richtung an - immer gen Norden. So finden wir gut aus Ingolstadt hinaus, an Audi vorbei. Kleine Landstraßen habe ich ausgesucht. Bergauf, bergab ohne Probleme. Der Elektromotor schnurrt fröhlich. Kein Ächzen und Stöhnen ist zu hören. Kein Sand, Kies oder Schotter lässt ihn kraftlos durchdrehen. Es fängt zu regnen an. Auch das ist kein Problem. Regenhose und Regenjacke ausgepackt, sie schützen mich. Danke Kurt! Klingeln Dir die Ohren? Das Segeldach über Sauser hält auch dicht. Sauser zieht die Nase ein, damit sie trocken bleibt. Andi, die Konstruktion ist einfach genial! Von Ingolstadt nach Kipfenberg sind es 27 km, die schaffe ich in zwei Stunden. Das ist noch nicht die wirkliche Entschleunigung, Gunda! Habt Ihr gewusst, dass Kipfenberg der geografische Mittelpunkt Bayerns ist? Ein Teil der Limesstrasse vorbei führt? Ab Grösdorf wage ich mich doch auf den Altmühltalradweg, nachdem ich zwei Radler mit Dackel um Rat frage. Bis Kinding sind es nur noch ca. 5 km. Kurz vor Kinding legen Sauser und ich eine längere Pause ein. Sauser bekommt sein Fressen. Eine Grille setzt sich auf den Vorderreifen, leistet uns Gesellschaft. Um 15 Uhr rollen wir auf den Marktplatz von Kinding. Der zweite Bgm., Josef Pfaller kommt auf mich zu. Frau Haun, die die Pressearbeit für den 600-Seelenort erledigt, wird telefonisch herbei gerufen. Foto vor dem Gemeindehaus/Standesamt. Freunde, ich bin nicht auf Abwege geraten! Im Standesamt findet dann die offizielle Begrüßung statt. Ich erfahre Interessantes über Kinding. Kinding hat viele Burgen, eine Wehrkirche. Die werde ich mir morgen anschauen. Hügelgräber, der Limes und der Naturpark Altmühltal lohnen, eine Reise nach KInding zu machen. Ich muss gestehen, bisher bin ich immer auf der Autobahn vorbei gerast! - Herr Pfaller bringt mich in meine Unterkunft für diese Nacht. Pension G. Riedl in der Jurastraße, barrierefrei, wie ich es mir wünsche. Hinten im großen Garten werde ich freundlich willkommen geheißen mit einer Tasse Kaffee. Das Haus wird von Naturstrom versorgt. Wir plaudern über Landwirtschaft, Ökologie, Rente und Vieles mehr. - Die Schwalben fliegen hoch am Himmel. Das verspricht gutes Wetter für die nächsten Tage. Sauser erkundet den großen Garten, trifft auf die beiden Katzen, schaut und rast wie ein junger los. Sehr schnell stoppt er, denn die Katzen sind viel schneller als er!
25.08.2009 Heute ist Ruhetag - wer radelt morgen mit?
Heute bleibt Zeit, meine Hausaufgaben zu machen. Die nächste Etappe muss ich mir noch genau anschauen. Auf jeden Fall werde ich die Radfernwanderwege meiden so gut es geht. In der Tourismusinformation wurde telefoniert, gefragt nach dem Zustand des Altmühltalradweges - ist nicht asphaltiert! Es müssen doch auch kleine Staatsstraßen zu finden sein! Jetzt werde ich mich mutig entlang der Bayerischen Bierstraßenkarte hangeln bis nach Kinding, der nächsten Etappe. Ob sich noch jemand findet, der mutig mitradeln will? Ich würde mich freuen! Das Handy ist auch leer telefoniert. Auftanken, für den Notfall. Tapfer tippelt Sauser durch die Fußgängerzone von Ingolstadt. Wir lassen uns Zeit!! Liebe Freunde, die angekündigten Fotos sind zwar auf dem PC, aber wollen partout nicht im Tagebuch erscheinen! Habt Geduld mit mir! Irgendwann habe ich das auch begriffen. Tschüss bis Morgen!
24.08.2009 Eile mit Weile von Pfaffenhofen nach Ingolstadt
Gestern war ich einfach zu kaputt. Ich sah fast nur noch Sterne. Leider habe ich nicht viel von Pfaffenhofen gesehen. Das werde ich aber nachholen! Versprochen! Frau Schratt erzählte auf dem Weg von Reichertshausen nach Pfaffenhofen vom Benediktinerkloster Ilmmünster. Man nimmt an, dass von hier aus die Besiedlung begann. Sauser und ich haben gut geschlafen, sind früh aus den Federn gesprungen. Das Packen geht immer besser. Ich gewöhne mich an das Leben aus der Alukiste. Kurz vor 10 Uhr radeln meine zwei Begleiter vor - mit super Rennrädern. Alois und Sebastian radeln vor mir her - auf asphaltierten kleinen Strassen! Welch Genuss. Wir fliegen geradezu durch die Landschaft. Das gilt jedenfalls für mich! Sicher ist es ziemlich langsam für meine Beiden, aber das sagen sie mir nicht. Ich erfahre, dass wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 17 km erreichen. Fotografieren geht nicht. Nur einen Boxenstopp genehmigen wir uns. Zwangsstopp muss eingelegt werden, weil Radio Charivari mich übers Handy voll erwischt, mich nach Strich und Faden verulkt hat. Ein Mitschnitt bekommt Theresa bei Green City. Spass muss sein! Lachen ist gesund! Ca. zwei Stunden Fahrt und schon stehen wir vor dem Rathaus in Ingolstadt. Alois und Sebastian radeln zurück. Danke Euch beiden, ich hab es genossen. Eine Dame spricht mich an: "Sind Sie die Dame, die nach Rügen radeln möchte! Wo ist Sauser?" Den habe ich in der Touristikinformation abgelegt. Die Dame begleitet mich, streichelt Sauser, gibt ihm ein Leckerli, macht ein Foto und wünscht uns Glück. Die Hotelempfehlung ist gut. Der Bayerische Hof, Münzbergstrasse 12, hat einen Lift (ich muss Sauser nicht schleppen!), der Easy Rider kann in einer Einfahrt untergestellt werden. Die gesamte Hotel-Crew kommt vor die Tür und bewundert Sauser und mein Vorhaben. Ich darf morgen einen Ruhetag einlegen. Schauen wir mal.
23.08.2009 Von Freising nach Pfaffenhofen
Silke von der Journalistenschule will mich heute ein Stück des Weges begleiten. Darüber bin ich ganz froh! Vor dem Start möchte sie mich kurz befragen. Aber das Mikrofon reagiert sehr sensibel, die Nebengeräusche sind unbrauchbar. Immer wieder schiebe ich das Dreirad in einen andere Ecke. Etwas nach 10 Uhr fahren wir los. Das Navi ist eingeschaltet. Die Sonne blendet so, dass fast nichts zu erkennen ist. Innerorts ist es sehr schwierig, den richtigen Weg zu finden. Mit Schlenkern gelingt es uns, auf den Ammer-Amper-Radweg zu gelangen. Dann wechselt wir auf den Amper-Altmühltal-Radweg. Irgendwann einmal kreuzt der Hollertau-Rund-Radweg. Die Radwege sind gut ausgeschildert, das Navi, wenn es erkennbar ist, leitet gut durch die Gegend. Der Zustand der Wege ist gut bis abenteuerlich, jedenfalls für mein Dreirad. Was einfach mehr als beschwerlich und kaum zu schaffen ist, sind Schotter-/Kieswege. Wenn es dann auch noch ziemlich steil wird, versagt nicht nur der Motor, nichts geht mehr. Mit Mühe habe ich es geschafft und in sehr kurzer Zeit den einen Akku total leer gefahren. An einer Steigung musste ich auf den anderen Akku umschalten. Etwa bei Petershausen verabschiedet sich Silke. Nun heisst es, allein weiter radeln! Zweimal komme ich in eine Situation, wo ich Angst bekomme, den Tränen nahe bin. Einmal bin ich fast umgekippt, habe mich mit den Füssen abgestützen müssen. Da kommt die Frage auf, was machen die Radler mit viel Gepäck? Was machen Familien, die solche Radfernwege benutzen? Nicht nur für mich ist die Bewältigung solcher Weg unmöglich. Ich habe auch Angst, dass ich mir mein Dreirad ruiniere! Aber, trotz aller Ängste und Schweißausbrüchen, endlich, so gegen 14 Uhr komme ich in Reichertshausen an, finde auch den Gasthof Lindenmeier. Wie eine Rettung vorm Ertrinken erscheint es mir, als drei Menschen aus dem Wirtsgarten auf mich zukommen. Es sind Monika Schratt, 3. Bgm. der Stadt Pfaffenhofen und Monika und Harald Baier, die mich an Land ziehen. Sauser wird mit Wasser versorgt und ich ebenfalls mit Flüssigkeit. Munter plaudern wir über alles und nichts. Ich erzähle vom bisher Erlebten, besonders von den für mich abenteuerlichen Wegen bis hierher. Weiter geht es dann auf super Radwegen auf den Marktplatz von Pfaffenhofen. Und hier bleibt mir wieder einmal die Spucke weg! So viele Leute, die mich sehen wollen und auch meinen Sauser! Herr Eibisch vom Donaukurier eilt auf uns zu, fragt mir Löcher in den Bauch. Ich erzähle ihm auch, dass das Architekturbüro OBMB (so hieß es damals) das Kreiskrankenhaus Pfaffenhofen gebaut hat (in den70-zigern). Viel Fotos werden gemacht. Ich erfahre auch, dass der Donaukurier am Freitag von meinem Projekt ganz groß berichtet hat - unter www. donaukurier.de - nach zu lesen. Deshalb die große Fangemeinde! Danke an alle. Auch zwei Mitradler melden sich für Morgen an, darüber freue ich mich sehr. Mein Begleittross führt mich noch bis zum Landhotel Müller, wo Sauser und ich nächtigen dürfen. Vielen Dank der Stadt Paffenhofen und dem Landhotel Müller, Eberstetten.
22.08.2009 Entschleunigen
Der Ruhetag in Freising war eine gute Idee! Nach dem Rummel vom Freitag bin ich ziemlich geschafft. Außerdem regnet es fast den ganzen Tag. Gerade so hinbekommen habe ich die Sauser-Gassi-Runden. Welch Glück, dass er nicht viel mit Laufen am Hut hat. Aber zwischen zwei Schauern haben wir es sogar auf den Domberg geschafft. Wer ein Liebhaber der Gebrüder Asam ist, sollte nicht am Freisinger Dom vorbei fahren. Mittagessen in einem kleinen Lokal, dabei die SZ gelesen. Im Freisinger Teil springt mir ein Foto in die Augen, daneben eine Beschreibung. Auf dem Foto kniet Bürgermeister Zierer vor Sauser und mir. Wann kniet schon ein Brügermeister vor einem! Ich fühle mich geehrt. Die Wirtin schenkt mir das Foto. Leider sind weitere Besichtigungen nicht möglich, weil Sauser sehr langsam ist und, weil Andreas, der die Geschenke gestern gesammelt, den Stadtplan ebenfalls in dem Beutel verstaut hat. Die kleinen Runden ums Hotel "Zum Gerg", Bahnhofstraße 13 zeigen ein Bild mit engen Gässchen, sogar rauscht "Im Wörth" ein Bach. Fotos werden nachgeliefert. Bis Morgen Eure Gunda
21.08.2009 Auf nach Rügen, aber langsam
Um 5 Uhr treibt es mich aus den Federn! Wo anfangen, damit ich auch eine solch lange Zeit von zu Hause weg sein kann? Wasserhähne von Wasch- und Spülmaschine abstellen, Kühlschrank leeren, noch einmal Blumen gießen ... Das Wichtigste, ich werde um 10 Uhr startklar am Marienplatz erwartet. Das haben Sauser und ich dann auch gut hinbekommen, dank der super Hilfe meiner Nachbarn, Maria und Stefan. Überhaupt, das muss ich an dieser Stelle sagen - ich werde es während der Fahrt noch öfters wiederholen - die große Welle der Hilfsbereitschaft von Freunden und Bekannten hat mich bisher schlicht überwältigt. Wie soll ich da den gebührenden Dank finden? Kaum im Prunkhof des Rathauses der Stadt München angekommen, ruft jemand: "Sie sind Frau Krauss! Bitte, ich hätte ein paar Fragen!" "Frau Krauss, ich bin vom BR und möchte Sie interviewen!" "Wir wollen einen kleinen Film drehen!" Mir schwirrt der Kopf. Pressekonferenz - Erklärungen abgeben (habe ich auch alles gesagt?), Fotografen - Kameras klicken. Ich weiss nicht, wie viele Interviews es waren und wer interviewt hat. Manchmal fühle ich mich wie unter Wasser gedrückt, nach Luft schnappend. Zum Glück - ich kann ganz gut schwimmen. Ich beneide nicht Menschen, die im Rampenlicht stehen. Nach dem Glockenspiel (12:15 Uhr) radele ich aus dem Prunkhof hinaus auf den Marienplatz. Ein Podium sehe ich und viele viele Menschen. Freunde und Bekannte sind gekommen, um mich zu verabschieden. Es würde den Tagebucheintrag sprengen, wenn ich alle nenne. Das hat mich schier umgeworfen. Tränen wollen fließen, sind kaum zurück zu halten. Danke und noch einmal danke sage ich da nur! Bürgermeister Hep Monatzeder, der ein Grüßwort auf meiner Homepage schrieb, kommt. Wir steigen gemeinsam aufs Podium. Launige Worte werden gesagt - eine wunderbare Atmosphäre. "Outdoor-Menschen sind per Du!" Und "Lasst uns endlich losradeln!" Mit diesen Worten beginnt mein Abenteuer - von München nach Rügen mit Sauser und dem Dreirad. Ach ja, Sauser muss ich erwähnen! Er ist ein wenig verwirrt ob des Rummels um sein Frauchen. Aber Verena hält ihn in einer stilleren Ecke vom Trubel fern. Kurz vor dem Start bekommt er noch Wasser und darf sich im Schatten ausruhen, versorgt von den vielen jungen Greenis -danke Euch allen! Der Radelcorso beginnt mit drei Polizisten auf Motorrädern, einen Polizeiauto mit Blaulicht, davor ein Mannschaftswagen. (Fast wie bei einem Staatsbesuch!) Dahinter Bürgermeister Hep Monatzeder und ich. Wir plaudern munter über dies und das. Wann hat man schon einen Bürgermeister für sich allein! Es folgen "meine Fans"! Die Polizei geleitet uns gen Norden in die Dientzenhoferstraße in das Mehrgenerationenhaus. Dort erwarten uns sozusagen neue Fans. Mit Trillerpfeifen und Jubelrufen werden wir begrüßt. Das Haus ist von oben bis unten mit Luftballons und Transparenten geschmückt. "Gunda-unterwegs" "Gute Fahrt" Wir können genügend trinken ehe es weiter geht. Aber vorher noch ein letztes Interview für heute. Wer weiß? Das abm-Filmteam verabschiedet sich. Danke Euch dreien! Zum Abschied wird mir eine Fahne überreicht, die das Team des Mehrgenerationenhaus auf Seide gebastelt hat. Andi bringt sie am Fahrrad an. Dann machen wir uns auf den Weg nach Freising, meiner ersten Etappe. Kurz vor Freising werden wir auf einem Biobauerhof erwartet, bekommen zu Trinken und dürfen uns an Käse aus eigener Herstellung laben. Erfahren vieles über diesen Hof, z.B. dass ohne Pflug gearbeitet wird. Das Umpflügen der Felder besorgen Regenwürmer! Das fasziniert mich! Leider müssen wir weiter - in Freising wartet das Begüßungskommitee der Stadt auf uns. Andreas Horn von Geen City Energy und Sonnenkraft Freising, der uns vom Biohof an begleitet, führt uns auf den Marienplatz. Dort werden wir vom dritten Bürgermeister, Benno Zierer und Fotografen sowie der Presse begrüßt. Ich bekomme wunderbare Geschenke überreicht. Das Stadtwappen von Freising wird an die Alukiste geklebt und der Bär angehängt. Dann geleitet mich mein Tross zum Hotel "Zum Gred". Herr Juric, der Chef ist unkompliziert, öffnet seine Garage für meinen Easy Rider. Der eine Akku, inzwischen leer, kann Strom tanken. Kurz frisch machen. Sauser zum Saufen geben, Gassi führen. Wird Zeit. Mitten auf den Straße muss er seinen Haufen setzen - er hatte seine Not, der Arme! Meine Freunde finde ich auf dem Marktplatz beim Griechen. Kurzes Plaudern. Dann verabschieden sich Theresa, Andreas und die beiden Greenis. Sie wollen mit der S-Bahn nach München fahren. Andi trinkt noch sein Bier aus und begleitet uns zum Hotel, wo sein Rad steht. Er fährt mit dem Fahrrad nach Hause. Ich habe genug für heute vom Radeln! Jetzt sind Sauser und ich allein. Nun müssen wir uns in immer wieder anderer Umgebung zurecht finden. Für Heute geht nichts mehr! Erst einmal schlafen! Gute Nacht allesamt! Morgen ist für mich ein Tag zum Ausruhen!
20.08.2009 Der Tag davor
Morgen soll es los gehen! Eine Menge ist noch zu tun! Auch am Easy Rider. Die Nervosität wächst ins Unendliche. Sauser schaut mich verwundert an: "Warum rennst Du so hirnlos herum?" Die letzten Instruktionen in die Technik, Navigationsgerät - mit Namen Garmin - und ins Netbook (wie sind Fotos zu bearbeiten und, und, und). Theresa sagt: "Ist doch ganz leicht!" Ob ich das Morgen auch noch so sehe? Die Akkus werden im Max-Planck-Institut in Martinsried an der Photovoltaik-Anlage, die Naturstrom dort installiert hat, aufgeladen. Morgen werden sie dann auf den Easy Rider gesteckt und es kann los gehen. Restsachen einpacken - das schon ist ein Abenteuer!! Sauser auf die Gutenacht-Runde führen - und endlich ab ins Bett. Natürlich kann ich nicht einschlafen vor Aufregung. Mir ist zu Mute wie vor einer Prüfung! 23:30 Uhr - Gute Nacht Freunde!
11.08.2009 Navi-Schulung
Der Countdown läuft. Die Zeit rennt. Das Lampenfieber wächst. Am 11. August habe ich einen Termin im Mediencenter 50plus in der Rottmannstraße. Um 9 Uhr soll ich mitsamt dem Dreirad dort sein. Voller Elan stürmt Thomas Froitzheim von Naviso outdoornavigation in den Raum – aus Bielefeld angereist. Ein niedliches kleines Gerät wird mir in die Hand gedrückt. Das Display ist noch grau. Nach dem Einschalten sucht das GPS dann draußen unter freiem Himmel unsere Ortung. Aber zuerst darf ich Trockenübungen machen. Ein-/Ausschalten, Seiten-, Menütasten, den Joystick betätigen. Was tut sich auf dem Display? Ist spannend und klappt. Spannend wird es jetzt in der Praxis. Ich soll eingegebene kleine Touren um den Block nach der Navigation testen. Ich sehe nur eine blaue Linie, die mal nach rechts, mal nach links verläuft. Sobald ich mich auf dem Dreirad in Bewegung setze, läuft ein Pfeil die blaue Linie entlang. Super. Ach, hier bin ich! Der Stadtmodus ist auf den Maßstab 50 m eingestellt. Jetzt soll ich nach links abbiegen – aber – schon bin ich übers Ziel hinaus geschossen. Macht nichts. Einfach ein paar mal um die Ecken radeln und schon habe ich die vorgegebene blaue Linie wieder gefunden. Tatsächlich erreiche ich das Ziel ohne Probleme. Das macht richtig Spaß. Thomas lobt mich, ich würde das super drauf haben. Mehrere kleine Testfahrten bringen immer mehr Übung – Übung macht bekanntlich den Meister. Aufpassen heißt es aber auch, nicht nur auf das Display achten, sondern auch auf den Verkehr, der mich umgibt. „Frisch ans Werk, soll die Tat der Meister loben!“ Das Navi funktioniert, die Praxis wird noch Überraschungen bereit halten, aber alles ist machbar.Liebe Freunde, bis später. Ihr werdet sehen, ich bin so gut verkabelt, ich kann nie verloren gehen.
23.07.2009 Bike Expo
Das ist schon ein Erlebnis, mit dem Dreirad über eine Messe und durch ein Restaurant zu radeln! Natürlich haben wir auch damit Aufmerksamkeit erlangt. Bis nach Taiwan sind wir nun bekannt.
19.07.2009 Streetlife-Festival München
Gunda präsentiert ihr Projekt und Willi, das Doubel von Sauser, der Öffentlichkeit auf dem Energy Union Podium auf dem Odeonsplatz